Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 36 (3.9.1847)
- Date
- 1847-09-03
- Page
- Spalte 571-572 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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571 Studien. Ras. Meldola's Biographie, mikgecheilt von Zipfer. 572 LehensgeMchte Nafael Meldola's und ein Bild der Wischen Zustande in Italien zu seiner Zeit. Die spanische Schule hat sich von jeher sowohl vor dm französischen, deutschen, als überhaupt polnischjüdischm /Lehranstalten durch eine bessere Auffassung der ihr gestellten Aufgabe im Gebiete der Wissenschaft ausgezeichnet. Nicht zu gedenken eines Maimüni und anderer Männer erster Größe seines in der jüdischen Literatur epochemachenden Zeitalters, sehen wir den damals auf dem Felde des Wissens so weit vorgedrungenen Geist, bis an das 18. Jahrhundert herab, wenn auch nicht in seinem ganzen erhabenen Glanze, aber doch hellstrahlend genug, um im Dunkel des Mittelalters als Leuchte zu gelten, unter den Jüngern und Nachkommen dieser Schule sich als angeborenes Vermächtniß fortpftanzcn und selbst auf fremdem Boden noch starke Wurzel schlagen. So finden wir noch in dieser Epoche, in der der Rabbiniömus im Allgemeinen eine finstere Gestaltung angenommen, unter den Männern spanischen Schlages, noch einen großen Fond der Erkenntnis; in allen Zweigen des menschlichen Wissens.- Heut zu Tage würde es sogar überraschen, einen Rabbiner, der zugleich Doktor der Heilkunde wäre, oder sich nur vertranter mit dieser Kunst gemacht hätte, ein geistliches, Amt verwaltend anzutreffen; aber im 18. Jahrhundert gab es deren noch in Italien, wie dieses überhaupt ein Eharakterzeichcn der spanischen Schule ist, daß die Jünger des Acökulap Träger der jüdischen Wissenschaft zugleich gewesen. So hatte Anken a im Anfänge des vorigen Jahrhunderts an dem berühmten Samson Mvrpurgo einen heilkundigen Arzt für Geist und Körper zugleich. Die spanischen Flüchtlinge führten nach allen Enden ihrer Zerstreuung ihre Muttersprache und zugleich die darin aufbewahrten Schätze ihrer Weisen als heilige Reliquie mit sich und gab es selbst unter ihren spätem Nachkommen noch viele, die sich meisterhaft in dieser, die Geschichte ihrer Leiden zugleich erzählenden Sprache, ausgezeichnet, und so warm fühlten sie für das grausame Vaterland, das sie barbarisch?des Theuersteu beraubt und dann in die Fremde HLnausgestoßen, daß sie, nachdem schon längst Spaniens Größe am politischen Horizonte uutergegangm, Kastiliens Zauberklänge verhallt und das in ihrem Sch ooße erzeugte grause Schreckbild, die Inquisition, verdrängt war, daß sie, die Geächteten nämlich, die Sprache des mit. Wehmuth aufgegebenen Vaterlandes als einziges ihnen gelassenes Gut nach allen Enden der Welt mit sich trugen, und der Fremde , der die jüdischen Quartiere zu Amsterdam, Konstantinopel, Marokko zt. oder in Italiens Gauen besuchte, mußte sich in eine spanische Kolonie versetzt glauben. Sie verstanden alle die einst gewesene Muttersprache vollkommen, bedienten sich derselben tu ihren häuslichen Angelegenheiten als auch bei wissenschaftlichen Verhandlungen in einer zierlichen und eleganten Ausdrucksweise. Einem aus diesem Geschlechte hervorgegangeuen Rabbinen konnte man es nicht, wie es. bei uns jungst gegen 400 Rabbiner behauptet wurde, zum Vorwurfe machen, daß er sich in keiner lebendigen Sprache anszudrücken verstehet und von den Todten nur das Tode und Abgestorbene ausgenommen, habe; es waren vielmehr Spaniens jüdische Gelehrte, durch Verbreitung ihrer von einem freiem Geist atbmeüden'Schriften, für die jüdische Wisseuschast das, was in selber Epoche, als der Islam auf Koustautinopels Mauern den Halbmond anfgcstcckl, die aus Griechenlands Gauen sich flüchtenden Musen für das christliche Europa gewesen. Wir wollen, als Beleg unserer Aeußerungen, die Lebensbeschreibung mancher aus spanischer Familie herstammenden Rabbiner, in wie weit uns ihre eigenen Werke als Quellen zu Gebote stehen, hier 'mittheilen und gedenken, so der verehrte Herr Redakteur dies. Bl. seine Spalten einem solchen Unternehmen gern eröffnet, mehre derselben in aufeinander folgender Reihe zu liefern. — Jedenfalls schmeicheln wir uns, dem verehrten Leser nicht lästig zu fallen, wenn wir bemüht gewesen, hier und da zugleich manche Notizen über die Verhältnisse jener Gemeinden mitzntheiten, die mit unfern Beschreibungen in einer nahem Verbindung stehen. — I. Rasa el Mel d o la wurde in Livorno (nach später auzugebenden Daten) um das Jahr 5445—1685 geboren. Seine Familie war ursprünglich aus Spanien, jedoch lebte schon sein Großvater, David Israel Meldota, im Jahre 5407=1647 in dieser Stadt und hatte wahrscheinlich eine rabbinische Funktion daselbst zu versehen (NnNir6 fp Hw n n ns> Yo '-’D Yiv m Db -n d'o njpfa ino btnan in rnn iw). Aus einer Aeußerullg Ides Rafael ('^d nV ü'zn O'O 'n ■pm hd ,^nor2npD ^Vnw^H : ov Nrs .12 WDipoa p) gehet hervor, daß die jüdische Gemeinde zu Livorno eine nicht lange vorher gegründete Kolonie war und scheint es, daß dieser sein Großvater, der übrigens noch im Jahre 1674 C’j ''D iv Yd 7n) daselbst gelebt, von den ersten Begründern derselben gewesen. — Rafaels Vater, Elieser Meldola, stand ebenfalls in Livorno einer jüdischen Akademie mit den damit verbundenen rabbinischeu Funktionell 40 Jahre vor und hielt auch seinen Sohn zu diesem Studium an. Allein der jurlge Rafael zeigte, nach stiller eigenen Aenßcruug, in seiirer Kindheit nur wenig Eifer für diese ernsthafte Beschäftigung (OM1DNP12 'n -p yn* 1311 frjnn myi MM.' Seine Mutter, ebenfalls aus einer rabbinischen Familie, war aus, Pisa gebürtig. Er wurde in seinem 16. Lebensjahre schon von seinen Eltern mit der Tochter seires Onkels, Abraham Meldola, verheiratet,