Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 30 (23.7.1847)
- Date
- 1847-07-23
- Page
- Spalte 477-478 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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477 Kritiken. Zur Kenntniß der jüdische« Literatur Ungarns. 478 gen; er hat es verbanden, die Urberschwenglichkeit der morgenländischen Phantasienwelt, die in der jüdischen Sage durch Eindämmung in gedrängte, vernachläßigte, ungestaltete Formen noch um so überschwenglicher werden mußten, durch eine künstlerische, im antiken Geiste gehandhabte Behandlung, durch poetische Entfaltung und durch das Sichversenken in den Geist des Orients zu dämpfen, um diese Sagenstoffe der poetischen Plastik näher zu-führen. Eine Bearbeitung wie die vorliegende, ist nicht blos Dolmetscherin jener dunklen und unverständlichen Sybillen-Laute der morgenländischen Sage, nicht blos Leiterin zum Verständniß der längst entschwundenen Anschauungen, Auslegerin alter durch vielfache Umhüllungen unverständlichen Gedankensplitter, sondern sie ist selbst Poesie, selbst zur Dichtung geworden. In dieser Beziehung hat die Bearbeitung L.'s einen großen Borzug. Der Inhalt dieser Bearbeitungen ist: 1) Der Trank der Eifersucht; 2) der Zweig vom Lebensbaum; 3) der verschwundene Bräutigam; 4) die Anklage; 5) die erste Sadbacseier des ersten Menschen; 6) Josef am Grade seiner Mutter; 7) das Winzerfest zu Silah; 8) Kampf der Weisen; 8) König David's Sabbatfeier; 10) Die Locken des Nasiräers; 11) D-as kostbare Geschenk; 12) Die Himmelstürmer; 13) Die Seele des neugebornen Kindes. Dann folgen Anmerkungen und Erläuterungen, worin theils die Quellen nachgewiestn, theils die Deutung einzelner Gedanken und Wörter gegeben werden, ohne daß der Dichter jedoch zu eigentlich kritischen Untersuchungen sich verleiten läßt, was in der That auch nicht am Platze wäre. Eine zweite Abtheilung, genannt: „West-östliche Blätter", bietet eine Perlenschnur lieblicher Dichtungen im Geiste des Morgenlandes concipirt, ohne daß deren Stoff und Kern dort zu suchen ist, jedoch liegt , eine Besprechung dieser fern von der Tendenz dieses Literaturblattes. Es bleibt mir nur noch ein Wort über die Ausstattung zu sagen. Unter allen Werken, die bis jetzt in dieser Gattung von unseren Glaubensgenossen erschienen, ist kein einziges mit solchem Geschmacke, mit solcher Pracht ausgestattct worden, so daß schon die äußere Erscheinung ein Vergnügen gewährt, und es braucht sich wahrlich die verwöhnteste Dame nicht zu schämen, damit ihren Toilettentisch zu schmücken» Zur Kenntniß der jüdischen Literatur Ungarns. Wenn der Vorwurf des Separatismus, der den Juden früher allgemein gemacht ward und noch hie und da gemacht wird, auch nicht ganz ungegrändet ist, so müssen doch auch ihre ärgsten Feinde gestehen, daß dieser Vorwurf mehr ihr physisches als ihr geistiges Leben trifft; hier konnten sie sich — wollten und erstrebten sie es auch oft — des Einflusses ihrer Umgebung, gar .nicht erwehren, sie mußten in dieser Beziehung mit dem Zektgeiste des Landes, das sie ausgenommen oder dem sie sich aufgedrängt, rück- oder vorwärts schreiten oder auch stabil bleiben. Die Geschichte der Juden liefert dem aufmerksamen Beobachter hierzu Belege in Menge, die omzu-! führen hier nicht der Ort ist. — Wer die Literaturzustände Ungarns in früher» Zeiten kennt, wird es begreiflich finden, daß auch das Feld der jüd. Literatur hier sehr im Argen lag und nur wenig angevaut und gepflegt wurde. Wer ferner den gegenwärtigen Zustand der Literatur in Ungarn kennt und da weiß, daß guch hierher der Geist der Forschung und des regen Scichens nach Licht und Wahrheit drang, dieser von den neuern Bestrebungen der Magyaromanie verdrängt oder doch, verschroben wurde, wer da weiß, daß bei Vielen „Ungarisch können" als das Nonplusultra alles Wissens und aller Gelehrsamkeit, der Pesti-Hirlap als das einzige und ausschließliche Archiv alles Wissens- und Erkennenswerthen gilt; daß in neuern Zeiten das Uebersetzen hier trotz BLrnstem und Konsorten getrieben und von Originalschöpfungen nur selten etwas vernommen wird — wer dies und andere derartige Umstände weiß und mit obiger Bemerkung zusammenhält, der wird sich nicht wundern, wenn er findet, daß die Juden Ungarns im Felde der Literatur ihren deutschen Brüdern weit nachstehen und in neuern Zeiten, wo sie sich auch hier ein wenig umzusehen ansingen, auf solche Umwege gerathen sind oder kurz, daß der Zustand ihrer Literatur ein treues Abbild der allgemeinen Literatur des Landes widergibt. Mögen diese hingeworfenen Bemerkungen einstweilen genügen, und kommen wir in einer unserer nächsten Skizzen ausführlicher auf dieses Thema zurück. — Ich versuchte (auf Verlangen des geehrten Hrn. Redakteurs d. Bl.) in vorliegender Skizze, die in Ungarn während der letzten 14 Jahre gedruckten, im Gebiete der jüdischen Literatur einschtagenden Werke zu besprechen und den vkrehrl. Lesern mit Geist und Inhalt derselben bekannt zu machen, — hie und da auch mein bescheidenes, durchaus unmaßgebliches Urtheil hinzuzufügen. Auf Vollständigkeit kann vorliegende Skizze nicht Anspruch machen, aber . tb' und bestrebte ich mich, nur was in meinen schwachen Kräften stand, zu leisten. Daß manche der hier besprochenem Werke höchst interessant und für Jedermann lesens- und empfehlenswcrth sind, wird der ausinecksame Leser wohl bald herausgesunden haben, wie auch daß manche derselben nichts weniger als das sind — die aber doch der Vollständigkeit des Bildes halber nicht fehlen durften. Diii efc salva\i animam imeam! — I. Nrser Ha-Kodesch ('^y -w). Von Simon Oppenheim aus Krumau. Ofen, 1831. 8. 176 S. — 1 Das Werk bespricht die verschiedenen Lugenden, deren der Mensch sich befleißigen soll, hebt die Lichtseiten derselben, sowie die Schattenseiten der ihnen korrespondirenden,Laster hervor, v in von diesen ab- und jenen zuzuleiten. Es hat24Abtheilungen, wovon Nr. I, über die Zuversicht und das feste Vertrauen auf Gott, wo buch Gelegenheit genommen wird, über ßOip und Wn ein paar kräftige Worte zu sprechen; 11. über Liebe zu Gott, von welcher dann zur Nächstenliebe übergegangen wird; 111. über Gottesverehrung, wo der Uebergang auf Elternverehrung gemacht wird; IV. überTora