Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1847)
- Date
- 1847-08-13
- Page
- Seite 258 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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um wir es uns doch nicht versagen, auch im Namen unserer Glaubensgttiosfeu die tiefgefühlten Worte unseres Dankes vor Ew. Hochwohtgeboren auszusprechcn, eines Dankes , der um so verdienter ist, als vorzüglich durch Ihre Bemühungen ein großer Theil deö Sieges errungen ward, denn mag auch das Resultat sein welches es wolle; wir begrüßen die gepflogenen Bcrathungeu über die Angelegenheiten der Israeliten als einen großen unermeßlichen^ Sieg der Wahrheit und Gerechtigkeit über früheres beschränktes und beschränkendes Vornrtheil. — Wollen Ew. Hochwohsgeberen unfern aufrichtigen Dank mit Gewogenheit hinnehmen, und sich überzeugt halten, daß, wie Ihr edles Streben, und Wirken früher oder später zum sichern Siege führt, auch Ihr edler Nam e in nttseren Herzen sortlebcn und in der Geschichte Israels ein gesegneter bleiben wird. Wir schließen mit der Wittes Ew. Hochwe'Ageborcn wollen Ihre wohlwollenden Gesinnungen unserer gerechten Sache auch fortan bewahren und mit dem. Wunsche, daß die Vorsehung, die jedes Gute würdig lohnt, Ihnen auch ferner Kraft und . Ausdauer zur Vollsührung Ihrer edlen Bestrebungen verleihen möge! — Genehmigen Sie, Hochverehrtester Herr! den Ausdruck unserer vorznglichelr Hochachtung, mit welcher wir verharren Ew. Hochwohtgeboren ganz ergebenste, der Rabbiner und die Vorsteher der israelitifd;cn Gemeinde re. für sich und im Namen der israelitischen Gemeinden zu Belgard, Böblitz, Butow, Colberg, Cöslin, Lauen bürg, Neustettin, Polzin, Ratzebuhr, Iiügenwalde, Rummelsburg, Schovalbein, Schlawn, Tempelburg". — , Diese vom Rabbiner Herrn Dr. Klein abgefaßte SCtvcffc. wurde kalligraphisch sehr schön ausgestattet (es schrieb sie ein früherer Schüler der Stolper Gemeinde- Schule) und sie wurde in eine prachtvolle Mappe gelegt; diese war in blauen Sammet gebunden, innen weißer AttaS, und auf den Tafeln mit dein Wappen des Hrn. v. Gottberg in feinem Silber verziert, auf der Kehrseite die Jahrzahl „184?" in feinein Silber. Sie wurde dem Abgeordneten von einer Deputation, bestehend aus dem Rabbiner und 2 Mitgliedern des Vorstandes überreicht. -— Auch von Stettin hat Hr. v. Gottberg eine Dankadresse erhalten und bedauert .Referent e§ nur, nicht im Besitze der von dem Abgeordneten ertheilteu Ani'.vortcu zu sein, die der Mittheilung wohl würdig sind. So ehrt Israel - die Männer,^ welche auf dem preußischen Landtage für seine Volks- und Menschenrechte gekämpft und unsere spätesten Enkel werden noch das Gedächtniß derer segnen,. welche für ganz Preußen, .für ganz Deutschland den Grund gelegt, auf welchem fortan das Gebäude unserer Freiheit sicher weiter fortgebaut werden wird. Sellen wir aber auch, um die Emancipatiou §u erlangen , die Erinnerungen von uns werfen , welche seit Jahrtausenden in nuferen Herzen eine heilige Stätte fanden? Müssen wir, wenn wir im bürgerlichen Leben alle Eigenthümtichkciten von uuö zu entfernen suchen, auch im Tenlpet, in der Synagoge aufhöreu, Juden zu sein? Dürfen wir keinen Sinn Inehr haben für die großen Ereignisse unserer Geschichte, kein fühlendes Herz mehr für die unsäglichen Leiden, welche unsere Versabren erduldet, denen noch jetzt Tausende unserer Mitbrüder unterworfen sind? Mit einem Werte müssen wir schon jetzt aufhöreu, der Zerstörung unseres einstigen gemeinsamen HoiligthumS, der Unterdrückung unserer Religion eine Thränp der wehumthigeir Erinnerung, einen Tag des Rückblickes zu weihen? Nein, und abermals nein 1 Gesetzt wir würden emancipirt — noch betrachtet uns ja der Minister als Fremdlinge — und daß es geschehen wird, bin ich fast überzeugt, so hören wir deshalb nicht auf Preußen, Deutsche zu sein, wenn wir unsere religiösen Erinnerungen festhalten. Unsere Religion ist ja noch immer geschmäht und verachtet! Selbst viele 'Redner, welche sich für die Juden ausgesprochen, wie verletzend haben sie sich über das Judenthum geäußert! Als eine Brücke zum Christenthum, wollen sie uns die Emaneipativn gewähren, hoffend damit, das so hartnäckigeJudcnthmn verschwinden zu machen, und wir wollten schon jubeln? Man verhöhnt unsere Religion, und wir wollten die Tranerseier, welche dieser Verhöhnung gewidmet, schon abstellen? Doch ich vergesse in nre-ineu schmerzlichen Ansrusungen, IhnenThatsachen zu referiren. Die Gemeinde zu CöSliu, unter der Leitung des großen sich selbst irauendenJ. hat die Feier des 9. Ab, als mit den Forderungen der Emaneipation nicht vereinbar, abgestellt. O es geht ihnen gut, den Herren in Cöstin, sie haben ja Geld und auch sonst noch, was sich ihr Herz wünschen mag. Emaneipirt sind sie auch, denn sie sind ja Mitglieder der Nitssouree und sehen christliche Gäste au ihren Tafeln, ihre Frauen werden auch wohl zu christlichen Kaffccfctcn Ungeladen. Was soll ihnen die Trauer nur Zion? Was kümmertS sie, daß ihre Vorfahren ihr Leben hingehaucht unter den Martern ihrer Henker, was schadetS ihnen, wenn heute Taufende von Israeliten seufzen in Drangsal und Noth, -was fragen sie darnach, wenn man Misere Religion verleumdet, wenn man.wohl die Juden, aber nicht das Jndmthum emaneipiren will! Es geht ihnen gut den Herren in Cöslin, ihr Magen ist befriedigt und ihr Herz? 'ja ob sie ein Herz haben, weiß ich nicht. Breslau, 25. Juli. Unser Herr Dr. Geiger verreiste nach Warlnbrnlin und seine Stelle vertritt Dr. Lands berg, der a m V ora&cnbc deo in die bei d en ersten Kapitel der Klagelieder VerS für Vers hebräisch und deutsch vertrug. Daraus sang mit Choralbegleitnng KantorDeutsch Des Morgens wurden die beiden letzten Kapitel, wie j’PS ans derselbe)! Weise vorgelesen und gesungen. Rur tadelten die Breslauer