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Der Orient · 1847-09-10 · Heft 37 (10.9.1847) · p. Seite 294

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 37 (10.9.1847)
Date
1847-09-10
Page
Seite 294 (sequence 11)
Language
German
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Träumereien ergangen, nicht alle Juden des Großherzogthums haben sich durch süße Hoffnungen in sanften Schlummer einlnllm lassen. Viele, ja sehr Viele giebt's, die gar nicht geträumt, gar nichts gehofft, gar nicht geschlummert. — Doch verweilen wir erst einige Augenblicke bei den Andern. Sind ihre Hoffnungen in Erfüllung gegangen? sind ihre Träume eingetroffen? haben sie sich beim Erwachen nicht getäuscht gesehen? •— „ Schöne Fragen " —werden Sie sagen. — ,, Da kömmt's natürlich darauf an, wie wiel Einer gehofft, was Einer geträumt hat. Denn es lleße sich doch nicht annehmen , daß in dieser Beziehung Alle mit einander sollten übereingestimmt haben; vielmehr müßte angenommen werden, daß hier die Ansichten eben so sehr, und wo nicht noch mehr, differirten ttnb variirten als auf dem Landtage selbst." —- Gut, wir geben daS gern-zu. Aber Sie mögen auch uns'glauben, verehrtester Herr Redakteur, wenn wir, obwohl nicht zu denjenigen gehe-- rend, von welchen hier die Rede, Ihnen die Versicherung geben, daß selbst die, so in ihren Hoffnungen und Träiemen am mäßigstcu gewesen, sich durch das (nunmehr veröffentlichte) Gesetz doch noch sehr weit hinter jenes Minimum zurückversetzt'sehen. Wir Habens mit eigenen Slugen gesehen, wir haben's mit eigenen Ohren gehört, wie solche Männer gemäßigten Höffens und bescheideneu Erwartens beim Durch lesen des Judengesetzes die Augeu weit aufrissen und mit Staunen ausriefcu: „Ist da K Alles? Wenn so aber die.Mäßigen ausrufen, so können Sie sich denken, was erst diejenigen sagen, welche ihre Hoffnungen und Erwartungen nach den Reden eines Szuman's, oder eines Naumann's, oder eines v. Aner§- wald's w'. gemessen hatten; was erst diejenigen ausrufm, die in ihren Hoffnungen und Erwartungen so weit gingen, daß, wenn man sie darüber sprechen hörte, anzunchmen war, sie seien der Meinung, alle Hansemamüs und Beckerath's wären in B. zuri'lckbehalten worden, um im Kabinette das Gesetz mit beratheu zu helfen. ——-- — Und nun lassen Sie uns auch einen Blick werfen auf diejenigen, von denen wir oben gesagt, daß sie während der bekannten sieben Wochen gar nicht geträumt, gar nicht gehofft, weder einfach noch doppel süß -ge-, schlummert hätten. Man sollte glauben, daß diese, weil sie es eben verschmäht hatten, sich siebemnat sieben Tage in den süßesten Träumereien zu ergehen, sich siebenmal sieben Tage den lieblichsten Hoffnungen hwzngcben, daß diese mmmehr nach bcm Erscheinen des Gesetzes, das doch wenigstens Etwas bietet. Etwas, wo sie gar Nichts gehofft, gar Nichts erwartet hatten, daß diese nunmehr — sag.' ach — am Besten daran waren. So sollte man glauben. — Aber es täuscht sich, wer dieß annimmt, täuscht sich gewaltig. Denn die, so während der Jeme hu- S'fira auf gar nichts gehofft linb gar Nichts erwartet hatten — das sind so zu sagen die Radikalen. Sie sind diejenigen, welche Alles wünschen, ja Alles fordere!, weil sie sich bewußt sind, daß ihnen von Rechtswegen Alles zukommt, sich bewußt sind, daß ihnen von Rechtswegen Nichts/gar Nichts mehr vorenthaltrrr werden darf. Sie sind diejenigen, so. sich nicht eher werden beruhigen können, bis geschwunden sein wird der letzte, der allerletzte Rest von der gesetzlich sanktionirten Scheidewand, die sich, obgleich stellenweis durchbrochen, doch noch thurmhoch und felsenfest zwischen Christ und Jude erhebt. Sie sind diejenigen, in derer: Mienen sich nicht eher ein Lächeln zeugen wird, bis die Zeit gekommen, wo in Preußen eben so wenig ein besonderes Judengesetz, als ein besonderes Katholikengesetz oder ein besonderes Protestan- Lengesetz eristirt, bis die Zeit gekommen , wo in äußerkirchlichen Angelegenheiten (Gesetzen und Rechten) zwischen Mensch und Mensch — zwischen Kind und Kind — zwischen Bruder und Bruder — kein Unterschied, gar kein Unterschiedja nicht einmal der leiseste Anschein von einem Unterschiede mehr vorhanden ist oder nur geahnt wird. —- Und fragt man, warum diese Leute nach der: für uns durchaus nicht am schlimmsten ausgefallenen Landtagsverhandtuugen von 14—16. Juni so gar Nichts gehofft, so gar Nichts erwartet hatten? So antworten wir: Weit sie eben diejenigen waren, welche einen Liefern Einblick in den Stand der Dinge gethan hatten , weil sie nüchtern genug waren, um sich nicht durch gedrechselte, wohlklingende (obwohl auch aufrichtig gemeinte) Reden Einzelner verblenden und in ein Utopien versetzen zu lassen; weil sie, da ihre Augen stets offen, gesehen haben, wie die Gespensterschaar mittelalterlicher Voruriheite heute noch, in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts noch, umhcrwandett, wie sie umhcrwandelt am Hellen Tage, beleuchtet von der Sonne der modernen Philosophie, und mitten durch ein Volk, das sich das intelligenteste nennt unter allen, die mit ihm auf einem imd demselben Sterne wohnen; weil sie endlich nie vergessen haben, daß nicht die, welche gefordert, daß „aller und jeder Unterschied schwinden", daß das „ Prinzip der Nächstenliebe verwalten" müsse, im Kabinette saßen und das Gesetz mit bcrathen und*'ausarbeiten halfen, sondern nur diejenigen, welche gesprochen haben vor: ctnciii „ christlichen Staat" / welche gesagt haben; die Juden seien „Fremdlinge", welche uns nach „Zioll" verwiesen haben re. re. Darum haben die Radikalen auf Nichts gehofft, darum haben sie Nichts erwartet. — Und sie haben sich leider nicht getäuscht —-1 wenigstens nicht so sehr, wie Mancher glauben möchte. Wahrlich! wir hätterr jetzt Lust auf das mehrerwähnte Judcngesetz und seine einzelnen Paragraphe etwas näher einzugehen, und würden wir auch dieses Gelüst unbedingt befriedigt haben, wenn nicht die vereheliche Redaktion erst neulich erkläret hätte, daß sie die-Spalter! des Orients dergleichen Weitläufigkeiten nimmer offnen würde. Und so wollen wir uns denn (weil wir muffen) auf einige Punkte beschränken, eö dem Urtheil der Leser

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