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Der Orient · 1847-08-27 · Heft 35 (27.8.1847) · p. Seite 274

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 35 (27.8.1847)
Date
1847-08-27
Page
Seite 274 (sequence 3)
Language
German
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die sich danach sehnte, der hebräischen Sprache Valet zu sagen, und die deutsche Sprache im Kultus an ihrer Statt einzusetzen, die den Sabbat auf den Sonntag verlegt, die Spciscgesctze abgeschafft, und tausend andere unschuldige Dinge eingeführt wisserr wollte. Das Volk, die bisher verachtete Kanaille, das, weil es nicht eine bestimmte Summe für die großen Ausgaben des Obervorsteher-Kollegintns herzngeben im Stande war, von dem aktiven und passiven Wahlrecht völlig ausgeschlossen war, wird bei der ersten Wahl der Repräsentanten um so vorsichtige sein, als den ersten -Repräsentanten eine ungeheure Macht eingeräumt ist, mit der sie, wenn sie nicht'von Eifer für das Gesammtwohl der Gemeinde beseelt sind, den nachtheiligsten Mißbrauch treiben könnten. Die Repräsentanten haben nämlich nach dem neuen Gesetze den Vorstand zu wählen, dem nicht blos die Gemcindefinanzeu zu verwalten, sondern auch den Kultus und die öffentliche religiöse Norm zu bestimmen, Statuten zu entwerfen, Rabbiner und Kantor zu wählen obliegen wird. Von der ersten Wahl der Repräsentanten wird das Wohl nndWehe der Gemeinde abhängen. — Belustigend ist es aber, wie jetzt die Sünder und Hcuchiler in Zion zittern!—Eine lange Zeit hat unserDr. G eiger sich in die Hoffnung cingewiegt, dieEinschränknng des Gesetzes, daß diejenigen, welche in den letzten drei Zähren ihre Beiträge nicht geleistet, von dem Wahlrecht ausgeschlossen bleiben, schon jetzt rückwirkende Kraft haben werde, so daß lediglich das Obervorsteher-Kollcgium mit seinen etwa 200 Anhängern über die Nepräsentantenwahl disporuren werden. Diese Illusion haben leider Rechtskundige grausam zerstört, so daß fortan seine Existenz von der Gnade oder Ungnade der neuen Repräsentanten und Vorsteher abhängig sein wird, die ihn im besten Falle, wenn sie feinen Kontrakt nicht augreifcn körnten, doch ans seine Funktion als Rabbinatsassessor mit 400 Thlr. Gehalt zurnckweiscn und seinen angemaßtcn Titel Rabbiner ihm nehmen dürfen. Ach wie traurig, von der Höhe seiner erträumten Größe und Sicherheit auf die Volkögunst angewiesen zu sein, die mau sieben Jahre hintereinander auf das schonungsloseste verscherzt hat! DaS Obervorstehcr-Kolleginm hält daher jetzt schon Sitzungen, giebt der andern Partei zu verstehen, daß er jetzt zu einer friedlichen Ausgleichung geneigt wäre/ Aber es wäre schmählich, wenn die konservative' Opposition, die jetzt das-Recht und die Macht auf ihrer Seite haben, sich von friedlichem Vorspiegelungen sollten blendeil lassen. , Das Resultat der Wahl ist nämlich sehr leicht vorauszuschen. Es werden nach dem neuen Gesetze in hiesiger Gemeinde über 1200 Wähler mtftiTtm, von denen wohl kaum 300 für die Mitglieder des jetzigen Vorstandes und die Anhänger Geigers voiiren werden, itnb selbst wenn eine Zahl durch Wahlnmtriebe gewonnen werden sollte, so wird noch immer eine Majorität zu Gunsten —- ich will nicht faßen Tiktins — denn man muß nicht -gerade für T. stimmen, wenn man gegen Geiger sein Votum abgiebt — sondern zu Gunsten der Gewissensfreiheit gegen den Gewissenszwang, zu Gunsten der Religiosität gegen eine alles Maaß überschreitende Reformwuth bleiben. Sie können sich nun denken, wie die Gemüthn auf diese Wahl gespannt sind; es. wird ein Kampfplatz werden, wo die beiden Prinzipien in ihren Vertretern ein ernstes Ringen antreten werden, aber der Sieg ist nicht zweifelhaft. Nachträglich will ich ihnen noch berichten, daß die letzte That Geigers nicht geeignet war, chm die Gemüthcr geneigt zu machen. Er hat durch eine ganz freiwillige Abreise gegen den dnd njwn protestirt. Voriges Jahr feierte er in seiner Synagoge diesen Fasttag noch durch eine deutsche Uebcrsetznng der Tranerliedcr und durch eine Predigt. Dies Jahr aber, um sich nicht den Schein zu geben, als habe er durch das Festhalten an dem Fasttag seine Augen uns Zion gerichtet, entfernte er sich ans der Gemeinde während des Fasttages und des darauffolgenden OT D2W, um «m Sorlntag darauf sofort zu einer Trauungsrede cinzutreffen. Dieses Verfahren chcirakterisirt sein ganzes Verhalten zur Reform, er hat nicht den Muth den Fasttag mit Zubehör für abgeschabt zu erklären, um cs nicht mit den Bessern seines Anhangs zu verderben, aber auch nicht dm Willen, ihn mitzumachen, um sich nicht in den Augen derer zu komprvmittirm, denen er eine „wahre Reform" verheißen. Da haben Sie den Märtyrer der Reform, von dem der Geschichtsschreiber Jost eine neue Acra zu da- Liren, die unbegreifliche Verblendung hat. O ein bequemes Märtyrthum auf weichem Polster mit dampfender Havanna-Cigarre. Hingegen hat Geiger die Fatalität, daß, während seine Schwächen gloristeirt werden, sein wahres Verdienst immer mit Stillschweigen übergangen wird. In der Bnrgervcrsammlung, wo zu Ehren der heimgekehrten BrestanerAbgeordneten der Standeversammlung ein Festessen veranstaltet war, brachte Geiger einen außerordentlich gelungenen Toast auf die Emancipation aus, der sich den lauten Beifall der Anwesenden erwarb. Und die hiesigen Blätter übergingen diesen Toast und seinen Erfolg mit nnbegreistichem Stillfch;»eigen. F. Mittelftankerr (in Baiern), Auf. Ang. Das Neueste bei uns ist die vielverbreitete und glaubwürdige Nachricht, der Jnstizminister H. v. Maurer wolle Rechtsgelehrte jüdischen Glaubens zur Advokatrir zulassen. Einer neuen Verordnung bedarf es hierzu nicht, da diese Zulassung in dem bestehenden Gesetze kein Hinderniß findet und in den dreißiger Jahren Dr. G rünSfeld, freilich wie'man sagte ans dem Grunde, weil dort viele Inden wohnen, in Fürth als solcher angestellt worden ist. Bekanntlich hat jedoch Hr. Dr. Grünsseld fast nur christliche Clienten und sogar nur ein christliches Hilfspersonal. Die erleichterte Zlltassung, Sache der allerhöchsten Gnade, wäre jedenfalls ein Fortschritt und dop-

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