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Der Orient · 1847-08-27 · Heft 35 (27.8.1847) · p. Seite 278

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 35 (27.8.1847)
Date
1847-08-27
Page
Seite 278 (sequence 11)
Language
German
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278 gehülfen, Gesellen, Lehrlinge oder Dienstboten angenommen werden. Die Ucherschreitung ,dieses Verbots zieht gegen die Inländer und die fremden Juden, gegen Letztere, insofern sie sich bereits tanger als sechs Wochen m den diesseitigen Staaten aufgehülten haben, eine fiskalische Geldstrafe von 20 — 300 Lhlr. oder verhältnißmäßige Gefängnißstrafe nach sich. Fremden Juden ist der Eintritt in das Land zur Durchreise und zum Betrieb erlaubter Handelsgeschäfte nach näherm Inhalte der dariiber bestehenden oder künftig zu erlassenden polizeilichen Vorschriften gestattet. In Betreff der Handwerksgesellen bewendet es jedoch bei. den Bestimmungen der Ordre vom > 14. Okt. 1838 und der mit auswärtigen Staaten besonders geschlossenen Verträge. §. 72. (Aufhebung abweichender Gesetze.) Alle von den Bestimmungen dieses Gesetzes abweichenden allgemeinen. und besondern gesetzlichen Vorschriften werden hierdurch außer Kraft gesetzt. §. 73. Unsere Minister der geistlichen ^. Angelegenheiten, des Innern und der Justiz haben wegen Ausführung dieser Verordnung das Erfoderliche zu veranlassen. Urkundlich unter unserer allcrhöchsteigenhäudigen Unterschrift und beigedruLtem königlichen Jnsigel. Gegeben Berlin, 23. Jul. 1847. (L. S.) Friedrich Wilhelm. Prinz von Preußen, v. Bo-yen. Mühler. Eichhorn, v. Thlle. v. Savigny. v. Wodelschwingh. Men. Frhr. v. Canitz. v. Düesberg. Berlin, 17. Aug. Das habe ich nicht verdient-. ,,Wao?" werden Sie fragen. Etwa daß der junge Rabbi Sofer in Preßbnrg* mir, wegen meines Kampfes gegen die Reformer-Poschim, ein rabbinisches Adetsdiplom zugeschickt hat? Das wäre nicht so schlimm. Oder daß die modernen Gastronomen mir einen schlechten Geschmack und wenig Wissen wegen der Beobachtung der Spcisegcsetze znmuthen? Auch das wurde ich mit der Geduld gewisser Gemeinden ertragen. Oder daß Hr. Lebrecht meine unschuldigen Artikel sich nicht zuschreibt, obwohl sie an enym erscheinen? Auch darauf war ich gefaßt. Um es Ihnen mit einem Werte zu sagen, der ZW. hat mich gelobt! Das ist in der That ein zu harter Schlag. Dadurch veranlaßt will ich „meinVerhattniß zum ZW." in einem bescheidenen Tone auscinandersetzen. Der ZW. liefert die besten Vorarbeiten zu einer gemäßigten Reform und darum ist er mir willkommen. Das Recht, von welchem unsere Folio-Referrncr Gebrauch machen, kann auch die starre Partei der Orthodoxen für sich in Anspruchs nehmen, und es ist ungerecht, sie dieses Rechtes berauben zu wollen. Wie auf unserem Landtage alle Parteien ihre Stimmen erheben haben, so müssen auch im Judcnthmn alle Fraktionen sich geltend zu machen suchen, bis eine Vereinigung stattfinden wird. Nur sollte der ZW. nicht .sivv sein in Betreff der Angriffe. Er greift hier in das Gebietanderer Journale über, deren Privilegium die Offensive ist, während dem ZW. nur die Defensive zukommt. Vielleicht kommt bald die Zeit, wo auch der Wächter ausnist„Der Morgen naht"! llm mit den Berliner Eckenstehern zu reden: „Darum kecneFcendschaft nich". Unsere Eckensteher führen mich auf die neueste Klaffe der Eckensteher. Seit der Publikation des Judengefetzes finden Sie an allen Ecken jüdische Professoren. Die meisten Gelehrten schwelgen in Professoren - Träumen. Der Eine hört sich schon im Geiste vom Katheder herab gegen den Frieden und die Eintracht im Judenthum donnern; der Andere freut sich ans seine Vorträge über die Anatomie und Pathologie der jüdischen Zustände, da es zur Therapie noch nicht gekommen; ein Dritter studirt bereits seine Antrittsrede über die Kreise, in denen er sich bewegt, über das Quadrat — msJD — der Reformer, über die unbekannten Größen, die hier Vorkommen, über die rechten Winkel der jüdischen Literatur n. s. w.; ein Vierter lebt im römischen Rechte — aus Mangel eines deutschen — und schreibt eine Dissertation über daS Unrecht, dessen sich die jüd. Journalistik schuldig macht, welche Abhandlung, ohne erschöpfend zu sein, einen starken Folioband auSmachen wird; ein Fünfter weist nach, daß die Bücher der Chronik das erste jüdische Journal waren und daß auch dieses Journal nicht ganz echt und von Parteilichkeit nicht frei ist; ein Sechster, ein Schüler Bepp'ö, bereitet seine Zuhörer auf die große Entdeckung vor, daß Abraham der Nicht-Brahma (a X braluna) heißt; ein Siebenter will seinen Schülern das Beschncidungszeugniß Kalir's vorlegen und dadurch beweisen, daß Kalir aus Köslin war, das früher Koslir, KaSlir und Kalir hieß, woher auch die Verstöße gegen die hebr. Grammatik; ein Achter wird schlagend Nachweisen, daß bereits bei den 8ltesteisi Nabbincrwahl.cn Schlägereien vorgekommen: kurz ich lebe und bewege mich unter lauter Professoren in spe. Jeden Tag können Sie die jungen Professoren nach der Universität Wallfahrten sehen, um ihren künftigen Wirkungskreis zu betrachten. Alle hoffnungsvollen Kandidaten der jüdischen Theologie haben sich der neu eröffneten Carriere zugewandt und wenn Sie in der nächsten Nummer der P. A. Z. die Ernennung eines Professors lesen, so wird der Professor gewiß ein Jude sein. — Wegen meines Korrespondenzzeichens nennen mich einige hier NDDD -Q, und wiedere Andere Vielleicht werde ich darum so belagert von Zudringlichen. War aber nicht Bar-Cochba ein „treuer Zions- Wächter"? * Hamburg, im August. Hamburgs Gemeinde hat einen harten Verlust erlitten, und die Frommen ihr geistreichstes Mitglied verloren. Der edle Rabbi Simon Beit wurde in diesen Tagen der Mutter Erde zurückgegeben. Ihn nach Verdienst zu schildern , dazu bedarf es einer gewandteren Feder als der Meinigen. Aufgezogen als Talmudist, drang er früh in die tiefsten Tiefen dieser Wissenschaft ein, und blieb ihr Zeitlebens Iren. Woher mag es kommen, daß die Gelehrten aller Zciten,

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