Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 32 (6.8.1847)
- Date
- 1847-08-06
- Page
- Spalte 503-504 (sequence 4)
- Language
- German
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503 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien Kaum dem Knabenalter entwachsen, übernahm sein aus Taba rij j a heimgekehrter Oheim Ra bba b. Nachm a n i die fernere Erziehung des schon so früh Verwaisten, verwendete vielen- Fleiß auf die Entfaltung seines Scharfsinnes ,528 gab ihm noch einen Genossen R a b a, um ihn nicht allein zu unterrichten, und hatte die ,Freude, daß er in beiden trotz ihrer zarten Jugend die künftigen Lehrer erkannte.^ Neben dem. Scharfsinne, der sich in Abbaji vorzüglich entwickelte, wegen dessen er sich' bei heiterer Stimmung mit'dem alle Gelehrten herausfordernden B e n -^A sa i aufden freien Plätzen Tabarijja's verglich und der, wie erwähnt, auch bei seiner Wahl zum Rektorate entschieden, 530 ftatte er frühzeitig ein ernstes Benehmen, so daß Rabba sich bei ihm zuweilen über ein e Abweichung von demselben v ertheidigen mußte.S31 Dieser Ern st ging später in Hochschätzung des Lehrerstandes, *82 in Einprägung, daß die Jünger des Gesetzes, Segen bringend, 533 auch äußerlich geachtet und geschätzt werden müssen über, und welche Achtung er auch selbst beanspruchte.^ Dann hörte er auch auf kurze Zeit die Vorträge des Chasda in Sora und des 'Nachman in Schakanzib, wie manche Lehren, die er in 'deren Namen mittheilt, erinnern: Bald jedoch kehrte er zu seinem Oheim Rabba zurück. Während des Rektorats Rabba's finden wir ihn als einen der vorzüglichsten Schüler bei demselben, und noch überdies .so sehr von Rabba geliebt, daß dieser nur bei Abbaji und einem seiner Genossen eine eindringliche Trauerrede nach dem Hinscheiden. vorausfttzt;33'' und Abbaji war es auch in der That, der die Trauerfeierlichkeiten bei dem Bestatten seines Oheims Leitete.-"^ Bon 319 n. Ehr. an, dem Todesjahre seines Oheims, hatte er zwar wie seinIugendgenoffe.Raba ein eigenes Lehrhaus, 537■ jedoch kam er auch zu den Borcrägen Josesss, wo Dime, ein aus Palästina Gekommener, ihn an seinen Lehrer Rabba solchen diätetischen, medieinischen und wundergläubigeu Lehren Abbaji's, wo sie gerade nicht ausdrücklich erwähnt ist, als eigentliche Quelle zu betrachten, sein möge. — 528) Berachor 33 b; Megilla 25 a it. s. tri. Den Scharfsinn der Schüler zu üben, durch Behauptung des Unrichtigen sie zu Einwürfen, Fragen und Diskussionen veranlassen, war ein Grundsatz vieler Lehrer der'mischnäisch - talmudischen Periode ('Erubin 13 a; Nasir 59 b; Sebachim 13 a; Ehullin 43b; Nidda 4b; ib. 45a). — 529) Berachot 48 a. Er bediente sich dabei des Volksspruches .i'OvpQ }'Tü , um. die frühzeitige Erkennung der Anlagen zu bezeichnen. — , ' 530) Horajot 14 a; Kidduschin 20 a; 'Arachin 30 a; ^Embin 29 a; Sota 45 a. — 531) Berachot 30 b. — 1 532). Kidduschrn 33 a. In diesem Geiste sagte er auch N’pnn nbyi Berach. 6 1) , da er in diesem Zusammendrang der Menschen die Würde der Lehre und der Lehrer erblickte. — " - 533) Berachot 42 a. Sem Spruch lauter in dieser Be- Ziehung c'snn rpn. 534) Kidduschin 33 a. — 535) Sabbat 153 a. — 536) , Baba Mezi'a. 86 a. — 537) Sed. Ha-Dor. s. v. Naba. — 504 erinnerte, den er noch in den Schüterreihen Iochanan's gesehen. Er ehrte auch Josef wie einen Lehrer und wurde von ihm wieder mit großer Achtung behandelt.,539 unb erft alß ec 322 n. Ehr. nach einer vorangegangenen WahL das Rektorat angetreten, horte das eigene Lehrhaus auf. In der Zeit seines vierzehnjährigen Rektorats540 hatte die Hochschule in Bezug auf Besucher isehr abgenommen; während unter Iosef die jedesmaligen Zuhörer sich noch auf 400 Studiosen beliefen, waren es jetzt nur 200, und wenn jener sich schon „waises .Schulhaupt", so kann.es uns nicht wundern, daß dieser sich „Waise der Waisen" genannt.543 Diese allmälige Abnahme der Hörerzahl, welche ihn zu jener mederschlagenden Benenn- - ung veranlaßt, die Wahrnehmung, daß die-Begabung zur Wunderthätigkeit, weil die .höhern Naturen verschwunden, aus dem Leben gewichen sei, daß das Verständniß und das Äuffaffen der Traditionslehren immer schwieriger, immer seltener geworden, hatte in ihm jene trübe Anschauung von einem Rückschreiten der Menschheit hervorgerufen, der schon viele. Lehrer vor ihm, niedergedrückt von der Trostlosigkeit der Zeit, sich hingegeben. „Das Herz (der Verstand) der Altvordern, sagte er, war der Pforte der großen Säulen-Vorhalle gleich, das der Spätern glich der Thüre zum inner» Tempelraum, aber das unsere gleicht kaum einer Wandspalte, in die schwer em Nagel zu dringen vermag".^ „Warum, geschahen unseren Altvordern Wunder, und auf uns, die wir uns abhärrnen und fasten, beten und schreien, scheint der Himmel nicht zu achten", fragte man Abbaji, und er antwortere: „Unsere Vorfahren konnten ihr Leben für die Verherrlichung des Gotresnamens hingebender unerschütterliche Glaube, der Märtyrer krönt, schaffet Wunder.^43 Bei solcher Anschauung ist eS natürlich, daß er einer Askese, die in Gebet, Gesetzstudium und in guten Werken ihre Äeußernng sucht, sich hingeben mußte. Eine Anzahl asketischer Vorschriften über das Gebet und die dabei zu beobachtenden Normen"4- —, und in diesem Sinne beseitigte er. manche Geberformeln, rheils als unpassend, theils wegen ihrer coinpendiarischen Gestalt,^" formulirte andere oder gab ihnen eine allgemeinere Fassung,5t,J oder ließ sich über manche Gebetstücke belehren- "r—- besitzest wir von ihm 538) "Erubin 22 d; Jebamot 178 a. — 539) Menachot 35 b; Sabbat 45 b; ib. 46 b» — 540) Die 14 Jahre, während derselben Abbaji das Rektorat gehabt, haben nach Scherira (1. e.) bis 649 Ae. s. d. h. bis 337 n. Ehr. gereicht, milhin sind die 14 Jahre voll zu zählen. — 541) Ketubot 106 a. — 542) 'Erubin 53 a. . —. 543) Berachot 20a; Ta'anit 24a; Sanhedrin 106 b. 544) Berachot 6 b; 14 b; 34 a u. s. w. Er lehrte den Ei/er beim Gehen zum Gebet, die Richtung des Gesichts nach Palästina, das Beten in großer Ehrerbietung gegen Gottdas Sichanschließen an die Gemeinde u. s. w. 545) Berachot 19 a; 29 a. — > 546) Berachot 11b; ib. 30a. —- 547) ib. 44 a. — . , - , .