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Der Orient · 1847-08-06 · Heft 32 (6.8.1847) · p. Seite 254

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 32 (6.8.1847)
Date
1847-08-06
Page
Seite 254 (sequence 11)
Language
German
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— 254 — werdet Ln den Geist unsers Rituals dann ganz tüchtig eindringen.') — Ich meine ferner dasStudium der heilig en Sprachen Behandelt sie nicht nur als Literatur, behandelt sie als Sprache. Schreibet in ihr, auf daß sie lebendig werde in Euch. Drücket Eure Gedanken mit ihren *) Mögen hier die Worte des. geehrten und gelehrten Oberrabbiner Dr. Z. Franker („Zeitschrift für die religiösen Interessen des Judenthums") eine Stelle finden r „Wir wollen den wissenschaftlichen jüngeren Männern, die Rabbinerstiihle einnehmen, in keiner Meise nahe treten; doch forschen wir, woher das vorwaltende InAlniren zum Fortschritte über die Offenbarung hinaus, so liegt Vieles in dem Studiengange des Rabbinatskandidaten, der, nachdem er sich mehr oder, wenigermit der Theologie beschäftigt, die Universität beziehet und dort sich den Wissenschaften hmgiebt. Die jüdische Theologie wird allmälig zurückgedrängr; für sie ist keine Fakultät, kein Lehrstuhl errichtet, und so wird ihr der Kandidat stets mehr entfremdet. Er widmet seine Muße ganz der Wissenschaft, sie ziehet ein bei ihmfüllt die Räume seines Denkens aus , und jene wird verdrängt, d-ie Liebe zu ihr (und oft das Wissenselbst) nimmt ab, und wandelt sich in Gleichgültigkeit und. zuletzt in Verachtung um. Mährend der Katholik in seinem Seminar, während der. Protestant von der Lehrkanzel herab für seinen» Glauben erwärmt wird, steht der Jude, wie überall , vereinsamt und verlassen da und — erkaltet!- Aber selbst die Errichtung einer jüdischen Fakultät an einer Universität,, wie man sie von einigen Seiten vorschküg, würde nachdem eitzenthümlichen Geiste des jüdisch-theologischen Studiums nicht genügend ausreichen. Dieses Studium verlangt eine frühe, ununterbrochene Beschäftigung und muß schon beiden- Gymnasialklassen beginnen, wodurch es also einen unge-. meinen Kontrast zu dem Studium christlicher Theologen bildet,, welche bis zu dem Zeitpunkte, wo sie die unteren Schulen verlassen,, zu ihm in keiner Verbindung stehen; es müßten daher schon an Gymnasien jüdische Lehrstühle errichtet werden. Es ist aber auch der ganze Forschun-gsgang der jüdischen Wissenschaft, ihre Lehr- und' Auffassungsweise ungemeinvon. der allgemeinen Wissenschaft, verschieden , und sie stoßen, wenn nicht vom weisen Meister geleitet, der die. Berührungspunkte kennt, einander ab. Diese Verbindung zum Nutzen und Frommen des Glaubens und der Wissenschaft wäre nur durch die Untere ich ts we i se eines Ko ll egi ums au f zu finden. Es'erwacht ein Ernst für die Religion, man nimmt lebhaften Antheil an den Bewegungen auf ihrem Gebiete; diesesschöne- Sy m p to m en tscha'dig t zu m Th eil für manche andere niederschlagende Bemerkungen. Wessen "also mehr als des deutschen Juden, der der Wissenschaft gern seine Achtung zollt-, und nun sich wieder dem Glauben zuwendet, wäre die Bewerkstelligung eim-ssolchen rabb intschen Kollegi um s würdig; wer mehr.alsi die Judenschaft Deutsch-' lands kann über einen großen Fond von Intelligenz und jüdischer und allgemeiner Gelehrsamkeit gebieten? Es ist an der Zeit; es muß etwas gethan werden; aus den Gegensätzen, ausdem Theilen in zwei Lagern