Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1847)
- Date
- 1847-08-06
- Page
- Seite 256 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 256 Israel mid dessen gegenwärtiger Stellung entwarf, lebend dige Theilnahme. _ Sabbat Teschuba. DerVcrbcter, Hr.Isaaks, hielt eine Rede über die Nothwendigkeit der Beobachtung des Sabbats, wobei zahlreiche Zuhörer anwesend waren. Die Rede wurde ut ctiicr kernigen Sprache gehalten und verfehlte ihren Eindruck nichts J,om Kippur. Die Gebete wurden von den Herren Isaaks , Phillips und Rintell feierlich vorgetragen. Die Ordnung war durchaus lobenswerth. Während des Tages hielt Hr. A. Hort.eine Predigt. Wahrhaft erfreulich war es, das Gotteswort in der Muttersprache erläutert und den Zweck der gegenwärtigen Fest-, tage erklärt zu hören. Herr Hort wußte seine Aufgabe sehr glücklich zu lösen. Als Herr Geo. Moß vor 14 Jahren Ln der alten Synagoge eine Rede hielt, wurde es von den Orthodoxen für eine große Entweihung gehalten, und dieses Vorurtheil hatte sich bis jüngst behauptet. Ein sehr freigebiges Mitglied der Gemeinde schenkte unter anderen Gaben zum Jour Kippur fünf Guineen zu einem s>->n-Fond, dessen Einrichtung in kurzem in Aussicht steht. —- Die S nk k o t-Feiertage gingen mit den gewöhnlichen Ceremornen vorüber. Unsere Gelehrten stritten darüber, ob in unserer Weltgegend am rnsy Wey Werten OM gesagt werden sollte, da Regen in dieser Jahreszeit bei uns ganz wider den Lauf der Natur wäre. Eine andere Verhandlung erhob sich darüber, ob die vielen Gebräuche, die am Simchat Tora iu den Synagogen üblich sind , auch unumgänglich nöthig wären, wie z. B. die Hakafot, das Aufrufen onyjn^D und manches andere. Glücklicherweise wurdeder Friede der Gemeinde dadurch nicht gestört. — Gewiß wäre eine Übereinstimmung in den Gebeten wünschenswerth. Die Minhagim ad libitum thnrr ivenig Gutes, sie geben den Reformern * nur noch mehr Anlaß, ihr Kriegsgefchrei fortznsetzen. Man hofft und wünscht, daß Dr. Adler in London einen Thcit seiner Zeit der Konstituirung der Gebete widmen möge. Jedoch müßte, falls eine Aenderung vorgenommen würde, jede Gemeinde mit einem gedruckten Schema versehen werden, damit die Sache Verbreitung fände. Auch sollten die betreffenden Theile des Schulchan Äruch rmd Jore De'a gedruckt und übersetzt werden. ^GründlicheArbeiten über das Alter des jüdischen Rituals, so wie über den betreffenden Werth der, Pijutim, bei denen eine Abkürzung unvermeidlich ist, würden sich einer allgemeinen Anerkennung erfreuen» *) In Amerika heißen diese? Herren Progrrssionisten, Fortschreiter, Himmelstürnrer. Hr, Rintell hat vor knczenl an mehreren deutschen Knaben von jüdischen Eltern die Beschneidnng vollzogen; sie sind von ihrer Geburt an zwar im jüdischen Glauben erzogerl, aber aus mancherlei Ursachen jener einweihende Akt verabsäumt worden; indessen ,.besser spät als nie" ist. ein alter und guter Grundsatz —> jnriN 2'3n jnriN. Die Zahl der Synagogenbcsucher am Sabbat vermehrt sich , so wie die Schließung der Geschästölokale an diesem Tage. Unser Vorleser, Hr. Isaaks, hat durch seine Rede am Sabbat Teschuba der Gemeinde keinen geringem Dienst erwiesen. Es macht mir Freude-, berichten zu können, daß alle Besucher von den umliegenden Kolonien einstimmig der Meinung sind, daß, was Ordnung und Anstand betrifft, wir der Muttersynagoge in Old England bei weitern voraus sind. . Unsere Freunde in G o u l b o n r n haben neulich einen Verein zur Unterstützung der Hilfsbedürftigen und für Aufbringung der Begräbuißkosten von Armen gegründet, er nennt sich O'iOri p^n. nny rran.. In Maitlaud sirw Pläne zur Errichtung eines jüdischen Begrabnißplatzcs gemacht worden; die Voraustalten sind beinahe beendigt. Das vom gesetzgebenden Körper bewilligte Geld wird bald verwendet sein, und wir werden Kapitalien allsbringen müssen, um einem geistlichen Oberhaupte einen anständigen Gehalt zu sichern. Viele sind der Meinung, wir brauchten einen pix rp7D, andere wollen nur einen ]Tn, und wieder andere denken an einen Vorleser. Jedenfalls wird der Manu, der in unserer Kolonie einst augestellt wird, ein Manu von manchen Fähigkeiten sein müssen, einer, der seinen Anordnungen allgemeines Gehör zu verschaffen weiß, und der bei aller Orthodoxie doch den Anforderungen der Zeit zu genügen weiß, zugleich bekannt mit allen Dmim und Poskimsragen, die in unserer jungen Kolonie öfters Grund zu Bedenklichkeiten geben, obwohl in altern Gemeinden sie durch die lange Erfahrung gäng und gäbe geworden sind. Perfonalchronik und Miseellen. Juden in Afrika. Nach dem Berichte eines Reisenden sollen auch im Innern Afrika's Juden sich finden. Während einer Wanderung von neun Monaten durch die große Wüste erfuhr er, daß es in der Nähe aller großen Städte im Innern Neger gibt, die den Sabbat und die Beschneidang beobachten. Hierin indeß besteht ihre ganze Religion; fie haben keine andere Vorstellungen von Glauben und Sittlichkeit. Verlag von C. L» Fritzsche« Druck von I. H. Nagel.