Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1847)
- Date
- 1847-08-13
- Page
- Seite 259 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360506--6030-3533407- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Opole 1× ep/1000829
- Żory 1× ep/1048188
OCR text
— 259 - den verdorbenen alten Dialekt in dem hebräischen Vortrag des gedachten Dr. L. Hingegen erwirbt sich Deutsch den Beifall Aller und bei allem Zwist und Unfrieden/ der hier obwaltet, wird er von Jedermann geliebt. Das einzige, was die lieben jungen Breslauer in das Gotteshaus treibt, ist nur die Liebe zu Deutsch; man fragt weder nach dem Rabbiner noch dessen Predigt; allein die schöne Stimme des Vorsängers ruft und lockt alle Welt herbei. Hätte der ZW. dem Gottesdienste beigegewohnt, und gesehen, wie man die Trauer um Zion ganz vermißt, wie man überhaupt von Zion, allen ihren Oberen und gewiß auch von ihrem Wächter hier nichts wissen mag, er legte Horn und Spieß und Gänsekiel bei Seite, zöge ein härenes Pitgcrgewand an und wanderte nach Palästina, um von den Trümmern Zions herab, ein zweiter Marius, auf das gegenwärtige Geschlecht wehe! wehe! wehe! uiederznrufen. L—n. GleiwiH, 2. Ang. Ans Oberfchlesien sind mehrere Dankadressen einzelner Gemeinde!! an den wirklichen Geheime-Rath Grafen R err ard, Ereellenz, ans Groß-' Strchlitz, welcher in den Landtagsverhandlnugen über die Verhältnisse der Juden für dieselben so oft das Wort ergriffen, und wohlwollend sich über sie geänssert hat, ergangen. Gestern wurde demselben eine solche, kunstvoll geschrieben und mit Pracht ausgestattet, auf Anregung der hiesigen Gemeinde verfaßt und von 23 Gemeinden unterzeichnet, im Namen derselben durch die Deputirten Kaufmann I. S. Nothmann und Buchhändler Landsberger von hier, und Kaufmann I. M. S ch leslngcr ans Oppeln überreicht. Diese wurden von Seiner Execllenz srenndlichst ausgenommen und huldvollst mit der beruhigenden Versicherung entlassen, daß auch das Gonvernement die besten Absichten für die Inden habe; nur habe es geglaubt, diese auf anderem Wege zu erreichen. Der Inhalt der Adresse dürste für manche Leser des Orients von Interesse sein; ich theile Sie daher vollständig mit. „Hochgeborener, gnädiger Herr Grafl Besonders Hochzuverehrender Herr wirkt. Geheimer-Rath! Dm edlen Männern, welche für die Emäncipatien der Juden, für die Sache der Menschheit zu allen Zeiten kämpften, dürfen wir nun auch Ew. Excettenz mit Stolz beizählen. In der elvig denkwürdigen Debatte des verciuigten Landtages , wo die Humanität dc§ neunzehnten Jahrhunderts mit der Unduldsamkeit des Mittelalters ruächtig gerungen , waren Ew. Excellenz in die Schranken gestiegen, ein echter Ritter, der dem Schwachen zu Hilfe eilt, und dem, Verfolgten Schutz gewährt. . Schonungslos gegen Vorurtheile, mild gegen unverschuldete Gebrechen, begeistert für Wahrheit und Recht, haben Sir mit kräftiger Beredtsamkeit unsere Sache dem Landtage empfohlen. Im Namen der Menschheit forderten Sie für uns Juden freie Entwickelung auf politischem und religiösem Gebiete, im Namen der Gerechtigkeit vollständige Emancipatiou, da gleiche Pflichten gleiche Rechte erwerben, im Namen der Vernunft verwarfen Sie jede Schranke, welche Trennung und- Absonderung herbeiführen müßte. Ihre Worte waren warm und klar wie Sonnenschein, sie erhielten den Beifall der versammelten Kurie und erweckten den Dank von zweimalhnuderttausendHerzen, welche Ihnen entgegeiischtagen. Zweimalhundcrttansend Staatsbürgern gereicht es zum höchsten Tröste, daß die Edelsten und Besten des ganzen Staates und vorzugsweise unserer Provinz für ihre Rechte aufgetreten, die ungegründeten Vorurtheile nachgcwiesm, u n d d i e L i e b e, das G eb o t j e d e r Religion, walten ließen. Diese Ucberzeugung wird unsere Glaubensgenossen mit ihrem Schicksale aussohnen und die Flecken und den Rost, welche hier und dort tausendjährige Sklaverei angesetzt, gewiß einst tilgen. Nur die Liebe weckt Liebe und Anerkennung. In diesem Geiste nahen sich Ihnen die Unterzeichneten Gemeinden Oberschlesiens, als Organ einer großen Gemeinschaft, welche den Segen des Herrn auf Ihr Haupt hcrniederfteht: wir benutzen nur das Recht, welches uns die Nähe giebt, um die Gesinnungen und de» Dank aller Juden der preußischen Monarchie auszusprechen. Möge Sie der Himmel uns tmb der Menschheit noch lange erhalten! Möge Ihr Haus für ewige Zeiten blühen und grünen, ein leuchtendes Beispiel echt adeliger Gesinnung, gleich wcrth und nah dem Throne wie dem Volke! Gott stärke die Hand, welche das Banner der Gerechtigkeit trägt, und segne das Herz, welches mit Liebe die ganze Welt umfaßt! Ew. Exeellcuz re. , Für die Gemeinden zu: Gleiwitz: L. Wellner, E. Frankel. Falkenbcrg: Cohn, Glogauer. O b.- G l vg au: Cassirer, I. Schuck. G r o tt k a u: Oestreicher, Schlesinger. Hultschin: Moöler, Lubowsky. K ö n i g s h ü t t e : Wurm , Goldstern. Kr a pp i tz: Bodläuder, Krämer. Land s berg: A. Gallinek, A. Waldmann. Leobschütz: Holländer, Berliner. Leschn i tz: Skutsch, Heilborn. Lo s l a u: Lowe. S)l Y s l ewitz:-Freund, Herzberg. Namslan: I. Mockrauer. N e i s se: Krämer, Leipziger. Neustadt: I. Mockraner. Nicolai: Wechselmann, Hamburger. Oppeln: Boronow, S.N. Friedländer, Bernhard. Peiskretscham: Müntzer, Heilborn. Putschen: Baginski. Pleß: Marke, Cohn, Muhr. Sohrau OS.: Herz, M.Labaud» Tarnowitz: H.L.Freund, Ujest: Tmrmann. 33