Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1847)
- Date
- 1847-07-23
- Page
- Seite 238 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360503--6006-3533338- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
238 m Hoffnungen heraufgeführt hat, so werden mit uns hundert Tausende freie Brüder unseres Glaubens in Ihnen den Mitgründer dieses glorreichen Tempels begrüßen und verehren." Am 30. Juni 1847. Die Repräsentanten de-r Gemeinde. (Folgen die Unterschriften.) Auf die Anrede des Rabb. erwiedccte derLandrath: „Meine Herren! Sie beschämen mich durch den Dank, welchen Sie mir, eigentlich unverdient — dafür zollen, daß ich meine Pflicht als Vertreter der Rechte des Landes tutb des Volkes erfüllt habe. Dessenungeachtet nehme ich Ihre freundlichen Worte nicht sowohl in meinem als im Namen meiner Mcimmgsgenossen, welche Ihre Sache mit mehr Talent, als ich dies vermochte, vertheidigt haben, gerne entgegen und danke Ihnen unsererseits aus vollem Herzen, dafür. Wenn ich sagte, daß ich es für meine Pflicht erachte, die Rechte des.Mnßischen Volkes zu vertreten, so folgt hieraus mein Beruf, mich auch I hrer Sache kräftig anzunehmen y fociuut Sie gehören zum Volke, Sie sind Preußen, sind Deutsche so gut als ich und als jener- Minister der Krone, welcher Ihnen die Nationalität absprach und dagegen. Zion als Ihr Vaterland anwies. Mein Wahlspruch ist: „Gleiche Pflichten, gleiche Rechte". Sie tragen erstere gleich den Christen, so mögen Ihnen auch Letztere im vollen Umfange werden. In diesem Sinne habe ich auf dem Landtage gesprochen und gestimmt, und meine Herren, lassen Sie es mich ausdrücklich wiederhole ich schon von der Nedne.rbühne sagte: „ich betrachte dies nicht etwa, als eine Concession oder „eine Aeußerung der Toleranz, sondern lediglich als „einen Akt der Gerechtigkeit, welcher Ihnen nur schon „zu lange verweigert ist" — Sollten meine Ansichten in dieser Beziehung auch noch nicht sogleich volle Anerkennung Seitens ver Staatöregierung finden, so lassen Sie uns doch hoffen, daß dies bald geschehen werde, und uns erinnern, daß Rom auch nicht in einem Tage gebaut worden ist. Meine lebhaften Wünsche und Dienste werden Ihrer gerechten Sache stets gewidmet sein." Dieselben Deputaten überreichten Tags darauf dem Landtagsabgeordneten Regierungs-Assessor Ritter eine gleiche Adresse, die eben so freundlich entgegen genommen und beantwortet worden ist. Doch diese Antwort kann ich Ihnen nicht genau mittheilen. Sie war um so erfreulicher, als wir durch sie erfuhren , daß der Antrag um Emaneipation i^l. Sinne unseres Magistrats gestellt worden ist. An den Grafen v. Schwerin und den Hrn. p. Becherath ftnb gleichfalls Adressen abgegangen. — Jedoch um eS Ihnen begreiflich zu machen, wie so. ich Ihnen wörtlich die Antwort des Hrrr. v. Pustkammer mittheitert konnte, sende ich Ihnen auch Abschrift eines Briefes: „Ar die Herren Repräsentanten der isr. Gemeinde hier. Ich habe meine Antwort auf die heute Vormittag Ihrerseits an mich gerichteten freundlichen Worte auö dem Gedächiniß niedergeschrieben und beehre mich, Ihnen dieselbe für den Fall umstehend mitzntheilen, daß Sie den Wunsch haben sollten, solche der löblichen Gemeinde zu kommuniciren , indem ich mich Ihnen hochachtungsvoll und ergebenst empfehle". gez. Landrath v. Puttkammer. Stettin, den 3. Juli 1847. M. Posen, 6. Juli. Nicht mit Unrecht hat neulich ein deutscher Publicist unser Jahrhundert „das Jahrhundert der Adressen" genannt. Jedes Ereigniß, jedes Unternehmen, es sei an sich noch so gering , noch so unbedeutend, ruft in unserer Zeit eine Menge vm Anerkennungs- und Dankschreiben hervor, so. man m diejenigen absendet, welche sich bei dem Geschehenen oder Unternommenen durch Beredsamkeit oder auf eine andere Weise vor den übrigen Betheitigteu ausgezeichnet habe». Jene Menge von Schreiben wird aber zur Legion, zur Fluth, wenn das Ereigniß oder das Unternehmen dm Stempel der „Wichtigkeit" und des „allgemeinen Interesses" zu tragen sicherstellt. Dann grüssirt eine wahre „Adreß-Manie" unter dem Volke, und es ist merkwürdig, daß von dieser „modernen Krankheit" selbst die sonst noch so ruhigen Gemnstcr nicht verschont bleiben. Wir brauchen nur auf die Ereignisse der letztverflossenen Jahre zu verweisen, wir brm;- chcn nur Namen, wie Rouge, v. Jtzsteiu, Sir Robert Peel, Frankel, Montefiore re. zu erinnern, und man wird nns hinlänglichverstehen und unsere vorstehendeil Aolrßeruugen vollkornmen gerechtfertigt finden. Doch wenden wir uns jetzt zu einem näher gelegtnen und uns näher angehenden Ereignisse, ich meine den unlängst abgelaufenen „Ersten Vereinigten Landtag von Preußen". Es war vorauszusehen, daß dieses wichtige, in der That welthistorische Ereigniß eine Legion von Adressen u. dgl. nach sich ziehen werde, und tt'üd es daher Niemanden anffallen, wenn man vernimmt, daß jetzt, nach der Heimkehr der Stände, diese oder jene Stadt, dieser oder jener Verein an diesen oder jenen Deplltstten ein Schreiben (Adresse) abgesendet, worin dessen wackeres Streben anerkannt und ihm für seine nachdrückliche. Verwendung dieser oder jener Angelegenheit Beifall, Lob und Dank gezollt wird. Wenn nun die Juden bei minder wichtigen Ereignissen, ja selbst &cl solchen, die sie nicht im Entferntesten angingen, niemes hinter der eiligen Schaar der Adressanten zurückgebliebm^ wie sollten, wie dursten sie es hier, wo es sich nur ruu solche. Angelegenheiten, handelte, bei denen, sie entweder