Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 32 (6.8.1847)
- Date
- 1847-08-06
- Page
- Spalte 505-506 (sequence 5)
- Language
- German
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505 und ebenso finden wir, daß er das Gesetzstudium und die guten .Werke sehr hochschätzte. Aber diese asketischen Ansichten hinderten ihn nütr, Maaß in allen Dingen zu halten und die trefflichsten Lehren seinen Schülern zu geben? „Das Studium des Gesetzes, sagte er, soll mit den gewöhnlichen weltlichen Beschäftigungen Hand in Hand gehen, weil nur in dieser Weise eine Ersprießlichkeit möglich". Sein Wahlspruch (Mar-. gela), war:"° „Kunstgrifsia sei der Mensch immer in Erringung der Gottesfurcht,milde sei seine Gegenrede, den glühenden Zorn wendend, und ein Mehrer sei er des Friedens mit Brüdern, Blutsverwandten, ja mit allen Menschen der Welt, sogar mit den Heiden draußen, damit er werde von Gott in der Höhe geliebt, unten bei den Menschen geschätzt und bei aller Wett wohlgelitten". Er liebte es, bei Entscheidungen über halachische Fragen^ über die Art, wie traditionale Gesetze praktisch geübt werden sollen, von-den Lehrsälen hinweg und auf das praktische Leben hinzusehen, weil er, selbst ganz im Volksgeiste mit seinen Tugenden und Fehlern erzogen, die Abgeschiedenheit und Abgeschlossenheit der Lehrer nicht gern sah.^ „(s^e hinaus undsiehe, wie das Volk draußen es macht", war der Zuruf, den er oft ergehen ließ553 3 und wie Einer aus der Mitte des Volkes war er daher so ganz von dem aramäischen Elemente durchdrungen, daß er sogar die leichtverständlichsten chluhebräischen Wörter in die aramäische Volkssprache übertrug.554 Er spricht von pumbadicäischm Maaßen,^ von seiner pflegemütterlichen Erziehung her behielt er den Sinn für Volksspruche 556 unb alle diätetischen, sympathetisch-medicinischen und magischen Lehren, Maximen u. s. w., die er von ihr namentlich mittheilr^' 548) i b. 8 a. — 549) ib. 35 5. — 550 15. 17 a. Die gewöhnliche Bezeichnung für dergleichen Wahlfprüche ist d. h. eine Gewohnheit, im Munde des u. s. w., und dergleichen sind dort s(\. c.) vonM eir, Rab, Abbaji, Raba, denRabbinen Iamnia's rc. erwähnt, wo sie in der Regel ein Bild von der sittlichen Anschauung der Zeit geben. Die Wortbedeutung des ist klar, sie ist ein aus der Asel-Form SjnN (§. v. a. abc;e(eitcteö Numen verbale, und nach Raschi (Sanhedrin 50 b) sollen damit solche Lehren oder Sprüche gemeint sein, die man nicht aus einer Mischna oder Barajta, sondern die als geläufig im Munde erhalten sind. In der Thar wird auch von halachischen und mündlich überkommenen Lehrsätzen gebraucht (Sebachim 36 d; Sanhedrin 50 b), so daß die Ueberfetzung Wablspruch durchaus nicht genügt. — 551) So saßt Raschi 1. c. den Satz. — 552) Berachot 45 a; 'Erubin 14d; Pesachim 54a z Mevachot 35 K. —• , 553) Siehe die Cicare in der vor. Anm. — - 554) Den Eigennamen erklärt er als übersetzt von P7IP, den Ausdruck rPDHP bw wx giebt er durch sT,m ■'D'l.u wieder. Bcrachvt 29 a; ib. 32 a u. s. w. — 555) "Erubin 29 b„ — ' 556) Sukka 56 6; Ketubot 83 d; Temura 9 a u. s.w.— 557) S. A11M4 527. 