Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1847)
- Date
- 1847-07-30
- Page
- Seite 245 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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— 245 vor, fcmu Entscheidung bald zeigen wird, nach welchen Grundsätzen unsere Räbbinatsverhältnisse jetzt Gehandelt werden. In WnlLerstein hat die Majorität einen Kandidaten mit eitler schlechten Note zum Rabbiner gewählt. Die kön. Kreisrcgiernng mochte, nun, wie etz .schrillt, gern den der Minorität, welcher^ der Reform huldigt, bestätigen und hat daher, wie man sagt, den ganzen Akt der atlerh. Stelle vorgelegt. Davon scheint auch der Anhang des frommen Kandidaten Wind bekommen zu haben, denn bereits ist ein bekannter Eiferer Ms Franken unterstützt von einem jungen Rabbiner in München erschienen, um für die Sache thätig zu sein. Dadurch wird die Bestätigung, schon so lange erwartet, in die ß Länge gezogen. Andere gewisse Vorgänge und Gerüchte sind der Sache der Minorität auch nicht fordernd und so wird sich die Entscheidung voraus sagen taffen. — ) . Der zweite Fall ist von noch größerer Wichtigkeit, weil bei ihm zwei Prinzipe, das der Anflösbarkeit eines Rabbinats und das der Majoritätswählen in Erwägnitg l kommen. Nach dem Tode des Rabbiners irr Guuzenharrsen hat die K. Regierung von Mittelfrankm die bean- I tragte Auflösung deZ Rabbinatö auf dem Grund des h. 24 im Edikt v. 10. Juni 1813, welcher die freie Bildung also auch die Auslosung gestattet, genehmigt und den Anschluß der Gemeinde Alteumuhr, für dm sich die Majorität entschieden hatte, an das entfernte Wassertrüdingen nicht genehmigt, aber den Anschluß emdasRabbinat Ansbach ausgesprochen. Ein Rekurs liegt deshalb dem h. Ministerium vor. Ob dies nun, wie zu wnnscheu, die ganze Auflösung nicht gut heißen, oder wie cs überhaupt den Fall entscheiden wird, muß die Zukunft lehren. Wenn nicht wegen des Princips, wegen des finanziellen Punktes ist beiderseits wenig zu verlieren, denn die fragliche Gemeinde zahlt die sälnmtlrcheu Funktionen ihres Rabbiners mit jährlich eilf Gulden. In gleicheur Verhältmß die andern Gemeinden, welche sich benachbarten Rabbinaten angeschlossen haben. Zum Schlüsse dieses Artikels möchte ich noch darauf aufmerksam machen, daß in der gegenwärtigen, Gottlob ihrem Ende sich nahenden bedrängten Zeit, in der Staat und Gemeinden Alles zur Unterstützung ihrer Bedieltsteten bei uns anfgeboten haben, noch keine baierffcho israelitische Gemeinde bekannt geworden ist, die ihrem Rabbiner | oder Lehrer eine Thmcrungsznlage bewilligt hätte. Armen, Bettlern wohl, aber Angestellten, Austechtgehenden f; niemals. K-. v Berlin, 15.. Juli. In Ihrem geschätzten Blatte i Nr. 28 ist ein Brief aus Berlin vom 24. Juni enthalten, in welchem einige mich bareffende Worte mir Veranlassung zu einer persönlichen Bemerkung (wie wir landtäglichen Berliner jetzt sagen) geben. Mein Auf- K satz in der „Zeituilgshalle" über die Zulassung derJnß den zur Professur ist so sehr von der Censnr verkürzt und verstümmelt worden, daß dadurch die eigentliche Spitze der Beweisführung gebrochen und nu'hi Zweck unvollkommen erreicht ist. Ich war Willens ihn in seiner ursprünglichen Gestalt außer dem Bereiche der preußischen Eensnr zu veröffenttichell, aber ich habe ans guter Duelle die Mittheilnng erhalten , daß der §. 35 des Gesetzentwurfes wirklich dahin geändert werden wirddaß Inden, ordentliche Professoren werden sollen, und den Inden in dieser Beziehung wenig mehr zu wünschen übrig bleibt. — Daß ich nicht der Verfasser.der. witzigen Briese im Orient bin, haben Sie der Wahrheit, gemäß bezeugt; ich kann noch hinzufügen, daß mir der Verfasser, Person und Namen nach, gänzlich unbekannt ist, und ich mit mehren dieser Briese durch nichts anderes in Verbindung stehe, als durch den Wunsch, ich wäre im Stände mich als ihren Verfasser zu betrachten (namentlich ist der vom 27. Juni über die Emäncipation außerordentlich treffend). — Woher ihr Korrespondent die Angabe entlehnt hat, daß ich Berlin verlasse kann ich. nicht sagen; vielleicht meint er jenes Verlassen, welches, nach ^Marquis von Posa, die Thoren „auf ewig" nennen, und in diesem Sinne haben die Erben meiner zahlreichen Sinemren und fetten Pfründen allerdings sestbegründete Hoffnung. Laut Nachrichten aus Frankfurt a. M. geht Jost damit um, die hiesigen Landtags-Verhandlungen über das Jndengesctz mit zahlreichen Anmerkungen von seiner Hand abdrucken zu lassen, und diese theils berichtigten, theils widerlegten und theils freudig begrüßten Reden der preußischen Abgeordneten und Herren als ein besonderes Ganzes Staatsmännern uiifc Beamten zu überliefern. Soll unser unmaßgebliches . Geständniß hierüber nicht übel genommen werden, so wagen wir es die Erklärung ansznsprechen, daß die freudige lleberraschnng dieser Nachricht . durch einige Bedenken getrübt wurde. Jost steht als Verfasser des größer» und kleinern GeschichtSwerkcs bei dem christlichen Publikum in hohem und gerechtem Ansehen; aus dein Katheder und im Bureau beruft malt sich auf diese umfassenden Werke eines indischen Gelehrten, die, außer dem inner»Werth, leicht zugänglich, gemcimtützig und lehrreich sind. Aus solcher Stellung des geehrten Verfassers erheben sich auch die an ihn zu machenden Ansprüche aus höher» Standpunkt und m seiner jetzigen Aufgabe wird jeder Zoll eineVerantwortlichkeit. Bei jeder gegebenen Blöße werden die christlichen' Kritiker umgekehrt wie ND'DD p wnoj freudig sagen: ■ unsrj. DDzaty bn.) ) Blößen aber sind unvermeidlich bei einer» so hochwichtigen Gegenstände), den ju beleuchten und mit politischer Schärfe zu durchdringen die vereinigten Kräfte tiefblickender Polemiker, in deren Rath auch die Rechtskurrde vertreten wird, nöthig sein dürsten, und wobei auch die 'Wärme eines gewissen Grades von Unwillen über das tiefgekrä'llkte Rechtsgeffchl die Gabe des Werkes heben muß; solche Wärme aber hält gern ein Gelehrter fern, der durch Besonnenheit und oft zu