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Der Orient · 1847-07-16 · Heft 29 (16.7.1847) · p. Seite 231

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 29 (16.7.1847)
Date
1847-07-16
Page
Seite 231 (sequence 13)
Language
German
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231 ntcjc/ wiewohl er auch jenen gegenüber niemals kriechend und gebückt, sondern stets mit bescheidener Würde und Energie ausgetreten. Dabei war er überreich an geselligen Tugenden; er war liebender Gatte, zärtlicher Vater, warmer Freund, sanft und überaus liebenswürdig im, Umgänge. Die Liebe und' das Vertrauen der gesammtei: Einwohnerschaft seines Wohnortes besaß er in hohem Grade. Sie hatten ihm das Amt eines Stadtverordnctcnvorstehers übertragen, welches er bis zu seinem Lebensende verwaltete. In letzter Zeit wurde er mit ent- ' schiedener Majorität zumRathmann erwählt; — cs waren mit zwei Stimmen gegen ihn — doch hatte er diese Funktion noch nicht übernommen, weil er gegen die Formel des von ihm verlangten Eides protestirte. Näheres über das Leben des Verblichenen haben Sie vor kurzen in ihrem Blatte mitgetheilt; wir "beschränken uns daher auf einige Mittheilungen in Bezug auf dessen Leichenbegängnis;. Die Leiche wurde nach Pleß zurückgebracht, sie sollte daselbst schon am 13. eiutreffen, und anr 14. die Bestattung vor sich gehen. So wurde es auch den naheliegenden Gemeinden angezeigt; jedoch polizeiliche Hindernisse verspäteten dieses Eintreffen und dadurch die Bestallung um einen Tag. Die Leiche wurde mit der.Eisenbahn nach Gleiwitz befördert, und von da nach Pleß mit Pferden über Nikolai. An letztem:. Orte ist sie bei ihrem Durchgänge am 14. von einer großen Menschenmasse erwartet, und von dem dasigen Rabbiner mit angemessenen Worten .begrüßt worden. Dr. Geiger war ans Breslau nach Pleß gekommen , um bei der Leichenfeier die Rede zu halten, der Kantor aus Tescheu, um den Gesang zu leiten. Wiewohl mm die Verschiebung der Feier, die nachtheilige Folge hatte, daß manche Auswärtigen, die zur Theilnahmc cm derselben am 14. herbrigekvmmen, umkehren .mußten, so verhinderte dies doch nicht, daß am 15. dennoch eine große Anzahl von anderswo eintraf, um den Ueberresten des Hingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen, und sie zur Ruhestätte zu geleiten. Die Synagoge zu Pleß war schwarz drapirt; man begab sich dahin um das Miucha-Gebet zu. verrichten, und von da zum Trauerhanse. Der Sarg wurde cms demselben getragen, von dem Kantor besungen, und gegen zwei Uhr bewegte sich der Zug langsam dem Friedhöfe zu. Eine unübersehbare Menschenmasse von nah und fern, aus allen Konfessionen und Ständen bildeten diesen Zug; auch der Besitzer des Fürstenthums Pleß, Graf H o chb erg, hatte sich dem Zuge augeschlosseil, und wohnte der Feierlichkeit bis zum Ende bei. Auf dem Friedhofe allgelangt, sang der Kantor .unter Chorbegletnng einen Psalm ab, der Prediger sprach die Trauerrede, dann piei PNL in deutscher Uebersetzung, es erfolgte wieder die Absinguug eines andern Psalms, und hierauf wurde der Sarg in das Grab gesenkt. Zum Texte hatte Dr. G. 2 B. Sam. 3, 38. gewählt. Er entwarf mit vieler Breite ein Lebensbild des Verstorbenen, schilderte ganz aus ähnliche Weise, wie derselbe, im Vertrauen aus ein jenseitiges Leben, muthig dem Tode entgegengesehen. Er ging zur Bemerkung, weil wir mit dem Tode, zu einen: bessern Leben, zu einem gütigen Vater eingehen, darmn sei eine äußere Trauer nicht an ihrem Orte, und genüge eine innere, eine Trauer des Herzens; und darum seien die alten jüdischen Traucrgebräuche, die Ueberreste aus den Zeiten der Barbarei und des Druckes nicht zu beobachten. . Diese Bemerkung an 5 B. M. 14, 1. verknüpfend, erwähnte er, daß der dem Fortschritt huldigende Verstorbene, dies einsehend, letztwillig verordnet habe, seine Angehörigen möchten besagte Gebräuche unterlassen. Der Redner wußte diesen letzten Witten, als einen Beweis wahrer israelitischer Frömmigkeit nicht genug zu loben, und sprach seine volle Zuversicht aus, daß die Angehörigen denselben ehren und beachten werden. Nunmehr hatte der Prediger sein Steckenpferd erhascht; er tummelte sich herum in Gemeinplätzen der Reform, er erging sich in. hohlen Phrasen und Tiraden über Kern und angclehnte Spreu und dergl. mehr. Endlich kam noch die Emaneipccklon aufs Tapet. Der Heimgegangene habe für sie gekämpft und gestrebt, es sei ihm aber nicht vergönnt worden., sie zn erleben. Wie Mose sollte er nur von fern das gelobte Land schauen, selbst aber nicht dahin gelangen. Das Ganze schloß mit einer Apostrophe an Eenleinde-Angehörige und, den Verklärten. Zum Schluffe seien uns nur wenige Bemerkungen in Bezug auf die Rede verstattet. Man war wohl berechtigt zu erwarten, daß zu einer Grabrede nur der Prediger Breslaus kommen, der Präsident der dritten Rabbiuerversammlrmg daheim bleiben werde, man war berechtigt zu erwarten, die Wohnstätten des ewigen Friedens werden nicht entweihet, und in eine Arena des Parthcikampfes und der Reform sucht mngewaudelt werden; aber nein, der Prediger scheint mit seiner Präsidentur so innig verwachsen, daß er stch ihrer zu keiner Zeit entäußern kann, er bleibt seiner Devise „Kampf ist Leben," so treu, daß er jede Gelegenheit zum Kampfe bei den Haaren herbeizieht. Ihn: ist keine Zeit, kein Ort heilig, er schaffet die Pflugschaar zum Schwerdte, den Frieden selbst zum Kampfe um. Bluten sie nicht noch jene Wunden, die seine Kampflust Breslau's früher so freundlicher Gemeinde geschlagen, und ist jener unselige Kampf nicht eben aus dem Friedhöfe hervorgegangen? — — Man ist nur verwundert, wie ein so alle Zell fertiger Kämpfe: das jenseitige Leben, als beglückend, als das höchste Ziel der Wünsche anpreisen kann, da doch jenseits aller Kampf aushoren und ewiger Friede herschen soll? — Wir halten es übrigens für höchstwahrscheinlich, wenn auch der Hingeschiedene wirklich während seiner letzten Krankheit den Willen ausgesprochen, daß seine Angehörigen die Mischen Trauer.ae-

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