Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1847)
- Date
- 1847-07-30
- Page
- Seite 244 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 244 — diesem Sinne soll er sich auch gegen die Münchner Deputation geäußert haben. Warten wir. Gleiche Bewandtniß hat cs mit unfern Aussichten in politisch-bürgerlicher Hinsicht. Man erwartet für die nahe Zukunft große Verbesserungen, das unglückselige Matrikel wesen betrachtet mau als abgeschafft, und doch vermag Niemand mit Bestimmtheit zu sagen, ob die vielverbreitcte Nachricht, das Edikt v. 10. Juni 1813 über die Verhältnisse der Israeliten sei einer Kommission zur Revision übergeben worden, in Wahrheit begründet, sei, und doch kommen neuere Beispiele vor, welchen jenen Sanguinischen, die ihre Wünsche mit der Wirklichkeit verwechseln, die Augen öffnen könnten. Anderes nicht zu gedenken, können wir mit Bestimmtheit sagen, daß dem Lehrer und Vorsänger Jondorf in Dietenhosen in neuester Zeit die Matrikel verweigert worden ist. Wer vermag noch zu bestimmen, ob die in Aussicht stehenden Gesetzbücher wieder Ausnahmsgesetze gegen uns aufuehmen werden. Die Oeffentlichkeit und Mündlichkeit, woraus sie basirt sein werden, ist unserer Sache hold. Wenn auch Personen nicht für unö wären, die Sachen würden für uns sprechen und wir vertrauen, daß ein in der öffentlichen Meinung wie in dem Vertrauen unsres Königs so hoch stehender Mann wie unser Justizminisier Maurer auch bezüglich unsrer auf der Höhe der Zeit stehen wird. Nach diesem Allgemeinen einiges Einzelne. Aus München berichtet man, wie die'Oberin der barmherzigen Schwestern bei einer Inspektion des Schwesterhailses daselbst, in welchem sich der Tendenz dieser Korporation würdig eine Abtheilung für jüdische Kranken befindet, einer kranken russischen Jüdin mit aller Theilnahme sich angenommen und sie zu ihrem bevorstehenden Austritt mit Kleidern und Geld versehen ließ. Ich würde dies hier nicht wiederholen, denn derlei thun wir Juden christlichen Armen gegenüber gar oft, wenn die Juden nicht so selten thätige christliche Barmherzigkeit erführen. — Auch macht cs guten Eindruck, daß die öffentlichen Blatter von dort neben den Kirchen die Synagogen stellen und erzählen, wie in diesen am letzten Geburtstag unserer Landesmutter gleichzeitig öffentlicher Gottesdienst stattgesurrden habe. Nicht unwichtig ist die Nachricht, der dortige israelitische Verein zur Unterstützung angehender Handwerker und Bauern wird in nächster Zeit die beschränkende Bestimmung, nach welcher man das Handwerk rc. in und um München erlernen müsse, dahin abändern, daß er nur sogenannte schwere Hand w erk e r, die dann an beliebigen Orten erlernt werdew könnten, unterstützen werde. War durch die bisherige Bestimmung einerseits die Bewerbung um die Unterstützung erschwert, so enthielt sie doch die Bürgschaft gegen Täuschung und die Möglichkeit der Überwachung der Lehrlinge. Der Verwaltung ist bei der neuen Gestaltung große Vorsicht anznrathen und die anderswo schon berührte Aufstellung von Bezirksvorständen sehr zu empfehlen. Die Aufmunterung zur Erlernung von , besonders schwerer, .nicht mit Handel verbundenen Handwerken, bedarf aber in der That noch der großen Aufmunterung, und wer daran zweifeln wollte , den verweisen wir auf Würtemberg, wo sie gesetzlich alle mögliche Erleichterung genießen, wie z. B. die Freizügigkeit re. nud wo sich die wenigen jüdischen Handwerker durchgängig gut stehen, und gleichwohl ist die.Lust hierzu nur verhältnißmäßig schwach. Der Handelan dem uns die Gesetzgebung so lange gewöhnt, der auch dem lebhaften jüdischen Geist mehr znsagt und dem. sich daher auch die meisten nach Amerika ausgewanderten;jüdischen Handwerker dort wieder ergeben, ist immer noch das Gebiet, auf dem man sich noch am häufigsten bewegt. Vereine thun daher inuuer noch sehr Nvth. -— Von Dettingen m Schwaben erfahren wir eine Erscheinung der kleinlichsten Intoleranz. Bei einem Fackelzng, den die dortige Bürgerschaft auf magistratische Veranstaltung dem Fürsten Hanse bei Gelegenheit der Geburt eines Erbprinzen brachte, schloß man mit Bedacht die Juden aus. Sie seien keine Bürger. Die Beleidigten haben sich hohem Orts beschwert und wir werden den Erfolg seiner Zeit mittheilen. Wir unsrerseits würden "bcu dortigen Magistrat, besonders seinen Bürgermeister, auch nicht zmn Fackelträger unfcrcr Zeit machen In unserem mittclsränkischen Jntelligenzblatt fignrirt unter den Eingaben der Maurer und Gcusdarmen rc. welche wegen Mangels der vorgeschriebenen Formen nicht zum Einlauf genommen werden konnte«, wiederholt eine solche von einem jungen edikünäßig geprüften Rabbiner, wir wollen ihn nicht neunen, wie dort geschieht. Der Mangel einer kirchlichen Mittelbehörde tritt auch da wieder hervor. — Das Wochenblatt ,, Sinai" von Dr. Au bin Baireuth ist, wie wir cs vor einem halben Jahre schon vorhersagten , nach kurzem Bestand ciugcgangen und der Herr Redakteur ist offen genug zu gestehen, daß Mangel an Theilnahme und Absatz die Ursachen hiervon sind. Diese haben aber nicht an dem inncrn Werth des Blattes ihre Begründung, sondern an der im Wachsen begriffenen Lauheit des jüdischen Publikums für diese Art Lektüre und offen gesagt an der Menge dieser Art Blätter. Zwei derselben und besonders auch de^ Orient, für die, welche sich mit der altern und neuem Literatur in Konnex erhalten wollen,* genügen vollkommen dem Bedürfnisse. Ueber unsere baier'schen Zustände werden wir darin schon Raum gewinnet,. — Zwei Fragen liegen dermalen der allerhöchsten Stelle *) Ich möchte darum mit vielen Lesern des Orients nicht zur Weglassung des Literaturbtattes rathen, wie schon hier geschehen. Gerade dies ist ein wesentlicher Vorzug des „Orient".