Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1847)
- Date
- 1847-09-03
- Page
- Seite 284 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- 284 — firlls stellt sich vorläufig das Resultat heraus , daß die S onn tags-Diener Von der eigentlichen Gemeinde sich noch nicht getrennt haben. — Wir wundern uns auch., daß so selten von hier aus ein Bericht in den Orient kommt; es gewinnt fast den Anschein , daß die Falkson'sche Mischehe-Frage alle Interessen in sich vereinigt und absorbirt habe. Posen, im Aug. Ihr Altonaer Korrespondent scheint nicht am besten unterrichtet, wenn er (Or. Nr. 31) sagt, daß der Sokrates des Nordens*), d. i. der N. zu Sch—l, deshalb nach Altona gegangen sei, um die TV. zu hinterrreiben, oder um die NB. zu stören. Dieses oder jenes mag vielleicht Nebenzweck gewesen sein, das wollen wir nicht bestreiten ")z doch der Reise Hauptzweck war ein anderer, ein ganz anderer. Der N. von Schn, reiste nach Hamburg, Altona und Hannover, um sich vor den dortigen Häuptlingen der Orthodoxie, namentlich vor dem Rabb. E. in A., wegen eines Vergehens, dessen er sich gegen unsern OR., Herrn Sal. Eger, zu Schulden kommen ließ, mündlich zu vertheidigen. — Sehen sie, bei den Schwarzen da drüben geht es noch ganz römisch zu. Pater Nathanus im S. vergeht sich gegen Patrern Salomonem in P. — accusatur — und muß nach Romain (i. e. Altonam) pilgern, iin Vatican (i. e. Bet Ha-Midrasch) erscheinen/ um vor dem Papst Jakob 1 et ejus collegio seine Vertheidigung zu führen. — Und mit welcher Buße, glauben Sie, wird Nathanus belegt? O, da hat's in Nom-Altona keine Noth. — Man verurtheilt ihn z. B., vier Wochen hinter einander jeden Morgen und jeden Abend zum Kafee eine Nummer des Zions-Wächters zu verzehren; oder man giebt ihm auf, im Verlauf eines Vormittags 77 oder gar 1161 2 3) Noten im Briefkasten des Z.-W's. zu entziffern; oder man löst ihn den ganzen vorigen oder vorvorigen Jahrgang des Z.-W's. laut vortragen (NB. wenn «s lesen kann, was bei unfern Orthodoxen selten der Fall ist); oder endlich, was die härteste Strafe sein möchte, man heftet 10 Bogen des „Israeliten" u. 3 Bog. der R.-Z. zu einem Mantel zusammen, bekleidet damit den Deliquenten und laßt ihn so maskirt von Altona über Franks, a. M. u. Magdeburg nach Berlin wallfahrten, um sich an letzterem Orte L Sonntage hintereinander, jedesmal Vormittag um 9 Uhr am Eingänge des ehemaligen Gropius'schen Lokals über die Schwelle zu legen und — wie weiland Akosta in Amsterdam, — die Aus- und Eingehenden über sich hinwegtreten zu lassen. — Aber, was war denn eigentlich das so große Vergehen unseres Nathanus? So hören wir von allen Seiten die 1) Ueber die 7 Weisen des Nordens in unserm nächsten Berichte. 2) Denn, das wissen wir, die Idee, welche im Spätsommer v. I. die Grätzer Diminutiv-Synode hervorgerufen, ist noch nicht zu Grabe getragen. Wir werden nächstens auf diesen interressanten Punkt wieder einmal zurückkommen. 3) Daß diese die nuuieri sanetissimi der Altonaer Brammen-Kaste, ist allgemein bekannt. Leser diesesl Blattes neu gierig fragen. — Wer das wissen will — geben wir zur Antwort — der muß es uns nicht für ungut halten, wenn wir uns erlauben, hier etwas weit auszuholen und dem Publikum ein Histörchen aufzutischen, welches tausendmal eher in die nordischen „ Wächter " als in unfern lieben „Orient" hineingepaßt hätte.— Vor einigen Jahren ist hier der Fall vorgekommen, daß eine Frau, vorgebend, mit ihrem Manne nicht länger zusamleben zu können, diesen verließ und in ihr väterliches Haus, nach K. i. Pr. , zurückkehrte. Als alle Versuche, sie wieder zurückzubringen, an der eisernen Beharrlichkeit dieses amazonischen Weibes scheiterten, sah sich ihr Eheherr genöthigt, ihr die Scheidung anzubieten, welchen sie jedoch nur unter der Bedingung anzunehmen sich bereit erklärte, wenn ihr Alles, was sie mitgedracht, unverkürzt wieder ausgeliefert würde. Dieß letztere war aber ein Punkt, worauf einzugehen Herr * *' durchaus nicht gesonnen war. — Was aber denn thun? Wie die Scheidung zu Stande bringen und des Weibes Gut behalten können? — Ein sogenannter Lamdan, mit dem sich Herr * mochte beratschlagt haben, fand einen Ausweg — und wissen Sie, wie dieser Ausweg heißt? —' Zwangsscheidung. — Nicht wahr, Hr. Red., ich komme Ihnen heute ganz zions-wächterkorrespondenzlich vor? Doch, entschuldigen Sie. — rüH habe ich nun einmal zu schwatzen angefangen, so lassen Sie mich denn ungestört fortfahrm. Ich werde bald zu Ende sein. — Wir waren bei der Zwangsscheidung stehen geblieben. Der L.amdan, von dem wir oben sprachen, wußte aus der Lebensweise der besagten Frau herauszukalkuliren, daß diese eine niDE) , eine rn mmy u. dgl. sei, weshalb sie nach talmudischen Grundsätzen verdiene, daß ihr der io.) aufgedrungen werde. Zur Ausfertigung eines Get's ist aber ebenfalls nach talm Grundsätzen ein p not&ig, Herr *" wendet sich an unsern Herrn O.-R., ersucht denselben, sich ins Mittel zu legen und den Zwangs-Get zu Stande zu bringen. Herr Eger wünscht aber Beweise, daß besagte Frau in die Kategorie derjenigen gehöre, denen nach dem Talmud der könne aufgedrungen werden, und da ihm solche Beweise nicht können geliefert werden, so erklärt er sich deshalb — und noch aus andern sehr triftigen Gründen — in diesem Falle ein für allemal gegen die Maßregel der Zwangs-Scheidung (nrnD L3J) *) — Nun kommt die Pointe des Stücks. — Es war bekannt, durch unsre ganze Provinz und noch weit über ihre Grenzen hinaus bekannt, daß und warum der hiesige Ober-Rabbiner in beregwr Sache gegen die Zwangs-Scheidung sich erklärt hatte; war bekannt, daß auch der Rabbiner zu Jnowrazlaw aus Achtung vor Herrn Eger die Ausstellung des Get's verweigert hatte; es war bekannt, daß ebenso das Berliner Rabbinat den Antrag, eine Zwangsscheidung zu Wege zu bringen, zurückgewiesen; auch war bekannt, daß noch viele andere Rabbi- 4) Wer nur einigermaßen mit dem Verlauf der Geschichte bekannt war, hat das Benehmen des O.-R'g. in der ganzen Sache sehr taktvoll und sehr weise gesundem