Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1847)
- Date
- 1847-09-03
- Page
- Seite 285 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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285 m und Nabbinate iit und außer unserem Großherzogthum thtils mündlich erklärt hatten, in dieser Sache gegen den Oderrabb. von Posen nicht handeln zu können, oder wenigstens nicht handeln zu wollen. — Doch dieses Alles nicht achtend, hatte Nathanus den Muth, mit seinem Bundesgenossen, dem als Hatarat-hora'a-Lieferantell nicht unbekannten Rabb. von Sch—ke, hieherzukommen und unter Zuziehung eines hiesigen Lamdan's, am hiesigen Orte, fast unter den Augen unseres Herrn O.-R. a) Den EJi auszustellen und einen damit nach K. abzufertigen und d) Den pc>D auszusprechen, daß im Falle der j-p^ wiederunverrichteter Sache, zurückkehren sollte, Herr *** ohne Weiteres ein anderes Weib ehelichen könne,r)* Das, lieber Leser, war das Vergehen'des Nathanus. Die geschäftige Fama brachtee es alsbald zu Ohren des Obcrrabbiner in Altona, und N., wegen seiner sträflichen Handlung hart zu Rede gestellt, mußte sich, trotz seines vorgerückten Alters und trotz der strengen Sonnenhitze entschließen, die weite Reise nach A. zu unternehmen, um dort, sich^schuldig zu bekennen, oder womöglich sich zu rechtfertigen. — Ob letzteres ihm gelungen, wissen wirnicht anzugeben. Jedenfalls erlauben wir uns, daran zu zweifeln. Das kann uns Keiner wehren.-— Unsre Geschichte ist zu Ende 7). Mir der Feder eines Papaer Auti-Low- 5) Ein 2.1, der längere Zeit vorher schon von einem aus lauter hiesigen After- Lamdanim zusammengestück'elten Kollegium ausgefertigt und mit einem nach K. geschickt worden war, hatte das Schicksal, wieder nach P. zurückgebracht zu werden, da Madame, sobald sie von der Anwesenheit des Posener Boren und dessen Absicht Wind bekommen hatte, durch eine schleunig unternommene Reise der ihr drohenden Aufdringlichkeit — aus dem Wege ging. 6) Bigamie —also contra Rabenu Gerschom. Das Institut dieses Mannes ist aufgelöst — und das ohne Rabbinerversammlung.— Doch was mag das liebe Geld nicht Alles? Nathanus soll 40, sein Bundesgenosse 60 und der hiesige Lamdan 100 pr. Thlr. bekommen haben. — Wer in der Arithmetik wohlbewandert, mag hieraus berechnen, für wie viel Thlr. 3 poln. Gelehrte das Institut des der n*702 2c. umstoßen würden. — Uebrigens muß es unsecm Nathanus Zum Ruhme nachgescutt werden, daß er die erhaltenen 40 Thlr. mchc mit nach Hause nahm, sondern sie bei einem hiesigen reichen Juden deponirte, um, Falls die beabsichtigte Anti-Reform - Synode in unserer Provinz zu Stande kommen sollte, davon Gebrauch machen zu können. 7) Sehen Sie, Herr Redakteur, solche Dinge sind's, die drüben, im Schooße der Orthodoxie, vorgeheu — und das Altonaer Wochenblatt schweigt dazu. Wenn sich aber hüben eine Fliege nur regt, da fängt der Wächter gleich zu tuten an, und tutet und brüllt und macht Allarm, als wenn Zion Zum dritten Mal im Feuer stände, und ruhet nicht eher, bis eine Schaar von Gänsekielen in Bewegung gesetzt und gegen den angeblichen Verbrecher der Krieg begonnen. — Dergleichen Manoeuvres von drüben her sind allzubekacmt, als daß wir uns hier erst auf Beispiele einlassen sollten, obwohl wir ribrr ein Dutzned gleich bei der Hand hätten. — Was das oder Ami-Feitel - Korrespondenten würden wir dieselbe ganfc anders erzählt haben. So aber möge lriran uns verzeihen, wenn unser Styl bisweilen zu trocken, bisweilen zu wässerig ausgefallen. An erfterem möge die drückende Hitze, an letzterem der Umstand schuld sein, daß uns unser Buchhändler seit dem letzten 17. Tammus noch keine Nummer des „Wächter" hat zukommen lassen. — Konstanz, 1. Aug. Obwohl Referent ein Christ ist, so freut er sich dennoch mit jedem Fortschritte, der auf dem Gebiete der wahren Humanität gemacht wird, d. h. mit jedem Fortschritte in der Emancipationssache. In diesem Bewußtsein gereicht es mir zur besondern Freude, Ihnen folgendes Aktenstück mittheilen zu können, mir der Bemerkung, daß ein wackeres Mitglied des weisen Raths, Hr. Zogelmann, den größten Antheil an der Förderung dieser Humanitätssache hat. Sie werden vielleicht über einige Punkle verwundernd das Haupt schütteln; allein man muß die lokalen Verhältnisse genau kennen, wenn man ein gerechtes Urthell über diese Angelegenheit fällen will. Sie können sich der Hoffnung hingeben, daß allmälig der letzte Rest der konfessionellen Scheidewand im socialen Leben fallen werde. Hier das Aktenstück. „Geschehen Constanz, den 5. Juli 1847. Vormittags 8 Uhr im städtischen Rathhause. In Gegenwart des Bürgermeisters Hartli n, sodann 93Mitgliedern des großen Bärgerausschuffes, mit Einreichung der Mitglieder des Gemeinderaths und engen Bürgerausschusses und des Rathschreibers Ruzenmair. In der auf heute angeordneten durch zweimalige Einrückung in die Constanzer Zeitung, öffentlichen Anschlag und specielle Einladung eines jeden Stimmberechtigten gehörig verkündeten Versammlung des großen Bürgerausschusses sind von 107 Mitgliedern 94 erschienen, somit mehr als die gesetzlich erforderliche Hälfte. Nachdem der Bürgermeister diese Anwesenheit durch N:amenaufruf konstituirt und die Gegenstände der Tagesordnung nochmals verkündet hatte, so schritt man zur Verhandlung der tetzrern und zwar: 1. Der Frage, ob und unter welcher Bedingung die Niederlassung der Juden in der Stadt Constanz zu gestatten sei? Der Bürgermeister erläuterte der Versammlung die Veranlassung und den Inhalt der vorliegenden Frage, und verlas sodann wörtlich den vom Gemeinderathe adoptirten Entwurf der Bedingungen, unter welchen die Niederlassung der Juden in der Stadt Constanz stattsinden kann, bestehend in 9 Artikeln. corpus delicti betrifft, fo konnten wir Ihnen noch mehr solche Exemplare aus unserer Prov. vorführen. Aber ^mir furchten, Sie werden , sagen, und mit Recht D\p2\vnn *?)) p^y rj'Dirfr N3 nnN) onyDSD UNV Barum für diesmal genug. —