Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1847)
- Date
- 1847-07-30
- Page
- Seite 243 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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til!iH des Staätslebms: begründete, strahlt einer Sonne gleich m den Annalen Preußens. Um des Thrones Stufen versammelten sich die Auserkornen, mit echtem Patriotismus im Herzen, um der Krone in den schwierigsten Fragen aus dm Quellen der WLsstnschaft und Ersahcnng Rath zu ertheilen. Unserer Vaterstadt gereicht es aber zum besoudecn Stolze, Sie, Hochverehrter Kämpfer für Wahrbeit, am Firmamente dieser hohen-Versammlung als: Stern erster Große lenchteu zu scheu. Sie haben Angesichts der Majestät — ein würdiges Beispiel männlicher Charakterstärke — das Gegebene mit dem Versprochenen geprüft, den Werth des Geschenkes nach Werhältniß seiner harmonischen Uebereinstimmung mit dem Gesetze erachtet und im milden' Tone eines Jsot'rates Ihre Ueberzeuglmg ausgesprochen. Ihre Rede hat sich mit der ganzen Fülle des Gemüthes über das nothwendige Erforderniß einer vollkommenen Staatöeinheit lind Wichtigkeit des gegenseitigen Opferbringens ergossen und mit wahrhaftem Liberalismus strebten Sie, die ärmere Klasse des Volkes von mancher schwerlastenden Bürde zu befreien. Nicht nur Deutschland blickt ans dieses edle Streben, auch Enropa's Auge ist darcms gerichtet und fciuc Flaggen verkünden es fremden Zonen. Aber wie ein sanftes Windessäuseln der Aeolsharfe harmonische Laute entlockt, so melodisch klangen unsers Herzens Fasern, als der Hauch Ihrer Worte über Menschenrecht, Menscheuachtung und Menschenliebe sie anfächelte; als Sie — eine Feuer sä ule in der Wüste — reich ausgestattet mit erhebenden Empfindungen, die das Bkenscheugeschlecht mit warmer Theilnahme umschließen, das Prinzip des christlichen Staates bekämpften, in die Gefühle und Leiden eines Familienvaters eindrangen, dem beim Abschiede von den Seinigen der Trost ermangelt, feine Kinder in den. Reihen ariderer Landeskinder zu scheu; als Sie spater — ein Verdienst, das Ihre Bercdtsamkeit sich schon in den Provinzial-Landtagen um unsere Glaubensgenossen erworben — bei Borat hu ng des Gesetzentwurfes über unsere Verhältnisse, der so manches wohlerworbene Recht absorbirt, dem Taucher ähnlich, ans den Tiefen humaner und philanthropischer Ideen eine Perle an's Licht förderten, die den großen Namen t,,Ern a neipatio n" trägt. Erlauben Sie daher, edler Mann, daß. wir uns Ihnen mit. gerührtem. und dankerfülltem Herzen nahen. Genehmigen Sie mit diesem schwachen Zeichen unserer nie erlöschenden innigsten Dankbarbeit zugleich die Versicherung, daß unseren Nachkommen, die doch mit göttlicher Hilfenach endlicher Verscheuchnng mittelalterlicher Vorurtheile durch das Helle Licht der Aufklärung, einmal das Glück haben werden, die Früchte Ihrer liebevollen Anstrenguirgen zn ärnten, der Name von Beckerath ewig thcuer sein wird und daß einst die Geschichte fcw Israeliten, die neben jeder Trauerweide einen Schutzengel gefunden , ihren Pinsel in die schönsten Farben taucht, wenn sie Ihr erhabenes Bild zeichnet. > D ie M i tgli oder des israelitischen Konsistoriums und der Gemeinde zu Crefeld. (Folgen die Unterschriften.) Die herzliche und ergreifende Erwiederung deoHrm v. Beck'crath wagen wir nicht in verstümmelter Fassung wiederzugeben unb beschränken uns daher ans die wenigen, ungefähr so lautenden Worte: ,,DaS glänzende Geschenk, welches Sie mir jetzt überreichen , nehme ich nur in dem Sinne an, daß es meinen Kindern, welche wie ich gewiß hoffe, die Zeit erleben werden, wo die Konfession keine bürgerliche Beschränkung mehr begründet, zur Erinnerung diene, daß ihr Vater einst für die Gleichstellung der Israeliten sprach und kämpfte". Bttieru, im Juli. (Monatsbericht.) Nach einiger, in äußeren Umständen begründeten Unterbrechung fahre ich in der Berichterstattung über jüdische Vorkommnisse in unserem Vaterlande fort, die von der Richtung unserer Angelegenheit Zeugnis; geben. Wie ein Gänsekiel die Welt in Allarm zu verscholl vermag, das hat sich auf's Nene wieder in unserer Sache gezeigt. Hat da dem Korrespondenten v. u. s. D. Jemand aus München geschrieben, es sei unser« Rabbinern regiernngSseits der Besuch der diesjährigen Rabbinerversammlnug i»i Mannheim gestattet. Flugs schreiben eS ihm alle Blätter nach! Mit Blitzesschnelle läuft die Nachricht durch Deutschland , man knüpft die kühnsten-Kembittationeu daran, dem KultuSlninister ruft man ein ,,Hosianna in der Höhe!" zu und bezeichnet scholl mit Bestimmtheit die Männer, welche dahin gehen werden. So namentlich treu Hru. Rabbiner Ali b in München. Nachgerade zeigte sich es aber, daß an all dem kein wahres Wort ist, daß die deßfatlsige Erlaubnis' weder gegeben noch nachgesucht worden ist. Hatten doch die Rabbiner, welche seiner Zeit einen Revers über den Nichtbesuch der Rabbinerversammlnug ausstellen mußten, ihn noch nicht zurück erhalten! Der Jubel war etwas zu früh! — Daraus aber schließen zu wollen, daßdie Staatsmänner, die jetzt am Ruder stehen, auch jeder besonnenen Reform im Juden thum oder des Iudenthnms, wie Hr. Löwenstein in Gailingcn streitigen Andenkens will, entgegen sind und daß eine nachgcsuchte motivirte Erlaubnis' verweigert werden würde, wäre denn doch ein gewaltiger Fehlschuß. Unser dermaliger Minister der Kirchenangelegmheiten hat seine Ansichten in religiös-politischer Hinsicht in den letzten Landtagsverhandlnngen klar niedergelegt und er selbst beruft sich zic oft daraus, als daß. an seiner Aufrichtigkeit und seinem konsequenten Handeln nur der mindeste Zweifel anstanchen darf. In diesem Sinne sprach er sich geg-cm eine Deputation der Israeliten in der Oberpsalz, die ihm eine Adresse, in welcher der gemäßigten Reform geradezu gedacht wird, aus, in 31*