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Der Orient · 1847-09-10 · Heft 37 (10.9.1847) · p. Seite 296

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 37 (10.9.1847)
Date
1847-09-10
Page
Seite 296 (sequence 15)
Language
German
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— 296 - cheii ungarischen Judenschafi dieselbe reprasentireu Klanen? So kann ich Ihnen blos zwei Männer nennen, die. warm fühlen., kräftig reden und energi sch handeln: es sind unser Vorsteher Kun e w a ld er und Leo H o tländer in Eperies. Jst>es nicht traurig, ist es nicht ein schlagendes leslimoninm pauperlatis fite die Kultur der ungarischen Juden und ihr Interesse an der Wohlfahrt der Gesammtheit? Daö Räthsel hat aber auch seine Lösung. Die krasse Orthodoxie in unserm Lande haßt die Wissenschaft und jeden Schein von Bildung. Sie begnügt sich mit dem palästinischen Feenreiche und sucht die Kultur zu unterdrücken. So hat z. B. der Rabbiner zu Preßburg, der in dem Ruhme seines Vaters sich sonnt und den jüdischen Pabst in Ungarn spielt, ohne Pins IX. an Humanität gleichzukommen, einen fähigen Rabbinatskandidaten S i n ger, der zum Rabbiner in P alota gewählt wurde, das Rabbinatszeugniß verweigert, weil derselbe studirt hat! Wo solche Feinde des Lichts und Freunde der Beschränktheit einen Einfluß üben, muß da nicht jede bessere Regung unterdrückt, das Streben nach Bildung und Aufklärung gehemmt werden? Und Ungarn läßt sich von diesen Religionstyrannen in seinen heiligsten Interessen stören! Welch ein trauriges Faktum. Stünde ein Frankel an der Spitze unseres Landes, wie würden unsere Schulen blühen und in welchem Maaße würden Licht, Aufklärung und Bildung verbreitet werden! — Einen zweiten Hemmschuh bildet der Jndifferentismus der Reichen. Diese begnügen sich mit den Vortheilen, die der Reichthmm gewährt und suchen weder Ehre noch Verdienst darin, für die Interessen der Gesammtheit, für das Wohl des Ganzen zu wirken. Auf dem weichen Pfühl des Reichthums ruhend, ahnen sie nicht die Schmach ihrer Mitbrüder und lassen dem Sporte über Religion, Schule und Kultus die Zügel fahren. So geschieht es, daß die einflußreichsten Männer sich von der Oeffmtlichkeit zurück'ziehen und dem krassen Aberglauben eineu freien unfc großen Spielraum lassen. Traurig, daß cs wahr, und wahr, daß es traurig äst. Wien, 1. Sptbr. (Sonnt.-Bl.) Der Katalog der hebräischen Handschriften der Hofbibliothek in Wien, von unserem Mitarbeiter Hrn. S. Deutsch im Vereine mit dem zu früh Hingeschiedenen Hofbibliotheks-Seriptor Hrn.- Albrecht Krafft gearbeitet, ist soeben erschienen. Die Hofbibliothek besitzt 195 hebräische Handschriften, die theils durch Ankäufe ans früherer und neuerer Zeit, theils durch rühwenswerthe Geschenke des gelehrten -Bibliothekars Sebastian Tengnagels und Anderer zu dieser Zahl angewachsen sind. Die verschiedensten Wissenschaften sind, hier vertreten und zwar die heilige Schrift 24, Kritik Verlag von C. L. Fritz sch e. des heiligen^ Textes 1, Uebersetzung desselben 4, Auslegungen der heiligen Schrift 6, Legenden 2, Ueberlieferungen 5, Gesetzlehrc^ 7, Gesetzforschung 5, Rechtsgutachten 1, Liturgien 10, Religionsphilosephie 14, Sittenlehre 5, Gcheimlehre 13, Grammatik 4, Lexikographie 4, schone Redekünste 1, Aristotelische PHitosophie 19, Platonische 1, Ghazzalische 2, Geschichte des Hai Ben Joktan 1, Mediein 40, Astronomie 12, Astrologie 9 und kalligraphische Stücke 2. Die verschiedenartigsten Schriftarten des Hebräischen, als die spanische, französische, deutsche, italienische sind bei den einzelnen betreffenden Werken aus das Genaueste Wiedergaben. Die ganze Einrichtung des raisennirenden Katalogs, der uns die Erfüllung eines längst gefühlten und oft ausgesprochenen Wunsches nach einem Realkataloge nunmehr hoffen läßt, zeigen den Fleiß und die Studien der Verfasser in hohem Grade. Das Werk ist in der Staatsdrnck'erei herausgegeben und wie Altes, was aus diesem trefflich geleiteten - großartigen Institute hervorgeht, auf eine äußerst splendide Weise ansgestattet, eine Musterleistung. Fra nk r ei ch. Paris, im Aug.' 'Eine merkwürdige Thatsache habeich Ihnen zu reseriren. Hr. Dr. Beer in Dresden hatte im „IIn1v6i'3 israeliie<c — der mehre deutsche Mitarbeiter hat — die Anfrage gestellt, warum Thiers in'seiner Geschichte der französischen Revolution nicht des französischen Synhedrium's gedenkt und der frühere Conseil-Präsident hat in einem jüdischen Blatte sich entschuldigt, indem er dieses historischen Faktums in einem spätem Bande Erwähnung thuir werde. Würde m Deutschland ein ehemaliger Minister einem jüdischen Schriftsteller gegenüber sich entschuldigen? Und würde er dies in einem jüdischen Blatic thun? Und würde es in solchen artigen Wendungen geschehen? O, wir Deutschen können noch Manches von den Franzosen lernen! — Der „Univers isr.“ bringt jetzt ein sehr witziges Beiblatt, das ein Verwandter Ihres Berliner Korrespondenten sein soll. Doch ist die Verwandtschaft nicht sehr nahe, da die französische Sprache nicht so fügsam wie die deutsche für den Humor ist. Dasselbe Blatt hat auch in jüngster Zeit. eine mildere Richtung auf dem religiösen Gebiete angeschlagen. Munk ist leider von einem Angcnübel behaftet, was für die Wissenschaft ein großer Verlust ist. Druck von I. H. Nagel.

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