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Der Orient · 1847-07-16 · Heft 29 (16.7.1847) · p. Seite 227

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 29 (16.7.1847)
Date
1847-07-16
Page
Seite 227 (sequence 5)
Language
German
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— 227 für dLe Wahrheit treten sie Ln die Schranken, nicht für Euch — nur für das Menschenrecht ergreifeu und führen sie das Schwerdt der Zunge, — und ihr glaubet Wunder, was da geschieht. O haltet ein mit Euren.Adressen, seid nicht so verschwenderisch mit Euren Mischeberach'.s, zerstört nicht Eure Kehlen durch zu laute Vivats — wer fordert, wer wünscht das von Euch'? Keiner, keiner. — O mäßigt euch, mäßigt euch doch-! denn wißt ihr nicht? Männer, wie Auerswald, v. Beckerath, v. Gottberg, v. Vincke, v. Saucken, Mevissen, Hansemann re. sie sind Nichts weiter, als echte Söhne des neunzehnten Jahrhunderts und dieses ist es, was aus ihnen herausspricht; sie haben die Gegenwart richtig aufgefaßt und in ihren Reden habe ich — und wohl noch Viele mit mir — nnr das Echo des Zeitgeistes vernommen. Achtung solchen Männern, aber nicht Bewunderung; merket Euch ihre Namen, doch grabt sie nicht gleich in Erz und Stein; nennet sie mit Ehrerbietung , doch erhebt sie nicht bis in den Himmel. Das ist kindisch und Eurer, die ihr euch so gern mündig nennt, nicht mehr würdig. Gebärdet Euch nicht so, daß die Welt von Euch glauben soll, cs seien erst jetzt die Augen Euch aufgegangen, und ihr habet bis heute nicht gewußt, was euch von Rechtswegen zu kommt, was ihr als Kinder des Staats zu fordern habt; thut nicht so, das; es scheinen soll, ihr betrachtet das, was euch gegeben werden soll, als ein unverdientes Geschenk, als eine besondere Gnade — ich sage euch riech einmal, das wäre Eurer, die ihr Euch so gern echte Preußen, wahre Deutsche nennt, nicht mehr würdig. — Bewundern sollte ich, wo die Wahrheit und für die Wahrheit gesprochen wird? anstaunitn, wo, was recht und billig ist, mit beredter Zuge verlangt wird? Nein, Brüder, das wäre undeutsch, das wäre unpreußisch. NnfetVivat, so taut ihr nur immer könnt, — ich, und viele Andere mit mir, wir werden in euren Ruf nicht einstimmen — wir werden schweigen. Wollet ihr aber da ein donnerndes Hohngclächter ausstoßen, wo das Mittelalter heraufbeschworen wird, um die Juden in ein Ghetto einzuzwängen—wollet ihr da laut zischen und pfeifen, wo man durch p h L l v s o p h i s ch - p L e t i st ische Doktrinen den Wahn zur Wahrheit, den Schein zum Recht zu erheben sucht, wollet ihr da ein,,Pcreat" anstimmen — dann Brüder, ja bctim, wollen wir uns euch mit Leib und Seele anschließen, und so taut rufen, daß man unser Geschrei bis weit, weit hinter Dem Rheine vernehmen soll. Und wenn dann unsere Brüder an der Seine Strande fragen, waö die Ursache unserrs Lärmcns, sei so lasset uns ihnen antworten: ,,W i r glaub c n z u werden, wie ihr da drüben, aber es gieb.t hier bei uns noch recht Viele, die da sagen, es sei noch nicht an der Zeit, wir seien noch nicht reif dazu!" — ,,I^och nicht au der Zeit!" Tausend Jahr im Drucke, und noch nicht an Der Zeit, erlöst zu werDeu? — ,,Noch nicht reif!" Hast Du uicht einen Kutscher, Du reicher Bruder irr Israel? Sein Sohn, unter Pferden geboren, ausgewachsen, erzogen und daher mit solchen tausendmal eher umzngehcn verstehend^ denn mit Menschen — er ist reif, zrl Allem reif, kein Weg ist ihm versperrt, er kann unter Umständen zu den höchsten Aemtern und Würden gelangen; Dein Sohn aber, er sei mit geistigen Anlagen noch so reichlich auögestattet, Du mögest auf scuu Erziehung und Ausbildung noch.so große Schätze verwenden, er kann es höchstens bis zum U n te r o ffici er, und im CivilDienst uicht viel weiter als bis zum Nachtwächter— bringen. Denn ihr seid ja noch nicht reif. — Nicht an der Zeit! Nicht reif! — Doch das ist noch nicht Alles, theures Israel, noch lange noch nicht Alles. Denn schwänden auch diese Hindernisse, so steht Dir noch ein Berg im Wege, ein hoher, ein mäch'tigrr, dessen Gipfel Dem Auge nicht erschaut, wie viel weniger daß Du ihn zu übersteigen verinöchtest, — ein Fels ist es, ein schroffer, an den Du Dir noch, Gott weiß wie lang, Deinen Kopf wirst wund und blutig rennen, ein Koloß iffs, riesenhafter als der vonRhoduS, ersteht mit einem Fuß in Memel, mit dem andern in Saarlouis — und heißt (auch auf preußisch) der christliche Staat. — Ihr staunt Bruder? schüttelt verwundert das Haupt, als wüßtet ihr gar nicht, was dieser Ausdruck zu bedeuten hat? — Wenn das der Fall ist, so geht hm und fraget eure Thile's 1 und eure Bri'rggemanu's, eure G reger 's und eure von M ylins, eure Tha d d en's^ und eure Manteuffel's — sic werden euch schon belehren. — Und seid ihr auch dann noch nicht im Klaren, so befindet ihr euch in gleicher Lage mit so Manchen mit denjenigen, die in den denkwürdigen Tagm vom 14—19. b. M. für Euch das Wort geführt, und - kennt euch mit diesen trösten.— Schöner Trost! — Seht ihr Bruder, ihr habt zu früh gelacht, ihr habt zu früh in die Hände geklatscht, ihr habt zu früh euch gefreut. Noch war es nicht an der Zeit zu lachen. Und wißt Ihr, was ich euch sage? Wenn auch Preußen lauter Auerswald's, das Pommcrland lauter Grasen \) „3ion ist das Vaterland der Juden". — Wie wir hören, soll dieses Wort unseres Schatzministcrs von dem AW. nun als Motto benutzt werden. Das Blatt würde dadurch in Preußen viel gewinnen. 2) Berühmt durch die ihm (mittelst des Hexen-Einmalcins aus Göthe's „Faust") gelungene Bmeisführvng. warum jüd. Lehrer christl. Kinder im Rechnen nicht unterrichten dürfen. — Habt ihr nicht gehört oder gelesen von dem Getrommcl in der Sitzung der Dr.St.K. am 21. d. M.? — Das war die Sprache der Nemesis. — 29*

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