Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-07-30 · Heft 31 (30.7.1847) · p. Seite 246

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 31 (30.7.1847)
Date
1847-07-30
Page
Seite 246 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360504--6015-3533374
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

großer Ruhe operirt, und der sich keim Kamps gegen die Unterdrückung gern dm Sammthandschuh anzieht. Es steht bei dem von Jost angekündigtem Unternehmen sehr viel auf dem Spiele, viel für die Juden Preußens und für die Juden de§ übrigen Deutschland, und deshalb habe ich, obgleich unberufen-, diese Worte gewagt, der Verzeihung eines von mir hochgeachteten Mannes gewiß, an dem man gewohnt ist, daß er in guter Absicht ausgesprochene Bemerkungen der Prüfung werth hält. . F. Lt. Altona, 10» Juli. Unter uns weilt jetzt ein Mann , derRabbiner aus Schneidemühl , der sich einer verkehrten Mission als die seines Landsmannes unterzogt« hat. Er will, nämlich die im Werke gewesene Theologen-Versammlung Hintertreiben. * Ec ist nicht reich, aber ans heiligem Eifer-..-für die gute Sache, macht er die ganze Rund-Reise ans eigene Kosten. Zugleich will er die Rabbinev-Versaurmlung störell,lMte er damit angefangen, so fällt ja. die erste, als überflüssig von selbst weg. Hier zeigt sich oder wiederholte sich eine Erscheinung, die der Erwähnung ist. Sehen wir die allgemeine Aufklärung, wie sie sich auchbei dem Orthodoxen Anerkennung verschafft hat, sehen wir,. wie der Orthodoxe heutigen Tages gar seinem Bruder vor 50 Jahren nicht ähnlich isi, ja wie der jetzige Orthodoxe vor 50 Jahren./alshöchst neumodisch vcrdammlich geschienen hätte, so müssen wir gestehen, daß. wir diesen glücklichen Zustand keinem Andern als dem damaligen Neumodischen zu. verdanken haben. , Vmr Eichel, Löwe, Friedländer re. ging die heilsame Reform aus, gcwde weil diese fast gariz ans dein Ceremonial-Leben hermlstraten, hatten sie den Muth, Reform zu predigen. Sie wurden von den Alte« verdammt, aber ihre Lehren trugen- Früchte. Der.damalige alte Rabbiner, wenn auch noch so der. Aufklärurig im Herzen zngethan, öffentlich durste er. nicht auftwtrn; das erlaubte ihm seine Stellung nicht. AehiilichcZ scheint jetzt vorzugehen; eine Theologen - Versammlung wollen die Alten nicht , die Robb.-Vers, wird verdammt, aber, was sie Heilsames lehrt, das wird anerkannt, ja vielleicht auch von uns Alten anerkannt werden. Aber du guter Plärrer von Schueidemühl, du meinst cs gut, aber deine Bemühung geht leer aus; dir ist keine Stelle gegeben, du hast weder Ruf noch Intelligenz, weder als Vermittler noch Beschützer der Strenggläubigen. Die Th.-B. ist gar nicht störbar gewesen und bei der R.-V. wird es dir *) Wenn der gute Schueidemühler das will, so scheint er rnr»E>n verrückt zu. fein, unbeschadet seiner Orthodoxie, die ich ihm recht girn überlaffe. Wenn er gesagt, daß er die TV. vereitelt, so scheint er noch eine Eigenschaft mehr zu haben, nämlich die Lügenhaftigkeit. Zeder weiß, daß die TV. ihr Nichtthun ebenso gur Monate voraus überlegt hat, als das' angebliche Thun; sie wird ihre Mission erfüllen, ohne je um den Schneidemühler. sich gekümmert zu Haben».. Red. nicht gelingen. Soll diese sterbtu, so wird es nicht durch deine Hand geschehen. Man hat zu alten Zeiten, — und jetzt noch mehr — von dem Erhalter des Glaubens Eigenschaften gefordert, die du nicht besitzest. ^Kchre zurück in dein Schneidemühl, das Stadium, worin sich jetzt das Judenihum befirtdet, verstehst Du nicht, die N.-V. störst du nicht rind die Th.-V. wird die Zeit schon fördern, ihr entgcgenzutreten erfordert sogar mehr Geist, als Mitglied der RV. zu sein.?axu8. Oe st er re i ch. Aus Mähren, im Juni. (Forts). Daß indessen 'ein solcher Gedanke,, in der Masse Raum und. Geltung sich verschaffend, die Schmälerung der Achtung vor Eurem Stande verursacht haben sollte, ist undenklich... Sie hat eine andere Quelle. Ich will sie Euch-nennen: Es sind die vielen untauglichen Individuen, die sich unter Euch ein-rängen, u,nd mit Eurem Titel kleiden und schmücken; Leute,, aus denen weder die Weihe des genialen Geistes ruht, und die auch nicht die edle Gabe des Fleißes und der Beharrlichkeit besitzen^ die ^v>kder den Gedanken haben, noch das. Wort; bei denen Alles schlaft, der schöpferische Geist, die reproducirende Kraft; Leute baar alles Wissens, und erfüllt, von dürftigen, mageren Ideen. Daß Euer Titel ein. Gemeingut geworden ist, wonach jeder , dem's beliebt, greift und hascht; daß er geworden ein ruift -^pDn, n"">3/tan jeder Bachur, der nur irgend einige Blattsciten im Talmud, gelesen und in einigen deutschen Schriften geblättert, sich ancignet, damit prahlt und prunkt, und oft dem wackersten und würdigsten Kandidaten den Weg vertritt, — das ist. die'trübe Quelle, woraus jene Schmälerung floß und fließet. Da wird Alles, dann mit Einem Maaßstabe gemessen, und der. Schlechte wirst seinen Schatten auf den Guten, und mit dem Talent- und Wiffenlosen muß der Geniale und Kenntnißreiche büßen. — Daß sich die Sache der Art verhalt, ist freilich traurig, und wird dem Uebel auch, nicht abgeholfen werden, so lange es nicht Institute gibt, wie das in Padua bestehende colle. Kinm rudlrinwuml) oder die von Dr. Philipp so n beantragte *) Das ONex'rum rabdinieum zu Padua wurde unter Kaiser Franz I. auf Veranlassung des damals berabgelangten h. Dekretes, in Betreff der regelmäßigen Studien der Rabbiner, von den. Israeliten des lombardisch-venezianischen Königreichs gestiftet. (Diese sind die 5 Gemeinden: Venedig, Manrua, Verona, Padua und Rovigo, nebst, einigen kleinern, im Ganzen ungefähr 13090 Seelen.) Sie kauften zu diesem Behufe einen eben feilen gräflichen Pallast, und richteten denselben folgende? Weise ein: 'Im ersten Stockwerke befinden sich die Auditoria, der große Prüfungssaal und die ziemlich reiche Bibliothek. Im 2. Stocke, die einfach, aber bequem und geschmackvoll eingerichteten Zimmer für die Srudirenden, ungefähr 20 an der Zahl; (die wohl noch nie ganz besetzt waren, weil das Institut nicht so stark frequentrvt wird.) Die Srudirerkden erhalten zugleich Kost, Licht und Bedienung. Das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.