Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1847)
- Date
- 1847-07-16
- Page
- Seite 228 (sequence 7)
- Language
- German
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228 von Schwerin, die Mark lauter M o e w e s', unser Großherzoglhnm lauter S ch u m a n n 's, Sch testen tautcr Mild e's, Sachsen gar keinen, Westphalen lauter Vincke's, das Rheinland lauter Beckerath's, oder wenn gar die ganze Monarchie lauter Beckerath's auf den WL. geschickt hätte, ■— so wäre es auch noch nicht an der Zeit gewesen zu lachen. — Und hierin glaube ich, wird mir Jeder von euch beipflichten, der da gelesen, was diejenigen, so dem Throne am nächsten stehen, in den genannten denkwürdigen Tagen von und über uns gesprochen. — Und doch lassen wir unfern Muth nicht sinken! Und doch fällt es uns nicht ein, unsere Hoffnungen aufzugeben! Und doch Horen wir nicht auf, vertrauungsvoll in die Zukunft zu blicken 1 — Und wenn unsere Feinde kommen und vor unfern Augen Tableaux austollen, die uns im Hintergründe das M i t t e l a l t e r in seiner grellsten. Gestalt ganz deutlich sehen lassen — und wenn sie uns Reden halten, die tausendmal mehr dem neunten als den: neunzehnten Jnhrhundert ähnlich ftub — und wenn sie uns Alle Fehler und Laster austürden, die selbst die Hefe der Hefe von uns nicht besitzt — und wenn sie mit Hilfe modern-pietistisch-philosophischer Doktrinen nachzuweisen sich bemühen, daß und warum Juda verdammt sei, stehen zu bleiben und nicht mit vorwärts zu schreiten, wohin das Jahrhundert das ganze Menschengeschlecht rufet — so wollen wir ihnen (denn das können wir) dreist ins Auge sehen, und ausrufen mit Galilei — so laut, daß es schalle vom Niemen' Ho zur Saar und von der Insel Rügen bis hinter die Sudeten: „Und sie bewegt sich doch!" — W. StacEel (im GH. Posen), 1. Juli. Erlauben Sie mir, folgendes Aktenstück den Lesern des „Orient" mitzutheilen. In Folge einer Nachricht in der Vossischen Zeitung, Nr. 130 vom 8. Juni a. c., daß der heilige Vater zu Nom eine Kommission niedergesetzt, die sich mit der bürgerlichen Stellung der Juden beschäftigen soll, hat die jüdische hiesige Gemeinde beschlossen, eine Dankadresse, begleitet vou 55 Unterschriften am 15. Juni an den Papst abgehen Zu lassen. Freilich wird Mancher sich wundern, daß gerade eine kleine Gemeinde zu einem solchen Schritte sich entschlossen, daß man nicht dies einer italienischen Gemeinde oder allen Gemeinden des Kirchenstaates überlassen; Mancher wird vielleicht gar darüber Lächeln und über die allzugroße Sympathie der Nackelenser für die Bewohner des Ghettos in der Weltstadt Witze machen; mag es sein; jedenfalls könnte dieses Aktenstück und diese Handlung den Beweis liefern, daß das Mitgefühl für die Religionsgenossen alle Schranken des Raumes durchbricht und getragen von dem geflügelten Worte sich ckn aller Schnelle 3) Und auch mit Gutzkows Bühnen-Akosta (S. G.'s Ur. Ak. A. 3. S. L). mittheilt. Wissen wir doch, daß dieses ZeiLblatt auch bis dahin die Bahn gefunden und was ist es d-enn anders als em WiederhaU des brüderlichen Mitgefühls.' Hier die Dankadresse: „Heiligster Vater! Auch zu uns drang die frohe Kunde, daß Ew. Heiligkeit wiederum einen Aet hochherziger Gesinnung zu üben gedenken. — Die Römer jüdischen Glaubens sind's, wie uns deutsche Blätter, mittheilen, denen Ew. Heiligkeit die freudige Hoffnung in Aussicht gestellt haben, daß ihnen in Zukunft die Rechte zu Lheil werden sollen, die ihnen ein mißverstandener Glaubenseifer Jahrhunderte hindurch entzogen hat. Welche Begeisterung sich bei Verbreitung dieser Freudenbotschaft der Gemüther aller europäischen Juden bemächtigt hat, vermöchten wir nicht zu schildern; denn sind nicht jetzt die Juden aller Lander Europas zu den schönsten Erwartungen berechtigt? Werden es sich nicht nunmehr christliche Lehrer zur höchsten Aufgabe ihres geheiligten Amtes machen, durch die Kraft ihres Wortes die Fesseln, welche Menschenwahn dem Menschenherzen geschmiedet, zu sprengen, nachdem der Gesalbte des Herrn sie gelehrt, thatsächlich gelehrt, daß, „frei sein" und „frei machen" der Ausfluß christlicher Gesinnung ist? Werden jetzt christliche Fürsten noch länger anstehen, die noch vorhandenen Schranken, die den Menschen vom Mensche» lieblos scheiden, nieder zu reißen, nachdem der höchste Vertreter der Christenheit ihnen durch die Lhat gezeigt, daß das wahre und reine Christenthum die Liebe ist, die nicht trennet, sondern verbindet? Werden endlich christliche Völker noch ferner sich sträuben, ihren israelitischen Mitbürger als gleichberechtigten Bruder anzuerkennen, nachdem der heilige Vater ihnen verkündigt, daß „wir alle nur einen Vater haben?" Darum begrüßten nicht blos wir Israeliten jene frohe Kunde mit lautem Jubel, sie fand auch im Herzen derer einen freudigen Wiederhall, die ihre edelsten Kräfte der Verherrlichung des christlichen Glaubens weihen, ja, darum wird der hochgefeierte Pius SX nicht blos der Mitwelt theuer und unvergeßlich bleiben, sondern auch die Weltgeschichte wird seinen glorreichen Namen in unauslöschlichen Flammenzügen der Nachwelt aufbewahren und den spätesten Enkeln einst erzählen, wer die Wahrheit des (Zhristenthums dem Ziele näher gebracht —1 Verzeihung daher, heiliger Vater, wenn die Unterzeichneten es wagen, ihren tiefempfundenen Dank als einen schwachen Ausdruck der Gefühle, welche ihr Herz in diesem Augenblicke durchströmen, an den Stufen des heiligen Stuhls ehrfurchtsvoll niederzulegen und dem heiligen Vater, der nun. auch uns ein heiliger, liebevoller Vater geworden, demuthsvoll zu bitten, unfern Dank huldreichst und gnädigst aufzunehmen. Und so schließen wir mit dem innigsten Wunsche und Gebet zum Allerhöchsten, daß er noch lange in seiner Weisheit regieren lassen wolle Pius IX. Na ckel, 15. Juni 1847.