erwächst kein Heil, aus dem Jammern und Bedauern schießt keine freudige Saat auf; sollen: unsere Rabbinen uns an ge hören, sollen sie die wahrhaften Vertreter, des Glaubens und für ihn begeistert sein, so dürfen, sie ihm nicht durch die lange Bahn, die zwischen'ihrem früheren Studium und dem Robbinen sitze liegt, entfremdet werden. Mögen die edlen und großherzigen Männer in Israel' diese Worte prüfen und weitere Resultate daran knüpfen!" — . * alten, aber edlen undkraftvollen Redewendungen aus. Schön : ist es, daß das vaterländische Wort auf den Lippen erblühet, schön ist es und Pflicht ist es. Aber nicht minder heilig sei die Pflicht, die alte, angeerbte Vätersprache lebend unter uns zu erhalten, sie zu pflegen und zu ■ bebemen,. nicht nur ihre Worte zu eruiren, sie. philologischen Forschungen zu unterwerfen, sondern; auch, was wir denken und fühlen, was uns das Herz bewegt und den Flügelschlag der Seele auf- und anregt, in ihr heiliges Gewand zu kleiden. Zum Schlüsse «och Eines, und zwar höchst wichtiges, : was der Kandidat, „wie er sein soll" zu beachten hätte: ein. ■ würdig es und charakter volles Benehmen bei! der Konkurrenz um erledigte Rabbinate. Hier gilt es vorzugsweise Euch als Männer würdig eines gewichtigen-, einflußreichem Amtes zu zeigen! Und so wenig man es! tadeln kann und darf, wenn Ihr nach Begründung Eurer : Existenz strebet, (worin oft eine bessere Absicht als die bloße ■; Erlangung einer Pfründe — ja auch die edlere vorwaltet,' | Euer gesammeltes Wissen heilsam zu bethätigen, und den? frommen Eifer, der für Gott und Judenthum Euch in den. : Herzen glüht, in segenreicher Wirksamkeit zu verlebendigen—)! so wenig also, sage ich das Streben nach Erlangung eines; Postens; Euch zu. verübeln ist , so dürste doch mit mehr Ruhe und Besonnenheit dabei verfahren werden. Gebrauchet nur; würdige Mittel, und lasset dabei eine Rechtlichkeit der Gesinnung vorwalten, die Euch sicher einst zu Gute kommen,, und Euer Ansehen in aller Augen heben und erhöhen wird. — Diese Worte eines Freundes und Kollegen nehmet, wie sie aus treuem, redlichen Herzen kommen, sie wieder mit treuem und redlichen Herzen auf! So Ihr aber fraget: Wer bist, denn du, der du es übernimmst, uns zurecht zu weisen;^ i DDi&y? -fflb wer hat dich eingesetzt, wer und was hat j dich berufen zum Tadler, zum Unterweiser, zum Prediger der j Prediger? Bist du das Alles selber, was du von uns ver-; langst? — So ihr also fraget, antworte ich., zunächst was! mich betrifft so kann ich. wohl Nichts darüber sagen. Vielleicht.! bin ich das Alles, vielleicht auch nicht. Ihr wisset ja: ' N2.1N "drn. — Und dann, fragt der Kranke wohl! den.Arzt, ob er selber die Diät hält, die er ihm ' vorgeschrieben hat? — Und vollends Ihr, die Ihr einmaldie- Kanzel', einnehmt,, möchtet Ihr wohl, daß das Volk, bei! jedem Worte,, das-Ihr ihm: saget, an Euch die Frage stellt: Haltet'. Ihr das Alles selber? — Also nehmet meine i Worte so freundlich auf, als ich sie: Euch gebe, und reichen wit uns insgesammt die Hände zum frommen;, Gott und i Menschengefälligen Wirken, zur Besiegung der Verkennung ' und Mißdeutung, zur edlen Bekämpfung des Leumundes, der wach und rege ist, alles Schöne zu beflecken; und so. sei. Gott mit uns, mit Israel, mir der ganzen Menschheit! ' Polen und Rußland. Von der rrl.ssische» Grenze,. 30. Mai. Sc. Maj. der Kaiser haben Allerhöchst zu befehlen geruht:

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