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Der Orient · 1847-09-10 · Heft 37 (10.9.1847) · p. Seite 290

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 37 (10.9.1847)
Date
1847-09-10
Page
Seite 290 (sequence 3)
Language
German
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- 290 - wirft, wie anders stellt sich diese dem Auge dar. Sie scheint in sich noch nicht zum-Bewußtsein gekommen zu sein, daß dadurch, daß ihr im vorigen Jahre von Seiten des Ministeriums gestattet wurde, sich rach Ueberzeugung ihre Kultusbeamten zu wählen, auch das Recht cingeräumt wurde , sich zur eigenen Gemeinde zu kousiituircn, was in Breslau um so leichter, selbst nach dem Gesetzt vorn 23. Juli 6. angehen dürste, da, wie allgemein bekannt, die Gemeinde dieser Stadt keine Ablösuugsfoude, wie solche fast jede Gemeinde des Herzogthums zu tilgen habe, abzutragen hat, und dies wäre noch das alleinige Band, woran ein Gesammtinteresse geknüpft werden müßte und wozu die Verschmelzung der Parteien unbedingt nothwendig wäre. Diese Partei scheint erst abwarten zu wollen, ob Männer ans ihrer Mitte in die bald zu bildenden Repräsentanten nudVerwaltungSbeamtell-Collegim ebenfalls gewählt Werdern, sie scheint aber nicht zu bedenken, daß nach geschehener Wahl, die allen Symptomen nach zu nrtheilm die beste Aussicht gerade nicht bietet, kein Rückschritt, keine gänzliche Trennung von Seiten des Gesetzes mehr zuläßig sein wird. Denn mit dem Schreiten zur Wahl hat sie auch zur Gesammtgememde sich bekannt; es wird ihr höchstens Nach §. 53 des neuen Gesetzes das Recht zustehen, für sich eine Synagoge zu bilden, sie wird aber die von ihr nicht anerkannten Beamten ohne weiteres mit unterhalten müssen. Würde dieser Umstand nachher nicht zu größeren Streitigkeiten führen, als eine baldige aber gänzliche Trennung? — Gesetzt anch der Rabbiner Tiktin wird als solcher von den Repräsentanten und VerwaltrmgSbeamteu anerkannt und aus der Gcmemdckasse gleich dem andern Rabbiuen besoldet, so wird dieser Sold wie bisher lediglich aus der wohl fortbestehenden Fleischsteuer', Krupke genannt, genommen werden, und gerade die Tiktin'sche Partei ist cs, welche diese große Steuer fast ausschließlich aufbringt. — Wenn also diese Partei sich nach den für sic hervorstechenden Nachtheilen ans purer Aeugstlichkoit dennoch nicht absouderu und zu einer Gemeinde koustitnireu mag, so wird es ihre Aufgabe sein, nicht müssig die Hände in denSchooß zu legen, sondern thatkräftige Männer aus ihrer Mitte zu Repräsentanten zu wählen, wenn sie der Gemeinde fticdeubringende und Aussöhnung verbreitende Statuten geben will. Posen, 30. Ang. (Statistische Notizen über die Juden im Großherzogthum Posen, zum Theil nach Back?) 1. Jüd. Einwohner überhaupt. Das Großh. Posen zählt jetzt bei einer BevöLkernng von ' i) Oberlehrer am köni'gl. Haupt - Schullehrer-Seminar zu Posen und Herausgeber des geographisch-statistisch-topographischen Handbuchs: „Die Provinz oder das Großyerzogthum Posen" (Berlin, 1847. st\ 8.). 1,326,000 Seelen etwa 82,500 — also Juden? Hiervon kommen a) auf den Reg.-Bez. Posen, der ungefähr 900,000 Ew. hat, gegen 57,000 , also beinahe iV; 1)) auf den NB. Bromberg, der über 456,000 Ew. zählt, etwa 25,500, also über — Wenn nun, wie die neuesten statistischen Berichte lauten, im ganzen Königreiche c. 208,000 Inden wohnen, so werden die Juden unserer Provinz zu - denen der übrigen 7 Provinzen (125,000) ungefähr wie 2 zu 3, und zu denen der ganzen Monarchie, wie 2 zu 5 sich verhalten, d. h. es werden die Inden der Prov. Posen' zwei Fünftheile der gesummten Preußischen Judenh e i t betragen? 2. Jüdische Gemeinden. Unter den 145 Städten des Großhcrzogthnms giebt es 135^ mit jüd. Gemeinden oder Korporationen^ und unter diesen 40 (also über £) deren Mitglieder die Zahl 500 übersteigt. Am bedeutendsten unter den Gemeinden sind: 1) Posen mit nicht viel weniger als 10,000 I. (d. i. beinahe * der GesammLbevölkernng). 2) Kempen mit 6. 3,500 I. (d. i. mehr als die Hälfte aller Einwohner). 3) Lijsa mit 3,456 I. (fast dergesummten Bewohner). 4) Krotoschin mit 2,250 I. Qder gef. Bev.). 5) Ra wiez mit etwas mehr als 2,000 I.-2 3 4 5 6 7 — Als statistische Merkwürdigkeit ist in dieser Beziehung das Städtchen Fordon a. d. Weichsel (im RB. und Kr. Bromberg) zu nennen, wo unter 2,075 Einw. beinahe 1450 (also fast f) Juden sich befinden, eine Erscheinung , die sich vielleicht nicht einmal tu Rußland wiederholen mag. 3. Synagogen. Solche giebt es in unserer Provinz 132^, und zwar 86 im Posener und 44 im 2) Am Schluffe des Jahres 1843 (wo die ganze Provinz kaum 1,280,000 Einwohner zählte) lebten daselbst etwas über 79,500 Juden. Die Anzahl unserer Juden hat sich demnach in den letzten 3 Jahren (während welcher die Gesammtbevölkerung der Provinz einen Zuwachs von etwas über 40,000 erhalten) um beinahe 3000 Seelen vermehrt. 3) Das wäre gerade weniger-, als Ende 43, wo die Juden Posens aller preußischen Juden ausmachten. Ursachen dieser Verminderung im Verhältnisse sind 1) die Uebersiedlungen aus unserer Provinz in die andern preuß. Provinzen, 2) die unter unfern Juden bei weitem häufiger als unter denen des übrigen Preußens vorkommende Auswanderung nach Amerika. — 4) Und zwar 87 im Posener, 48 im Bromb. NB. — Jüd. Landgemeinden giebt es bei uns gar keine. Wenn ein Dorf noch so groß ist, werden darin höchstens 3—4 jüdische Familien angetroffen. 5) Hierunter werden bei uns solche Verbände verstanden, die nach dem Gesetze vom 1. Juni 1833 ihre selbst gewählte' Repräsentanten und Verwaltungsbeamten haben. 6) Einwohnerzahl in P. 42,000, in K. 6,250, in L. 9,000, in Kr. 6,750, in R. 9,350- 7) Verhältnis; zu der .Gesammtzahl der kathol. Kirchen (684) fast wie 1 zu 5, während die der evairgel. Kirchen noch um 4 itbertvoffen wird.

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