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Der Orient · 1847-09-03 · Heft 36 (3.9.1847) · p. Seite 282

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 36 (3.9.1847)
Date
1847-09-03
Page
Seite 282 (sequence 3)
Language
German
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— 282 — erschienen und zählt die meisten Freunde unter allen Par-, teien, indem er nicht verletzt- 'und sich neutral verhält. Er läßt sein Licht leuchten den Guten wie den Bösen. Wir wünschen r daß er nicht so bald nutergche, da er eine bedeutende Anziehungskraft besitzt'und inmilden Strählen sein Licht ergießt. Möge er sich durch den ZW. nicht abhalten lassen, die Wahrheit in Humoristischer Form vorzutragcn. l. BreslMr, 18. Aug. Diesmal erlauben Sie meinen Bericht mit einer Mlttheilung über die Tiktin'- sche Religionsschule zu eröffnen, da doch auch über die Geiger'sche ..in diesen Blättern ein Bericht erstattet wurde. Die große Masse der hiesigen Gemeinde, Orthodoxe und gemäßigte Reformer, haben, wie Sie wissen, es längst gewünscht, der ReligionssHule im Sinne Geiger's eine andere im Sinne der greßern Mehrheit zu errichten, und.sie Hai endlich ihren Wunsch ausgeführt, indem sie den Dr. Grätz, der für Errichtung der Schule sehr thätig war, als ersten Lehrer definitiv angestellt. Als. zweiter Lehrer fnngirt Hr. Thilo, der früher inRatibor und in Gteiwitz zehn Jahre, zuletzt in Oppeln als Lehrer an der dortigen Elementarschrile angestcllt war, und als dritter Lehrer für die Ansangsgründe' der hebräischen Sprache ist ein gewisser Groß ans dem Posen'- schen angestcllt. Die Schüterzahl beträgt jetzt 260, was für den Anfang nicht unbedeutend erscheinen kann; es ist übrigens auch Aussicht, daß für das nächste Semester diese Zahl.'bedeutend an wachsen wird. Im Ganzen ist eS höchst erfreulich, daß nun auch bei dieser sogenannten Tiktm'scheu Partei der rechte Sinn sür die richtige religiöse Erziehung ihrer Kinder erwacht ist. — Dr. Grä tz hat sich jetzt, wie ich höre, bei seinen wissenschaftlichen Beschäftigungen, ganz dem Erforschen dcs alexandrinischen Geistes hingegeben, und wir haben von ihm auf diesem Felde etwas Tüchtiges zu erwarten, wenn auch dergleichen Studien bei seiner Stellung als Direktor der Anstalt nur langsam reifen können. Unter den vielen Rabbinats- Kandidateu, die hier sind, herrscht jetzt im Ganzen ein wissenschaftlicher Sinn, der bekanntlich mit der Reform- Jitflnic sich nicht einigen kann, aber ebenso von einer zionswächterlichen Starrglanbigkeit entfernt ist. Frankfurt a. 19. Ang. Unter den vielen zweckmäßigen Anstalten tut Schooße der hiesigen israelitischen Gemeinde zur Verbesserung des sittlichen, intellektuellen und materiellen Zustandes ihrer Glaubensgenossen vermißte man stets ein Institut, welches dem Schicksale derjenigen jüdischen Handwerker gewidmet wäre, die ihre Lehr- und Wauderjahre gehörig durchgemacht, aber aus Mangel an den uöthigen Mitteln die Etablirung nicht zu bewerkstelligen vermögen. Der dahier bestehende Verein zur Beförderung der Handwerke unter den israelitischen Glaubensgenossen, der in dem ihm angewiesenen Wirkungskreise kaum noch etwas zn wünschen übrig laßt, ist statutenmäßig hauptsächlich ans die Ausbildung von Lehrlingen hirig^viesen und kann daher den Gesellen , welche das- Meistcrrecht zu erlangen beabsichtigen,' eine ausreichende kluterstützung nicht gewähren. Dasselbe ist hinsichtlich der zu gleichem Zwecke errichteten und bisher auch, von dem erwähnten Verein ans Gefälligkeit mitverwalteten ,,H^ S. Goldschmidt'schen Stiftung^ der Fall. Um nun aber nach Kräften zn verhüten, daß. herangebildcte juug-e Handwerker jüdischen Glaubens sich durch den Drang äußerer Umstände veranlaßt sähen, ' dem ergriffenen bürgerlichen Berufe untreu zu werden und sich etwa dem leidigen Nothhandet znzuwenden, verfügte die am 17. d. M. beerdigte Frau. Caroline Goldschmidt, geb. GanS, neben andern milden Legaten, in den Artikeln 1—3 ihres am 9. d. M. errichteten Testaments, daß aus ihrem Nachlaß 5 000 ft. der obenerwähnten Stiftung ihres seligen Gatten H. S. Goldschmidt übergeben und die Zinsen davon zur'Unterstützung solcher jüdischen Handwerker verwendet werden sollen, welche die gesetzliche und technische Befähigung zum Meisterwerden besitzen und nicht int Stande sind, sich die,uöthigen.Werkzeuge re. anznschaffen. Die Unterstützung soll in der Regel in Realien, nach bewandten Umständen jedoch auch in baarem Gcldc geleistet werden. Bei den bekannten Gesinnungen der Mehrzahl der hiesigen Israeliten läßt sich -erwarten, daß dieses edle Beispiel bald Nachahmung finden und dadurch in den Verhältnissen der jüdischen Handwerker eine oft schmerzlich gesuhlte, wesentliche Lücke «ausgefnllt werde. (H. Z.) Berlin, 24. Ang. Seitdem rosenrothe Damen und lilienbleiche Historiker, leichtfertige Pnblicisten und gründlich-langsame Gelehrte für-den Polenprozeß schwärmen, hat sich die Aufmerksamkeit der hiesigen Inden den Polen zngewandt, um ihnen den Prozeß zu machen. Die Polizei hat längst euren jüdischen Polenprozeß dmchgemacht, indem sie den Nomaden der jüdischen Literatur die Sektion Lech lecha mit aller Grazie und Liebenswürdigkeit vorgetragen hat ohne Kommentar und Holzschnitte. So sind sie nun hünveggezogen die Träger unserer Literatur, der Vorsehung der Polizei sich fügend. Ob sie nach Zion, ihren: Vaterlande, ihre Schritte gerichtet, ist hier, wo Jerusalem cme unbekannte Größe ist, unbekannt. Diese Polen fpatteu nicht ' konspirirt, gingen sehr planlos, obwohl nicht ohne Strategetik, zu Werke — und ohne Anwalt und ohne Oeffcntlichkeit wurde ihnen der Prozeß gemacht. Sit iis levis terra,, da die ganze Erde ihr Vaterland ist. — Auch die Reformer haben einen Polenprozcß eingeleitet. Von dem Grundsätze. ausgehend: -ui dkV pN, sprechen sie dem polnischen Elemente im Indent'hum jeden Werth vor dem Lichte der modernen Aufklärung ab. Sic werden bemerken, daß ich den Traktat Sabbat gemißdmtet habe; dies geschah aber im Sinne der Reformer, die blos an dem m riN ip^nn Wolftgefalten finden. UebrigenS machen die Reformer, die an den Ge-

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