Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1847)
- Date
- 1847-09-03
- Page
- Seite 283 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 283 — meindelasten sich nicht bethciligen wollen, noch von einem andern talmudischell Grundsätze: Wer Alles abteugnet ist frei, Gebrauch. D ie gemäßigten Reformer, fett Ln die Kategorie der n^pD3 »THD gehören, werden daher auch verdammt und muffen bezahlen. So wird Alles nach talmndischen Prineipien gerichtet nach dem Witten des falschen Propheten Samuel, fccffat'nNDiion nn den Spcisegesetzen den Krieg angeknndigt. Kollege Holdheim wird von den jüdischen Fleischern, den Abkömmlingm Arnalek's, und von ihren Helfershelfern, den Schlächtern, gerichtlich belangt. Zu Holdheim, dem Reformer, schlich Schochet, den Chalef im Gewände. Ihn schlug die Genossenschaft in Bande. Was wolltest Du mit dem Chalef.' sprich? Entgegnet ihm finster der Wütherich^ „Die Scharr' vom Tyrannen befreien" Das sollst Du am Talmud bereuen.— Ich bin, spricht Jener, zum Schlachten bereit, Und bitte nur um mein Leben: Doch willst du Gnade mir geben, Ich flehe dich um'drei Tage Zeit, Bis ich den Chalef von P'gimot befreit; Ich lasse die Kuh dir als Bürgen, Sie magst du, entrinn' ich, erwürgen. — Und die Sonne geht unter, da steht er beim Thor Und sieht den Talmud erhöhet, Den die Genossenschaft umstehet. An dem Pilpul schon zieht man die Kuh empor; Da zerstreut er gewaltig den dichten Chor: „Mich, Lamdan, ruft er, erwürget, Da bin ich, für die ich gebürgetl" — Und Erstaunen ergreift das Volk umher, In den Armen liegen sich Leide, Und weinen vor Schmerzen und Freude. Da sieht man kein Auge thrancnleer, Und zu Holdheim bringt man die Wnndermahr; Der fühlt ein menschliches Rühren, '; Laßt schnell vor die Kanz'l sie führen. — Und blicket sie lange verwunden an. Drauf spricht er: Es ist euch gelungen, Ihr habt den Pilpul bezwungen, Und die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn, So nehmet auch mich zum Genos sen an: Ich sei, gewährt mir die Witte, In Eurem Bunde der Dritte. — Diese moderne Bürgschaft ist nach dem Grundsätze': Jeder Jude muß für den Andern bürgen, gedichtet. — bin Anhänger der Genossenschaft wird hier Moses genannt, mcU D'ß.n p. Das der Sinn des mcbctncn M o se st hu in s. ' * Königsberg, 20. Aug. (SonntagSgotteodienst.) Unser Sonntags-Gottesdienst, oder 'wie er osfi'eiell heißt „die sonntäglich stattfindcnden Andachts-Stunden", waren ein Gegenstand der Mittheilnug fast in allen politischen Zeitblättern, und ich erlaube mir hier m diesem Blatte um so eher eine Mütheilnng darüber, als jene erwähnten Berichte in nicht-jüdischen Blättern sehr leicht zu Mißverständnissen Veranlassung geben können. Im Jahre 1845 hat bereits cm großer Theit der Gemeinde, namentlich der begütertere, intelligentere und gebildetere, den.Wunsch ausgesprochen, den Sabbat-Gottesdienst in vaterländischer deutsch er Sprache abzuhalten; dieser Wunsch steigerte sich damals schon zu einem entschiedenen Fordern und man wäre fast fanatisch und unduldsam gegen die das alte wollende Minorität gewesen, wenn nicht durch die umsichtigen Belnühungen des Gemeinde-Predigers Dr. Saalschutz, der mit alten Gemäßigteren der Königsberger Gemeinde den Fort sch r t t n ur a u f der Basis des Gesetzes will, dieser Wunsch dahin riiodisicirt worden wäre, daß deutsche Gebete eingerichtet wurden, die mit den Hebräischen abznwechseln haben. Im Jahre 1845 erschien auch zu diesen: Zwecke ein liturgischer Entwurf. Aber diese halbe Reform, sogut sie auch gemeint war, genügte weder der: sogenannten strenger: Orthodoxen, die durchaus nicht den: eigentlichen Gottesdienst vom deutschen Elemente dnrchdringen taffen wollten, noch den fordernden- Neuzeit-Juden, denen dieses Flickwerk als etwas Halbes durchaus nicht behagen wollte. Diese Letzteren wellten absoluten deutschen Gottesdienst uui) ba am Sabbat das nicht zu erreichen war, und überdies das sociale Leben in seiner Verschmelzung der Bekenntin'ß-Unterstchiede den Sonntag verlangte, so beharrte diese Partei darauf, einen Sonntags-Gottesdienst cinzurichten. Zwei Jahre lang wurde indeß diese Partei in ihren Wünschen hingehatten, bis endlich, in Betracht daß das Geschäftstcben wirklich dem Gottesdienste au: Sonnabend hinderlich ist, daß die Jugend thatsächlich den Sonnabend-Gottesdienst nicht besucht, daß die jungen Leute, die sich dcrHandtung oder den akademischen Studien hingcbeu, nicht kommen können, .nachgegeben wurde, damit die ausblühei,de Generation, diese-Hoffnung unserer Zukunft, nicht der jüdischen Gemeinschaft ganz entfremdet werde. Hr. Dr. Saalschutz entschloß sich endlich zu diesem Schritte, wenn auch nur das als außersabbatliche Andachtsstnnde auffassend; er meinte, es sei besser zur rechten Zeit in einem geringen Theile nachzugeben, als später das Ganze unrettbar zu machen und so entstand, nach vielfache!: Bemühungen des Vorstandes, der Sonntags-Gottesdienst. Dabei muß ich bemerken, daß von vorn herein entschieden erklärt'wurde, in keiner Weise dem Sabbat in seiner Weihe und- Feierlichkeit Abbruch 'zu thnn. Das ist die kurze Geschichte unserer sonntäglichen Audcrchtsstun-den, die seit diesem Monate eröffnet wurden; unsere S o n n t a g s -D: e ner, deren Zahl in der Thai nicht unbedeutend, haben sich keineswegs vor: der alten Sabbativeihe des Jndenthums lesgesagt, wie inan etwa auswärts glauben könnte, sondern nur in ihrem Herzcnsdrang noch etwas hinzugefngt. Ob dieser angebliche Herzensdrang nicht in leidiger Nachäfferei den Urgrund hat, ob die jetzt noch bestehende Achtung vor dem Sabbat auch in der Zukunft noch eine Stelle in den Herzen finden wird, ist freilich die Frage, jeden- 36 *