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Der Orient · 1847-08-13 · Heft 33 (13.8.1847) · p. Seite 261

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 33 (13.8.1847)
Date
1847-08-13
Page
Seite 261 (sequence 9)
Language
German
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261 denim erheben könnten. Israel hat fünfmal länger und schwerere, drückendere Fesseln -getragen, bloß um nicht feigherzig seinem Glauben» n treu zuwerden. Hätte es diesen abgeworfen, augenblicklich wären alle Fesseln, alle Schranken von selbst gefallen. .Will man es ihm nun zum Vorwurf machen, wenn diese vielleicht hie und da ei ni ge Spure n, einige wunde Stellen zurückgelassen, und es nicht vielmehr anerkennen, daß sich dessenungeachtet noch so v-iel edles Element — wir dürfen, ohne unbeschieden oder anmaßend zu erscheinen, es wohl sagen — unter ihnen erhalten, ihnen nicht Gelegenheit geben, sich wieder zu erheben, gerade einhergehen zu können, sich ungehindert zu entfalten? Will man nicht endlich seine Wunden heilen, die Verkennung, Ungerechtigkeit und Menschenhaß ihm geschlagen, nicht die lange Schuld endlich sühnen? ~~ Was machte vornehmlich die Sympathie für die Griechen so rege? Man hat ihnen so viel Schönes und Herrliches zu danken. Hat man nicht dem Juden das Schönste, Herrlichste zu danken? Ist nicht der erhabene Stifter der christlichen Religion im jüdischen Lande erstanden; sind nicht die Apostel selbst Juden gewesen? '(cf.' Luther's Schriften). Man macht ferner gewöhnlich auch eine sogenannte Antipathie des Volkes gegen die Emaneipation der Juden geltend, um daraus, die Unzulässigkeit derselben herzuleiten und scheinbar zu motiviren; allein ist dieß nicht einestheils eben eine nothwendige Folge jener beklagenswerthen Ausschließung; muß nicht das Volk diese gar als gerecht ansehen, wenn sie vom Gesetze geheiligt worden, und ist nicht andererseits hierbei in der Regel der E g o i s m u s die bewegende Triebfeder, von dem häufig die innere, bessere Ueberzeugung erstickt wird. Judeß ist-diese sooft vorgeschützte Antipathie bei dem gesunden Sinne des deutschen Volkes schon fast gänzlich geschwunden: auch die Anträge der meisten preußischen ProvinziaLstände können dafür bürgen. E i n z el ne gehässige St im men werden wohl bei dieser hochwichtigen Angelegenheit nicht maaßgebend sein können; die Gesetzgebung wird nicht aus Schonung gegen verjährte Vorurtheile, falsche Ansichten, verächtlichen Eigennutz ungerecht sein wollen, sein dürfen! — Man stelle den jüdischen Bruder dem christlichen gleich und augenblicklich wird jene sogenannte Antipathie, jeder Haß, wie durch Zaubermacht zerstoben sein. — Der Umstand, daß der Jude nicht deutschen, sondern orientalischen Ursprungs wäre, wird doch hierbei nicht hinderlich sein! Ist nicht Asien die Wiege des gesammten M enschengeschlecht 6? Ob wir auch einige Generationen später herübergekommen, das kann wohl nicht entscheidend stm. Hat man doch den französischen R^fugL^s und Emigranten sofort die vollen bürgerlichen Rechte eingeräumr, obwohl sie ihre heimische Sprache und Ansichten großenteils beibehalten. Wir sind jetzt mit voller Liebe, mit vollem Herzen Deutsche; deutsch ist unsere Sprache , unsere Kleidung, unsere Bildung, unsere Gesinnung. Unsere Gelehrten, deren wir trotz der Ungunst der Verhältnisse eine nicht geringe Anzahl besitzen, arbeiten eifrig mit auf dem Felde ^deutscher Wissenschaft und Literatur, und auch für das, Wiederaufblühen deutscher Industrie haben Israels Söhne nicht Geringfügiges geleistet! Hinsichtlich des oft gebrauchten Vorwandes, daß der Staat ein chri stlicher sei, und um deswillen die Juden von allen Aemtecn ausgeschlossen werden müssenwagen wir es, statt aller Widerlegung die Worte eines christlichen Geistlichen, des Dr. M. Löwenstein, Pastor zu Drehne bei Luckau, in - der letzten Hälfte der kirchlichen Vierteljahrsschrist vom Jahre 1844 ganz unterthänigst hier anzuführen: „Es ist jetzt Brauch, sich mancher Prädikate zu bedienen, die zu ihrem Subjekte nicht recht paffen wollen; es giebt bewaffneten Frieden rc. so scheints, mir wenigstens, mit dem christlichen Staate zu sein. Es hat Staaten gegeben ohne das Christenthum und giebt solche, und wenn auch sämmtliche Einwohner eines Landes Christen, ja, noch mehr Christen einerlei Bekenntnisses wären, so hatte der Staat darum jenes Prädikat noch nicht verdient. Der Staat an sich hat mit dem Christenthum nichts zu thun, und ich wüßte z. B. nicht, wie Jemand die Politik der christlichen und allerchristlichen Staaten, mit demselben in Beziehung bringen wollte. Der Beamte leistet seinen Eid, befolgt die Staatsgesetze billiger Weise, wo sie mit seinen persönlichen Ansichten auch nicht übereinstimmen; seine Religion kommt nicht ins Spiel. Ware denn, um das Landrecht anzuwenden, und Finanzoperationen zu erwägen oder Subalternendimste zu leisten, wirklich das Christsein so absolut nothwendig? Ginge man von dem Gedanken aus, das Christenthnm sei die'absolute Religion; darum seien nur seine Bekenner absolut sittlich; denn der Staat könne nur durch christliche Principien regiert werden: so hätte das uns einen scheinbaren, aber auch nur einen solchen Sinn. Der Staat stelle seine Grundsätze auf, und wer Staatsdiener werden will, muß sich nach ihnen richten; will ers nicht, so bleibt er draußen, wie das ja vorkommt; nur lasse mau die Religion aus dem Spiele!" Es ist auch höchst erfreulich, daß selbst ehemalige Gegner der vollständigen E m a n c i p a t i o n, nachdem sie durch Erfahrung eines Bessern und Richtigeren belehrt wurden, jetzt dafür stimmen und theilweis der Vertheidigung dieser großen Frage das Wort reden. Wir nennen unter Andern nur den Geheimen Oberregierungsrath Streckfuß, früher ein bitterer Gegner, der sich aber später in seiner zweiten Schrift über die Verhältnisse der Juden in einen eifrigen Dertheidlger einer u nbe schr ä nkt en Emanzipation umgewandelt, nicht zu gedenken der großen Zahl derer, die längst dafür geschrieben und gewirkt. Der würdige Pastor König sagt in einer feiner Schriften (der rechte Standpunkt): Ein Fürst könnte sich nicht Yöber ehren, als wenn er zu den Juden spräche: Ihr seid völlig frei! und der edle Herder weissagt in den Ideen Zur Philosophie der Geschichte der Menschheit: Es wird eine Ze it komm en, da' m an in E ur opa n icht m eh r frag en wir d, w er Jude oder Ehr i jr ist; denn au ch der Iude wird nach rurop ä i s ch en Sitten leben u n d z u m B e st e n derSka a-

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