506 oder ohne sie zu nennen vor trägt, weifen alle auf. ein Durchdrungensein von dem aramäischen volksthümlichen Wesen in Sprache wie in Gedanken, in Änschauungen -wie in Aberglauben) Volksthümlich war seine. Ansicht von den bösen Geistern, welche dieser Ansicht zufolge zahllos die Menschen umgeben und umringen oder die ganze Athino Sphäre erfüllen, 55J) volksthümlich seine.Schutzmittel gegen Dämonen und K e t od M e r i r i^o° und. die Sagen von seiner Besiegung der Geister-Krnigin Agrat b a t Ma cht at u. s. w und unbeschadet dieses Volksglaubens bildete er alle Lheile der civil- und kriminalrechclichen Lehren, der nomokanonischen Satzungen, der Moralsprüche rc. aus. Unter seinem Vorgänger Jose f (319—322) wie auch während seines 14jährigen Rektorats (322-337) war Pum-Badira die einzige Hochschule Babyloniens, wohin die damaligen jüdischen Siudien sich geflüchtet; die 35jährige Unterbrechung des Studienganges zu S ora (319—355), das gänzliche Verschwundensein der Neharde'a'schen Hochschule (seit 258) und ihrer Lehrer.(seit 300) .mußte nothwendig alle Blicke auf das noch allein blühende Pum-Bad'lta lenken, und A b b a j i war natürlich.14 Jahre lang (322—337) der bedeutendste Lehrer m ganz Babylonien. Seine und seines .Nachfolgers (Naba). dialektischen Disputationen, insofern sie die Motive der rraditionalen Lehren auf diskussivem Wege entwickelten, wurden als eigenes Fach des Studiums betrachtet, neben anderen Gegenständen (Mischna, Barajta, Losifta, Agadot, Meschalim ü. s. w.) als wissenschaftliche Disciplin aufgezählt, und wenn auch anderen Gegenständen gegenüber als gering angesehen, so durste sie doch, wenn es die Verherrlichung eines alten in allen Fächern, bewanderten Lehrers galt, nicht wegbleiben?^ Aber wir sehen ihn auch ganz einfach empfangene Lehren vortragen, ohne daß er durch 558) z. B. "Erubin 29 a. —- 559) Berachot 6a. — . . : 560) Pesachim 1111). Vgl. noch Kkdduschm 29 d. 561) Pesachim 1126. — 562) Sukka 28 a; Baba Batra 134 a, wo demJochanan b. Sakkai auch die Kenntniß der NUN zu geschrieben wird, wenn auch im Verhältniß zur Theosophie (Ma aße Merkaba) nur als geringfügig (pp im) angesehen. Daß . hier ' die Disputationsweise Abbaji's unb ' Raba's als Gattüngsvezeichnung erscheint^ das beweist hinlänglich, daß diese zwei Lehrer für diese den Mittelpunkt bildeten und daß weder vor noch nach ihnen diese n^bV ie wieder eine so große Wichtigkeit erlangt Haben. Etymologisch ist das verbale Nomen rVPin aug ber talmubifd)en gormel >U2 ’in; oder in der Mehrheit r\2 pin, d. h. wir diskutireu oder verhandeln in dieser Sache (eig. wir .sind darin) zu erklären. Schon in ^Ha l ich 0 t "O l am (c. 1) wird ganz richtig bemerkt, .daß rniri im .Talmud für fnJl NW in der Mischna vorkommt und die Erklärung unseres Nomen danach liegt auf der Hand, np'.,-; heißt daher „Verhandlungen, Disputationen" und die ralmudische Formel nby Tjri.^ND heißt: „was ist verhandelt darüber". Landau (Aruch 8. v.)t der es mit rwn im rabbinischen Idiom und Rapaport: (Na tan S. 63), der es mit NM susammenstellt, haben beide, wie Studien. Geschichte der jüdischen ' bitcrakur in Babylonien.