Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 30 (23.7.1847)
- Date
- 1847-07-23
- Page
- Spalte 473-474 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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473 12) D^nDäiN'n VN'S, zu Anfänge lesen wir die Worte:. Nini rl'rfti iod 'i cmn p rspjr 'n DDnn lp’nyn .. — □’p’rn 'üb pbm 13) DD in .ran 1DD. Ucber dieses Werk haben mir bereits früher in diesen Blättern eine kleine Notiz gegeben. (Vcrgl. über daö Buch niTiD.n "i)D Note 3.) Literarische Miscellen. I. Die hebräischen Grabsteine ans Wiener-Neustadt.' Die Geschichte des jüdischen Volkes ist, abgesehen von der Bedeutung, die sie in der Weltgeschichte einnimmt, so schen Fatum, welches nur ein Zusammentreffen der Umstände war, wobei der Mensch nichts thun konnte. Borgt, übrigens die Einleitung zu unserer rabbinischen Blumenlese S. 27 ff. Wir fügen hier (besonders zu Seite 30, wo die talmudische Stelle rnNDn^ NDni? fntfin ruriJttf betrachtet ist) folgendes hinzu. Im christlichen Mittelalter ward ebenfalls der Gebra u ch übernatürlicher Hilfsmittel als ein Eingriff in das Gebiet des Göttlichen betrachtet, und man heilte lieber durch Reliquien (Vergl. Sold au Geschichte der Hexenprozeffe 1843, S. 78'. In gewisser Beziehung war diese Ansicht — mit Ausnahme des Gebrauchs der Reliquien — im vorigen Jahrhunderte noch nicht verschwunden. So, zt B. lesen wir (Räumers: historisches Taschenbuch 1838 556) daß ein Professor der Medicin bei Kant die Anfrage stellte: ob'das Impfen sittlich sei? welche Anfrage nur dann einen Sinn enthält, wenn, man annimmt, daß der Fragende in Zweifel befangen war, ob düs Impfen nicht als Eingriff in das Recht der göttlichen Vorsehung sei. Uebrr das Jnoculiren der Blattern hat das Pariser Parlament im Jahre 1763 bei der Sorbonne eine Anfrage gemacht, ob dieses erlaubt sei, , zur großen Aergerniß der damaligen Philosophen. (Oeuvres pstUosopknques, historiques et literairs de D'Alembert. Paris, 1805. Bd. XV. S. 256). Als in Holland im vorigen Jahrhundert bei Gelegenheit einer Rinderpest Camper Versuche anftellte, dieselbe zu heilen, predigten die Geistlichen gegen denselben, als einen, der den Strafgerichten Gottes zu widerstreben trachtet. (Sömmerings Leben von Rudolph Wagner kl' S. 26.) Aus dem Allen gehet genugsam hervor, daß der Fatalismus auch im Christenthume feste Wurzel gefaßt hatte, so gut wie im Mu h.am m ed an is m u s, welches nicht nur für die Geschichte des Christenthums speciell wichtig ist, sondern auch für die gesammte Geschichte der Menschheit. i’) Diese Ms cell e ist dem ^Wiener Boten", der eine Beilage zu den Sonntagsblättern des Dr. L. A. Frankl ift, entnommen'. Die Sonntagsblatter, durch Gediegenheit und Mannigfaltigkeit ausgezeichnet, bringen oft auch Mittheilungen, welche Freunde des jüdischen Geisteslebens interessiren und indem wir zuweilen einiges ausziehen, machen wir die Leser des Orient auf jenes vortreffliche Blatt aufmerksam. - - Red. - 474 umfangreich, und in den Knäuel der allgemeinen Wrlthistorie verwebt und verflochten, daß es sehr schwer fällt, den Faden derselben klar durch eine Reihe von Jahrhunderten aufzuwinden und abzuwickeln. Hierzu kommt noch, daß Verfolgung vergangener Jahrhunderte die wenigen Denkmäler der Geschichte zerstört, so daß denn Forscher nur wenige Anhalts-' punkte übrig geblieben, die ihm einen richtigen Blick in die Vergangenheit seiner Väter gestatten, damit er sich ein Urtheil über ihr Streben und Handeln bilden könnte. Wir empfinden daher ein eigenes erhebendes Gefühl, wenn wir von einem Momente berichten können, das, aus alten Zeiten stammend, uns bisher verborgen war, und nur durch Zufall oder Nachforschung uns enthüllt - wurde. In einer solchen angenehmen Lage befinden wir uns heute. .Es ist wohl bekannt/ daß vor vielen Jahrhunderten im Herzogthume Oesterreich mehre Judengemeinden bestanden hatten, ohne daß aber genauere Nachricht von ihnen uns aufbewahrc worden wäre. Eine der hervorragendsten dieser - Gemeinden war Wiener Neustadt, die in der jüdischen Literatur sehr oft als eine große Gemeinde, die viele Gelehrte zählt, erwähnt wird, und längst verschwunden,, haben sich, bis heute interessante Spuren ihres einstmaligen Bestandes erhalten — Grabsteine des gewesenen Friedhofes. Wenn auch die Menschen sich im Le-, ben verfolgten, so haben sie sich doch-im Tode vergeben, und diesem höheren Gefühle, welches in eines .jeden Mensch Herz, thront, haben wir es zu verdanken, daß, wenigstens den Gra-, besstatten der Juden Ruhe gegönnt würde in Zelten, der fa-. natischen Verfolgungen, und so geben uns dieselbeneinige Winken aus der traurigen Vergangenheit. In W.-Neustadt lebt ein junger Mann, Hr. Senneleder, begabt mitejnem' grübelnden Verstände;• und einem Hange nach Alterthumsforschung, der lange den Sinn mehrer Inschriften nicht heraus-, bringen konnte, weit er nicht einmal dm Charakter der Schrift kannte. Als er aber, entdeckte,, daß die Zeichen auf den Steineu, die wohl nicht mehr auf einem Gottesacker, sondern zerstreut umherlagen, hebräische sind, studirte er so lange diese schwierige .Sprache, bis es ihm gelungen war, die Buch--' staben in gehöriger Ordnung zu kopiren, und mit dieser Ko-- pie wendete er sich an den Prediger der hiesigen Israeliten, an den ehrwürdigen Herrn I. N. Mannheimer, indem er ihn auf das hohe Alter dieser Grcrbschriften aufmerksam machte, und ihm zugleich die Versicherung gab, daß die Steine durch einen Ankauf von dem gänzlichen Untergange noch zu retten seien. . Als Hr. Mannheimer sich an Ort und Stelle von der Richtigkeit dieser Angabe überzeugte, bestimmte er den hiesigen jüdischen Leiche nverein, diese Denkmäler aus uralter Zeit anzukaufen, worauf sie am 19. v. M. nach Wien gebracht, und ihnen ein Platz auf dem hiesigen alten Freithofe* •) Eine mit Urkunden versehene Schilderung desselben ist so eben bei Mörschner und Bianchi, Spenglergaffe Nr. 423, vom Redakteur der Sonntagsblätter erschienen, unter dem Titel: „Der alte Juden freithos in Wien". Ein Beitrag zur Ge- Studien. Literarische Miscellen. ■