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Der Orient · 1847-08-13 · Heft 33 (13.8.1847) · p. Seite 260

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 33 (13.8.1847)
Date
1847-08-13
Page
Seite 260 (sequence 7)
Language
German
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260 Sondershausen, 9. Juni. (Schluß). Unsere Religion enthält demnach keinerlei Beweisgründe, uns die Befähigung, treue Diener unser es Fürsten unddesStaateszu werden, ab zu sprechen. Das bezeugen unsere Religionsschriften; das beweiset unser Iugendunterricht, das die öffentliche zBelehrung im Gotteshause, — möchte man doch dieß einer genauen Prüfung unterwerfen! — und dessenungeachtet ist bis heute der Artikel XVI der deutschen Bundesakte im gesummten deutschen Vaterlande noch nicht zur vollen Wahrheit geworden! — Sollte es uns aber wohl noch jetzt zum Vorwurf gereichen, wenn vielleicht in jenen Zeiten unmenschlicher Verfolgung ein gequältes, geängstigtes Gemülh in irgend einer -Schrift, die dann doch nur »dem Alterthumsforscher bekannt und zugänglich, sich Luft gemacht, hätte? Zur Glaubensnorm ist uns Derartiges nie und nimmer geworden. Wollte man Alles — wir fühlen uns ermuthigt, am Throne eines so höchst humanen, gerechten und huldreichen Fürsten in tiefster Unterwürfigkeit unfern beschwerten Herzen das offene 'Wort zu gestatten — wollte man Alles, was in jenen Tagen und noch später von Christen über Christenthum geschrieben und gelehrt worden, zusammenfaffen und es einem gebildeten, denkenden Bekenner desselben als sein Bekenntniß vorhatten: er würde sicherlich davor zurückschrecken und feierlichst' dagegen protestiren! Auch wir sind ja nicht stehen geblieben, auch wir fortgeschritten, haben Theil genommen an der Veredlung der Völker des menschlichen Geschlechts; auch uns hat das Licht einer bessern Zeit bestrahlt, und da, wo der Geist sich ungehindert zu entfalten vermochte und vermag, da haben auch die Bekenner der mosaischen Religion es zur Genüge dargethan, daß sie für das allgemeine Wohl,, für Kunst, Wissenschaft und Gewerbe Ersprießliches zu wirken im Stande sind. Zur Zeit des babylonischen und persischen Reiches bekleideten sie mit Ehren selbst die höchsten Würden; die alten heidnischen Römer schlossen sie nicht davon aus; während der arabisch en Herrschaft leisteten sie für Spanien -und Portugal Großes auf dem Felde der Kultur, — durch ihre Vertreibung von der pyrenäischen Halbinsel hat sich dieselbe eine tiefe Wunde geschlagen, woran sie theilweise noch blutet, — und befragen wir die Gegenwart, so spricht Holland, Belgien , Frankreich u. s. w. laut und herrlich zu unfern Gunsten, Länder, wo die vollständigste Emancipatron langst schon ins wirkliche Leben übergegangen und durch die Erfahrung sich bewährt gemacht. Im ersten Lande gaben ihnen Chasse und die höchsten Staatsmänner die glänzendstm Zeugnisse ihres Muthes und ihrer Vaterlandsliebe, und im letzten, sitzen gegenwärtig drei israelitische Deputirte in den Kammern, die von'strenggläubigen Katholiken dazu gewählt wurden. — Auch in Deutschland hat man' nicht Ursache cs zu bedauern, ihnen in Hessen, Würtemberg, Baden, Oldenburg u. s. w. größere Rechte eingeräumt, und die mittelalterlichen Schranken fast gänzlich beseitigt zu haben. Selbst in Preußen sind' sie längst zu' K o m m unalämtern berechtigt (f. preuß. Städteordnung) und werden in neuerer Zeit auch zu subalternen Staatsstellen, zu Kanzelisten, Registratoren, Kalkulatoren u. s. w. (s. Kabinets - Ordre vom 3l. Decbr. 1846) und in Sachsen, Hannover, Braunschweig, Meiningen u. s. w. zur Advokatur zugelassen. Man fürchtet wohl mit Unrecht voneiner vollständigen Emancipation nachtheilige Folgen, weil sich vielleicht unter den isr. Unterthanen auch Subjekte finden könnten, die sich dieser Wohlthat nicht würdig zeigten. — Nur Ke n ntni sse und ein wahrhaft moralischer Lebenswandel berechtigen ja zum öffentlichen Dienste, und das Gesetz weise und weiset jeden Unwürdigen zurück, weß Glaubens er auch sei, ob Christ oder Jude. — Man macht es uns auch häufig zum Vorwurf, als hätte der Israelit nur Hang zum Handel und zu keinem anderweitigen, besonders zu keinem anstrengenden Berufe. Befragen wir hierbei wiederum die Blätter der Geschichte, so sagen sie deutlich, daß unser Gesetzgeber sein Volk nur zu einem a ck e r b a u t r e i b e n d e n her- 'angebildet, was zahllose Gesetzesstellen beweisen, obgleich das Land am mittelländischen Meere lag, in der Nähe der Phönizier, und nur einmal unter Salomo nahm es Theil an Handelsunternehmungen. Unsere ausgezeichnetsten Rabbiner älterer Zeit waren selbst großentheils Landleute, Handwerker und Handarbeiter., und sie lehren: Jedes Handwerk mußt Du in Ehren halten; es ehret, den Meist er. ' Erst als der Staat, der Israeliten gestürzt wurde, und sie dm Wanderstab ergreifen mußten;, als man ihnen fast überall jeden andern Nahrungszweig entzogen, ihnen nicht mehr gestattete, eine Scholle Erde zu besitzen oder zu bearbeiten, sie von Zünften und jeglicher G enossenschaft, ohne welche damals der Einzelne Nichts vermochte, gänzlich ausschloß, ihnen jede andere Erwerbsquelle verstopfte, sie zu jedem öffentlichen Berufe für unwürdig hielt, dabei aber Abgaben über Abgaben von ihnen übermäßig verlangte: da wurden ssie zum Handel, zum Noth- oder Schache rh an de l, wie man ihn auch nennen mag, gezwungen, um nur das elende, qualvolle Dasein noch zu fristen. Dieser fast zwei Ja hrtausende hindurch dauernde Zwang führte natürlich endlich jenen-Hang herbei, und was zwei Jahrtausende verschuldet, herbeigeführt haben, nothwendig herbeiführen mußten, können wohl unmöglich e in ig eDecenien nicht gleich wieder gänzlich verwischen. Schon ist im Frühroth einer bessern Zeit auch bei uns manche treffliche Frucht gereift, und wird erst die Sonne .der Gerechtigkeit auch uns unverkümmert bestrahlen, wird man uns nicht mehr Rechte und Freiheiten, sondern das Recht und die Freiheit gewähren: dann wird sicher jedes Unkraut schwinden, das während der Nacht des Mittelalters gewuchert. — Das philosophische Volk der Griechen sank durch vierhundertjährigen Druck zu einem Volk von Seeräubern herab, und es herrschte dennoch bei ihrer Schilderhebung in Europa fast nur eine Stimme, daß dieß eine Folge jener unmenschlichen Behandlung sei, und es eines jeden wahren Menschenfreundes Pflicht wäre, dazu'mitzuwirken, daß die so ohne ihre eigentliche Schuld G e s u n.k e n e n sich wu-

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