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Der Orient · 1847-08-06 · 32 (6.8.1847) · p. Spalte 509-510

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
32 (6.8.1847)
Date
1847-08-06
Page
Spalte 509-510 (sequence 7)
Language
German
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509 Kritiken. Kalender und Jahrbuch für Israeliten. Kurze Anzeige«. 20) Kalender und Jahrbuch für Israeliten auf.das Schaltjahr 5608 ^1848). Mit Beiträgen von T. Ereizenach, L. A. Frankl, Dr. I. Goldenthal, A. Kohn, L. Kompert, Prof.: S. D. Luzzatto, Dr.. L. Philippsou, Dr. M. Sachs, Dr. G.^ Salomon, Dr. D. Sanders, S. Szanto, ' I. S. Tauber, Jos. Wertheimcr, Dr. L. Zunz und Anderen. Hgg. v. I. Busch. Sechster, Jahrgang. Wien, 1847, 8. Bei v. Schmib und I. I. Busch. Erster Artikel. Mit Vergnügen begrüßen wir den nun bereits erschienenen sechsten Theil dieses Jahrbuches und wünschen, daß er. in jeder Familie, wo der Sinn für geistige Bildung noch nicht durch die materialistische Richtung der Zeit abgestumpft ist, eine freundliche Aufnahme finden möchte. Es ist ein schönes Verdienst des Hrn. B u sch, die verstreuten Kräfte gebildeter und gelehrter. Glaubensgenossen für ein Jahrbuch zu vereinigen,-das durch Mannigfaltigkeit des Stoffes in gefälligen Formen, durch Belehrendes und Erheiterndes im Geiste der Liebe und der Achtung des Judenthums koncepirr, vortrefflich geeignet ist, eine Werthschätzung des Judenthums und des Geschichtlichen der Juden bei der bildungsfähigen Masse anzubahnen und zu verallgemeinen, und dieses Verdienst wahrlich kann von der Verkleinerüngssucht, die es dem Verleger nicht verzeihen kann, daß er, ohne durch eigene geistige Schöpfung mitzmvirken, sich als Herausgeber hinzustellen wagt, nicht im Mindesten geschmälert werden. lleber den Vorwurf, den man dem'Herausgeber in Bezug auf Ton und Haltung des Formellen gemacht-, hat Hr. B. in einem vorangeschickten Worte sich unserer Ansicht nach sehr treffend ausgesprochen, abgesehen davon, daß jener Vorwurf, wenn er auch begründet wäre, höchstens die Mitarbeiter treffen würde. Er sagt nämlich, daß Ton und Haltung eines Volksbuches , wre er bei der christlichen Lesewelt mitRecht gefordert wird, bei dem jüdischen. Publikum durch die eigenthüm liehen einmal vorhandenen Umstände -nicht angewendet werden kann; „der Jude ist durch Nichtberechtigung zum Grundbesitz und Beschränkung 'in den Gewerben weder Bauer noch Handwerker, und seine unterste Klasse besteht aus Haustrern und Proletariern, die leider noch auf so niederer Bildungsstufe stehen, daß sie erst ^auf ganz andere Weise herangebildet werden müßten -ehe es Zeit wäre, eine volksthümliche Literatur fürste zu eröffnen, die Intelligenz seiner Mehrzahl aber ist der gewöhnlichen Volksliteratur überlegen, und wir scheu uns bei -andern Völkern' vergebens nach einer Parallele um". — Und so ist es auch in der Thal mit Tön und Sprache eines jüdischen Volksbuches- Volksbücher o dev Volks bl ätrer, welche einen bei den Christen sehr passenden Ton eingeschlagen, haben bei der jüdischen Masse nie sich Eingang verschaffen können, und wurden als flach und oberflächlich der Vergessenheit übergeben. Dieselben Gründe aber, welche für Sprache und Haltung den Ernst, die Verständigkeit und das. Durchschimmern eines reellen Kerns verlan- 510 gen , gebieten auch jene Mannigfaltigkeit, die für eine nicht koncentrirte und in bestimmten Umrissen abgeschlossene Bildung nöthl'g sind. Die Juden, bei welchen die abgegra'nzten Standesunterschiede nicht auftauchen konnten, haben jene dilettantische AUseitigkeit, die sich mit einer Zusammenstellung von Aufsätzen, die nur auf eine Geistesrichtung abzielen, nicht begnügt, und hiermit fällt auch der Vorwurf des bunten Alle.rlei's, den man dem Herausgeber ungerechter Weise, gemacht. Aber gerade indem wir den Standpunkt des Herausgebers - vollkommen billigen, Ton und Haltung im Allgemeinen für angemessen erachten, sind wir um so eher berechtigt, hier bald einige Wünsche, bald einige Ausstellungen näher zu beleuchten. Nach einem Inhalts-Verzeichnisse der sämmtlichen erschienenen sechs Bände, nach gewissen Rubriken geordnet, zerfällt der Inhalt: l) in Zeit- und Kulturgeschichte der Juden in der weitesten Ausdehnung, wohin die Statistik, die historischen Darstellungen über Schulen, Vereine, Gemeinden, Zustande, Zeittafeln u. s. w. gehören; 2) die Literaturgeschichte durch Skizzirung einzelner Momente derselben, wohin auch Charakteristiken gewisser Werke und Personen, Biographien und Nekrologe, chronologische Daten, Parallelen und Bezüge und die Alterthumskunde im Allgemeinen gehören z 3) die Poesie und die Belletristik im Allgemeinen, entweder in Novellen und Novelletten, poetischen Erzählungen, Zeitbildern u. s. rv. oder in Dichtungen, in selbstständigen Schöpfungen oder in.Nachbildungen u. s. w. Zu diesen 3 Rubriken, die in ihrer großen Mannigfaltigkeit vollkommen genügen müßten, ist in diesen sechs Bänden des^Jahrbuches noch! eine Specialilät gekommen, der ich keine Berechtigung hier zu erscheinen geben möchte , nämlich die für die Erbauung bestimmte Partie./ Wenn schon gewöhnlich Kalender und Jahrbücher nichts Erbauliches enthalten, wenn dergleichen Schriften in andern konfessionellen Kreisen nur zwischen Belehrung und Unterhaltung schwanken, so ist dieses bei den Israeliten, bei denen ohnehin das moderne Erbauungswesen etwas Manirirtes, der christlichen Sentimentalität Nachgeäfftes ist, das bei aller Ueberfluthung mit frommen Broschüren und gedrechselten Predigten keinen fruchtbaren Boden gefunden, um so eher zu vermeiden. Zur Rubrik des Erbaulichen rechne ich freilich nicht Zunz's, „Eine alte Stimme", „Ein gefundener Brief", Jos. Wer t h-eim er's „Pia desiden'a" oder Beschreibungen die Kultur betreffend, nicht Kohn's „Ueber die Mißstimmung der jüdischen Feste", obgleich Die Überschrift nicht deutsch ist oder Saalschütz's Mahnung „ An die Jugend Israels", obgleich ..sie zu einseitig, nicht die Nachbildungen von Dr. M. Sachs, oder die sogenernnte „ orientalische Weisheit" von Dr. L-etteris, obgleich sie vom Religiösem durchwärmt vorgetragen sind, wohl aber rechne ich dahin die Predigten und das Erbauliche von Mannheimer und Salomon, die Betrachtung Tesillin von Zunz ul. f. w., die in dieser Sammlung und auf diesem Boden durchaus m-cht ansprechen können, so ausgezeichnet auch sonst die beiden ersten in der Kanzelberedtsamkeit und letzterer als tiefer Denker ist. Während dergleichen Arbeiten in

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