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Der Orient · 1847-07-16 · Heft 29 (16.7.1847) · p. Seite 229

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 29 (16.7.1847)
Date
1847-07-16
Page
Seite 229 (sequence 9)
Language
German
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229 Die Unterzeichneten Mitglieder der Gemeinde Nackel im Königreich Preußen, in dem Großherzogthum Posen, Folgen die Unterschriften. Posen, 2. Juli. In nnserm heutigen ZcitungSblatte find die neugewählten Stadtverordneten namentlich aufgeführt und unter ihnen kein Namen eines Inden zu finden. — Dies zur vorläufigen Berichtigung unserer, diesen Punkt betreffenden Mittheilung in Nr. 26 dieser Blätter. — Unser Bruder-Verein hat noch keinen Kantor und noch keinen Prediger. Das neue Betlokal ist auch noch nicht cingeweiht. — Die jüd. Zöglinge uuscrs Fr.W.Gymnasiums genießen jetzt in der Anstalt allwöchentlich 2 Stunden ReligiouS-Unterricht. Nun frage ich: Was sollen die armm Kinder in der: 2 Stunden zuerst lernen? — Wieder einmal viel Lärm um Nichts. — Von allen {üb. Kindern, die das Fr.W. Gymu. besuchen (viel über 100) sollen es' etwa tz sein, welche an dem Duodez-Religionsunterrichte Antheil nehmen. In Lissa wird an der Synagogen-Restauration recht stark gearbeitet. Ihr dortiger, Korrespondent Herr B. mag Ihnen Näheres darüber berichten. — In G rätz, findet dieses Jahr keine Rabbiner-Versammlung statt. -SB. Altona, 1. Juli. In der letzten Verhandlung über die Emaneipation der Juden wurde von deur Vorsitzenden Herrn Dr. Schub art, nach einer längeren Disknsfion die Frage zur Abstimmung gestellt: ob ein Konnte zur Entwerfuug einer Petition an die nächste Holsteinische Ständevcrsammlung um bürgerliche und politische Gleichstellung der Juden gewählt werden solle? welche Frage mit allen Stimmen gegen eine einzige bejaht wurde. Zu Komitemitgtiedern wurden die Herren Zeise 86n., Fabrikant und Ständeabgeordneter W i e nbarg und Advokat Paysen bestimmt; da jedoch Herr Wien barg wegen überhäufter Geschäfte die Wahl ablehnte, wurden die beiden anderen Komitmnitglieder autorisirt, sich selbst durch einige dazu sich bereit findende Vercinsmitglieder zu verstärken. (K. W.) Berlin, 8. Juli. Daß die Griechen nach Olympiaden zählten, weiß jeder klassische Rabbiner, der in der Götterwelt der Griechen heimischer als in der Literatur der Inden ist; daß aber die Juden die Aufklärung der Völker nach Jahrtausenden berechnen möchten, dürfte nicht Jedermann bekannt sein. „Tausend Jahre sind in euren Augen wie der gestrige Tag, der vorüber ist" — rufen die Nachkommen der Psalmistcu den Völkern zu. Da nun das zweite Jahrtausend , wie der Zclotismus unter den Juden noch nicht entschwunden ist, so ist es unbillige wenn die kalkulirenden Juden eine Gleichstellung ln kaum zwei Tagen verlangen. „Alles hat seiueZeit" — sind die Worte eines begabten, die Derascha mit der Predigt versöhnenden, jüdischen Kanzelredners, der die jüdischen Gelehrten so genau kannte, daß er in seinem Exordium den Satz aussprach: „Alles ist eitel"! — Glauben Sie nicht, mein rcdigirender Freund, daß ich nun sogleich zur Judenfrage übergehen werde; ich lasse mir Zeit, sowie die Regierung, um einen Entschluß in der Emancipationsarlgelegenheit zu fassen. „Immer langsam voran" ist mein Motto; und ich werde daher erst später in vollständiger Rüstung den Gegnern gegenübertreten. Man will uns unsere Maturitätszeugnisse nicht ausstellen, obwohl wir in der Schule des Lebens die strengsten Examina bestanden haben. Wir haben die Griechen und Römer früher als^ die Deutschen gekannt, haben deren Literatur früher denn die deutschen Universitäten studirt; in der Mathematik sind wir längst ausgezeichnet, wir Sennen alle Winkel und Kreise, und es kann uns Niemand ein E für ein U machen; die Geschichte aller Völker haben wir durchlebt, sie nicht aus Büchern, sondern aus dem wärmen Leben studirt; die neuem - Sprachen haben wir in verschiedenen Ländern selbst gelernt, häufig unter Qualen und Leiden; in der Religion hatteil wir die besten Lehrer, obwohl sie nicht vom Staate besoldet wurden; Prüfilngen haben wir bereits im der Wüste bestanden: und wir wärm nicht reif? Man fürchtet unser „Manschein" — und doch sprechen wir das reinste Deutsch, ohne Beimischung serviler Bestandtheile, wie es Schiller und alle Vorkämpfer der Freiheit gesprochen! Oder glaubt man, daß die jüdischen Organe schlecht sind? — Man nennt uns feig. Wo sollen wir Proben unserer Tapferkeit geben? Etwa auf den großen deutschen Flotten, im Kriege gegen Licht nnb Aufklärung, in den Festungen mittelalterlicher Vorurtheile? Sollen wir uns unter die durchlöcherten Fahnen der „Evanget. Kirchenzeituug" schaaren, um einer fortschreitenden Welt Trotz zu bieten? — Doch genug für heute; allmälig werde ich meine harmlosen Bemerkungen fortsetzen. Nun zu etwas Anderem. ■— In London ist ein Herr von Rothschild Kandidat einer Stelle im Uulerhause; würde Herr v. Vincke seinen Platz neben ben jüdischen Baron et cinnehmen wollen? Es hat mancher Minister sich an der Seite der Herren v. Rothschild wohlbefnndeu, und wir hoffen, Hr. v. Vincke würde nicht so spröde thnu, um eiueu solcheu Nachbar von sich zu weisen. * Dffenbach, 24. Juni. (Ent-gegnung.) Unser Rabbiner, Herr Dr. Form sie eher, versuchte in der Frankfurter „Didaskalia", Nr. 161, den von ihm in unserer Gemeinde eingeführten Sonntagsgottesdienst, welcher in Vergleich zu seinem deßsallstgen Votum in der Breslauer Rabbiner-Versammlung mit zu den rabbinischen Inkonsequenzen gehört, die sich jene, den Tageöideen Huldigenden, so oft aussetzen, zu vertheidigen. DieseVcrtheidignng enthält aber eine ungenaue Thatsache, die wir dem kurzen rabbinischen Gedächtnisse gegenüber

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