Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1847)
- Date
- 1847-08-06
- Page
- Seite 255 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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255 1) daß die Hebräer, welche in Etablissements als Branntweinbrenner, Destillateure, Bier- oder Met hb rau er angesiellt zu werden wünschen, vorher der Orts-Polizei oder der Behörde, welcher jene Etablissements untergeordnet sind, die mit den Besitzern oder Verwaltern derselben abgeschlossenen Kontrakte vörzustcllen haben, auch Zeugnisse von den Verwaltern derselben darüber, daß sie von dem Gewerbe, zu welchem sie berechtigt zu werden wünschen, hinlängliche Kenntniß besitzen; — 2) daß die Hebräer zu den erwähnten Verrichtungen in Branntweinbrennereien und Methbrauereien nicht früher zugelassen werden sollen, als bis sie von den bezeichncten Behörden die formelle Ertaubniß erhalten haben, welche auf einem Stempelbogen zu 90 Kop. Silb. M. ausgestellt und jährlich erneuert werden muß. — Den 1. Juni. Ein Negiermrgsbcschl schärft hier die Verordnung ein, daß christliche Dienstboten bei Hebräern keine Dienste nehmen dürfen, und hat die Polizei-Verwaltung darauf auf das strengste zu wachen, daß k e i u e Hebräer, weß Standes sie auch seien, unter irgend einem Vorwände dieselben halten sollen; im Fall sich aber Jemand unterfangen sollte, vorberegtes Gesetz nicht unbedingt zu befolgen, so wird derjenige Hebräer, welcher christliche Dienstboten hält, nicht nur mit einer Pön von 50 Rubeln zum Besten der Gouvernements-Wohlthätigkeits-Anstcilten beahndet, sondern es werden auch die sich der Art in Dienst begeben habenden christlichen Dienstboten nach Umständen entweder einer angemessenen Leibcsstrafe unausbleiblich uuterzogeu, oder auf 6 Monate ins Arbeitshaus gesetzt werden. — ©fproft, 19. Mai. Am 18. d. M. gegen 4 Uhr Nachmittags schlug plötzlich die Helle Flamme aus einem Schornsteine des vom Kommaudircndeu der 15. Artillerie-Brigade (die hier einquartirt ist) bewohnten Hauses und schon nach einer Viertelstunde brannte cs in der Stadt an acht verschiedenen Stellen. Die Bestürzung war unbeschreiblich und die Anstrengungen der Polizei bei den geringen Mitteln, die ihr zu Gebote standen, blieben erfolglos. Nicht genug zu loben sind die Bemühungen der hiesigen Hebräer , denen es unter Lebensgefahr gelungen ist, mehre Gebäude, so wie die Habseligkeiteu vieler Einwohner zu retten, und ist ihnen von Seiten der Landes-Autorität Anerkennung dafür geworden. — Niga, 15. Juni. Hiesige Blätter enthalten einen direkten Bericht des Missionärs Joseph Lange, der im Orient und m Afrika herumgezogen ist. Derselbe versichert bei Saunaa in Afrika einen Stamm der Karaitcn (?) angetroffen zu haben, von denen der Prophet Jereinias im 35. Kap. spricht. Er gab sich bei ihnen für einen Nachkommen Mosis aus. Da erklärten sie, auch zum mosaischen Stamme zu gehöret: und einer ihrer Aeltestm trat auf und las das erwähnte Kapitel vor« Sie behaupten, seit der Zeit der babylonischen Gefangenschaft in der Wüste gelebt zu haben, und versichern, ihre Voreltern hätten nur deshalb nicht ans dieser Gefangenschaft vor 3000 Jahren 'heimkehren wollen, weil sie aus den Propheten gewußt, daß der Tempel und Jerusalem zerstört werde:: würde, sie erwarteten aber den Messias, der Jerusalem und den Tempel wieder erbauen, und sie dahin glorreich fuhren wird. Amerika. Ueber die Gemeinde Sydney in Neu Süd-Wales theiten wir nach dem gegenwärtigen Jahrgang des „Kol Ja^akob" Folgendes mit: Ende Mai v. I. bildete sich hier ein Verein von jungen Leuten zum Behuf der Gründung einer Bibliothek, in welcher insbesondere Werke aus der jüdischen Literatur ausgenvminen werden sollen, ohne daß anderweitige bildende Schriften ausgeschlossen blieben, da cs der Zweck der Gesellschaft ist, für eine allgemeine Ausbildung der jüdischen Glaubensbrüder zu sorgen. In kurzer Zeit wurden 80 Pfund Sterling zum Ankauf von Büchern zusammengebracht. , Kurz vor den Osterfeiertageu wurden auf den Ar:- trag der Gemeinde von den: gegenwärtigen Gouverneur Charles Fitzroy, 1000. Pf. Sterl. auf den Kostenanschlag für kommendes Jahr gesetzt, um die Schulden für den Bau der neuen Synagoge zu decken. In Betress jedoch von jährlichen 200 Pfund, die zur Anstellung eines Rabbiner: gefordert worden waren, glaubte er zuerst an die Regierur:g in England berichten zu müsser:. Drei bekannte jüdische Handtungshauser haben in öffentlichen Blättern ihren Entschluß bekannt gemacht, eines, am Sonnabend von nun ab das Geschäft zusschließm, die andern, dieses für die Feiertage zu thun. Ueber die großen Feiertage im Oktober erfahre:: wir Folgendes. Rösch Ha-Schana. Starke anhaltende Regmgüsse von Sonntag bis Dienstag verhinderten die Frauen am Besuche des Gottesdienstes, der jedoch um so zahlreicher von Männern besetzt war. Die Gebete wurden von dem Vorbeter Isaaks und S. Phillips gesprochen. Die Mischeberach's wurden abgeschafft und im Ganzen wird die Gemeindekasse dabei nicht verloren haben. Ancrkennenswerth ist, daß eine weit größere Anzahl vou Handelsleuten als früher ihre Geschäfte geschlossen hielten. Unser ehrenwerther Vorsteher, Hr. Joseph, und seine Gemahlin, beschenkten die Synagoge mit einem Prachtvollen, aus weißem geblümten Atlas gefertigten und mit Silberftanzeu besetzter: Paare von Malbuschim für die Dm Am Donnerstage nach den Feiertagen fand ein Berit statt. Hr. A. Hort sprach dabei mit vielem Nachdruck über die Gestaltung des Zudenthnms in unserer entlegenen Kolonie und erregte bei den Zuhörern durch die beredte Schildernng, die er vou