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Der Orient · 1847-08-13 · Heft 33 (13.8.1847) · p. Seite 263

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 33 (13.8.1847)
Date
1847-08-13
Page
Seite 263 (sequence 13)
Language
German
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- 263 — Ehrgefühl / das man in uns dadurch kränkt , daß mait. jum Hohne europäischem Gesittung, Menscheu, die weiter nichts verschuldet, als daß sie an eitlen absolut einzigen Gott glauben, deshalb wie Verbrecher auf einen gewissen Raum beschränkt imd darin einpfercht, das ist cö, wogegen unsere sittliche Würde sich sträubt. Ein enges Stübchen,, das ich freiwillig bewohne, kann ich so behaglich finden, daß ich es tagelang.nicht verlasse; ober zum schrecklichen Kerker wird selbst ein Pallast mir werden, wenn ich auch nur kurze' Zeit darin verhaftet bin. Und darum ist ein Ghetto nichts anderes als ein Kerker, eine Vergrößerung desselben bloS ein erweitertes Gefängniß. Aber selbst angenommen, daß ein Jude sein, ein Verbrechen märe, so ist diese Maßregel doch gerade den gegenwärtigen rationellen Gcfängnißsystemen ganz entgegengesetzt. Die neuesten Erfahrungen haben das Schädliche des Zusammenlebens der Verbrecher nachgczeigt, und wie ersprießlich es hingegen ist. die Gefangenen unter einander abzusondern und zu vereinsamen. Nun wird bei uns alles auf den Kopf gestellt. Anstatt jenen die Kemmunikativn unter sich abzufchneiden und sie nur in Gesellschaft rechtschaffener Leute zu lassen, werden im Gegentheile die des JudenthumS bezüchtigten Delinquenten zusammen-, und von den unschuldigen Christen abgesperrt. Und ajip:aU nach dem anbnrnischen Systeme den Tag über die Gefangenen zusammen kommen zu lassen, des Nachts aber von einander entfernt zu halten, gehen hier die Juden am Tage vereinzelt jeder seinen Geschäften nach, aber Nachts müssen Alle zusammenkemmen und in demselben Stadtviertel schlafen. Eine Petition von hundert Bürgern, größtcntheils Hausbesitzern, die Inden in Miethe haben, ihren fernem Aufenthalt daselbst zu gestatten, fand in Wien hohe Berücksichtigung; nur wurde, weil einige Male die hiesige Bürgerschaft in einem ganz entgegensetzten Sinne sich ausgesprochen hatte, der hiesige Magistrat beauftragt, biedert untorzeichneten.vorzuladen und sie um ihre wahren Memungen näher zu befragen. Doch, anstatt sich bamit zu begnügen, dem Regicrungsbefehle nachzukommen, werden, nun die Zünfte und der Handelsstand, zwei notorisch den Juden cbm nicht geneigte Körper, um ihre Meinung darüber befragt. Das Resultat dielttAeußerungen ist vorauszusehen, und wir werden dann uur um einige Dokumente der Unfreiheit und der Selbstincht bereichert sein. So' erben sich historische Rechte wie eine ewige Krankheit fort;, von dem Recht, das mit uns geboren ist, von dem, ist leider nie bie Rede. S. H oo k. Prag, im Juli. (Durch Zufall verspätet.) Seit cniiger Zeit scheint die hiesige Gemeinde aus ihrer lan- Zen Lethargie zu erwachen, und etwas mehr Interesse den gemeindlichen Angelegenheiten zu nehmen. Die- I^s zeigte sich, wie Ihnen bereits bekannt, durch die vor nicht langer Zeit stattgefundenc und stürmisch vorgcilemmcitc neue Vorsteherwahl. Ob diese eine glückliche war, davon werden wir uns später üb erzeugen. Sehr-wenig, aufmuntemd muß es jedoch für solche Männer sein, die .durch manche Opfer und Leistungen das Gemeinwohl beförderten, sich verkannt zu sehen, ja man freut sich sogar, ihnen manche Verdrießlichkeiten zu verursachen und Jntngnen zn spielen, um Leute an die Spitze der Verwaltungsangelegenheiten zu bringen, die gern eine Rolle, wenn auch eine lächerliche spielen wollen, und, wo es angcht, dabei ihre Sporteln zu haben gedenken. Sv hat erst in neuester Zeit der allgemein geachtete Herr Dr. irted. Adolph Wehle, dritter Gemeiudcvorstand, der bisher die Gemeindeangelegenhciten sowohl mit Umsicht als Energie durch 5 Jahre zur allgemeinen Zusricdellheit unentgeldlich besorgte, und zugleich die ökonomischen Geschäfte des isracl. Spitals und der damit vereinigten Armenkasse mit dem größten Eifer leitete, durch absichtliches ihnw Entgegentreten sich veranlaßt gefunbcn, diesem mit vielen Beschwerden und Verantwortlichkeiten verbundenen Posten zu entsagen. So wird der guten Sache immer geschadet, inan opponirt und weiß nicht warum; inan reformirt und wählt dann doch das Alte. Möge denn dieser für die Gemeinde beträchtliche und wahrhafte Verlust durch Männer ersetzt werden, denen die Sache ebenso am Herzen läge, wie dies bei dem fetzigen Gemeinde- und Spitalvorstand der Fall war. — Eben so traurig und wirklich herzergreifend ist e§, daß unsere böhmischen Juden noch immer unter der durch die allerhöchste Gnade Sr. Majestät zum Segen ertheilten, durch die exekutive Gewalt jedoch zur Geißel gewordene SteuerablösnngSlast seufzen, welche von Tag zn Tag ln dieser Hinsicht ersindungSreicher in Gelderpressungen wird, indem der Familienvater, mit sich daS Sterierabfotutorium gänzlich zu verschaffen, nebst seiner Steuer noch 2 fl. 30 Kr. CM., ohne irgend einen Grund zn deren Erhebung zn erfahren, erlegen muß, was bei einer so zahlreichen Gemeinde eine große Summe ausmacht,> deren Verwendung man leider noch bis jetzt nicht kennt. — Was unsere religiösen Angelegenheiten betrifft, so muß ich berichten, daß unser Prediger Herr Dr. Kä mp f außer seinen Predigten, die inhaltlich gediegener werden, unb manchmal sowohl auf Gemüth als auf Geist wohlthätig eimvirken, noch besondere Vorträge'über die mutt", ,,Sprüche der Vater" hält. Mit Sa eh kenn tu iß dringt er zuweilen in das Dunkel der Vorzeit, unb weiß sowohl durch die systematische Stufenfolge seiner Beweisführung, und die Belege seiner Behauptungen die Aufmerksamkeit des Sachkundigen zu spannen, als auch auf den Laien durch seine gemnthvollen Worte einzuwirken. *—'Auch unser ehrwürdiger Oberrabbiner, Herr S.Rapaport hält sehr gelehrte und anregende Vorträge über

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