Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1847)
- Date
- 1847-07-23
- Page
- Seite 237 (sequence 9)
- Language
- German
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237 uufcrc Beobachtungen über die Haltung, der „Kaeeta de Madrid“ in Betreff der Juden mitgetheilt. Natürlich war voraltSzusehen, daß sie wieder einmal, durch die Ver-- baudlungen des preußischen Landtags veranlaßt, auf die Inden werde zu sprechen kommen. Und in der That, das in Madrid erscheinende Blatt äußert "°die bemerkenswerthm Worte, daß die Diskussionen des preußischen Landtags nicht den Hoffnungen entsprochen haben, welche man durch die vochergegangenen Abstimmungen zu fassen berechtigt war (con cuya discusion no se lian realizado lodas las esperanzas que: liabian eclio concebir las yotaciones precedentes de la asamblea). WärerrMadrid und seine Hofzeituug judensrcundlicher als Berlin und die Preußische Allgemeine? I. Stettin, tm Juli. Die Furcht, daß die weit um sich greifende Gleichgiltigkeit gegen religiöse Institutionen in dem Israeliten der Neuzeit auch die alten Tugenden des Inden, besonders die der Wohlthätigkeit erdrücken wurde, ist gottlob! bis jetzt noch unbegründet. Noch ist es wahr: rO) D^Dm 03. Das Naturell bleibt von allen Wirren unangefochten und behauptet beharrlich sein angestammtes Recht. Diese Betrachtung drängte sich mir.als freundlicher Schutzgeist bei den jüngsten Erlebnissen auf. — Sic Noch an den nöthigsteu Lebensmitteln hatte auch in unserem Stapelplatze. einen bedrohlichen Charakter angenommen. Es gilt hierorts um so mehr das 'pv^p) ^pnrn 3^ p .JTiU als der Arme bei dein Anblick der fruchtbeladenen Schiffe, die ihren reichen Inhalt nur löschen, um ihn auf der Eisenbahn weiter fliegen zu lassen — wahre Tantalusqualen leideil nluß. —> Ein achtbares Mitglied unserer Gemeinde Hr. H. Moses hatte lauge vor dem Ausbruche der Unruhen zur Verhütung derselben ein großartiges Projekt denr Magistrate, wie der Kaufmannschaft, an dem. er mit großen Geldopfem sich betheiligen wollte, augetragen. Als aber unter ewigen Bedenklichkeiten kein Entschluß reifen wollte, hat H. M. aus eignen Mitteln eine ganze Schiffsladung, von 54 und 65 Mispeln Kartoffeln gekauft und den Armen für den Preis von l.| Tgr. poo Metze verabreicht, zur Zeit, wo sie auf denr Markte 4 Sgr. kosteten. Hr. Bankier W i e se n t h a l, ebenfalls eill Mitglied hiesiger Gemeinde, trat mit einem Beitrag von llu'hrereu 100 Thaleru bei, und auch die christliche Kaufmannschaft nahm bald darauf regen Anlhril an dem großartigen Unternehmen und so hat H. Mojes das Verdienst einen Verein ins Leben gerufen , zll haben, der über mehrere 1000 Thlr. disponirt und M Zwecke hat, die Armen bis zur Erndte mit KarlWln und Erbsen zu sehr billigen Preisen zu versorgen. /OO Scheffel sind zur Aussaat verschenkt worden. Neh- 11101 Sie hinzu, daß an dieser Wohlchat kein einzs- ,3er In de Anspruch macht; so werden Sie mit nur *cm H. M. für den wahrhaften 'n ttrnp dankbar sein. Aber 22b anbi, imb so hat unser Obervorst.her, H. Le'vy, dessen beispiellose' Thätigkeit zum Wohl der Gemeinde Jhnell bekannt ist, auch für Brod gesorgt. Seinen unausgesetzten Bemühungen ist es gelungen, einen großen Theil der Mitglieder hiesiger Gemeinde zu alißerordelltlichen Beiträgen behufs der Beschaffung billigen Brodes bis zur Erndte zu vermögen. Er hat eine Summe gewonnen, die ausreicht, allwöchentlich 500 Brode für die Hälfte deö Marktpreises an eben so viele Arme zu vertheilen. Auch hier sind die Empfänger nur Christen, die Spender aber nur Juden. Es gewährt einen erhebenden Anblick, wenn die Armen am Sonntag Morgen sich in Massen vor der Synagoge versammeln, um das kräftige Brod entgegen zu nehmen. Bei dein großen Andrang der Petenten, hat der Magistrat 500 Familien, als der Unterstützung würdig, dem Vereine vorgeschlagen. Beider Vertheilung selbst, die von zwei israelitischen Deputaten geleitet wird, assistirt ein Polizist und . es herrscht die. größte Ordnung, die unter der Aegide des Hrn. Lewy überhaupt in alle Verhältnisse der Gemeinde gedrungen. ■ ist und sich behauptet. Diese Bestrebungen sind nur so mehr lobenswerth, als die Gemeinde von Reisenden in einem sehr starken Maße in Anspruch genommen, klein an Familienanzahl, durchaus nicht reich , nur gottlob frei von einheimischen Bettlern ist. Es war daher bei diesem herrschenden Geiste zu erwarten, daß unsere Landtagsdeputirten unserer Sache kräftig das Wort reden würden. Sie haben es gethan. Und wenn die Resultate auch weit hinter unseren, Erwarturigen Zurückbleiben, so haben die Deputaten doch den gegründetsten Ansprrrch auf unsere Dankbarkeit, und die Gemeinde beschloß, sie anszusprechm, zu dem Ende verfügte sich am Sonnabend eine Deputation bestehend aus dem Rabbiner Dr. Mei sel, Obervorsteher Levy, Sekretär L i \ f c r und Kassirer R 0 se rr h e i m der Gemeinde zu dem Deputaten, Landrath v. Puttkammer. Der Rabbiner hielt eine kurze Rede und überreichte in einem geschmackvollen Couvert eine Adresse, welche also lautet: ,,Die hochherzige Theilnahme , welche Sie vor den Schranken der Volksvertretung ans der Tiefe Ihres RechtsgefnhlS der politischen und bürgerlichen Freiheit unserer Glanbensbrüdcr gezollt, hat uns in dem Muthe, eine schönere, bessere Zukunft zu erstreben, gekräftigt und erstarkt. Gewiß wird und muß sie dem Schooße der Zeit entkeimen! ihr lebendiges Recht,., getragen dnrch die gediegene Kraft derer, die es zu vertreten berufen sind, erhebt sie hoch über alle Kämpfe der Engherzigkeit hinaus zu historischer Ueberzeugung! Neben. diesem unerschütterlichen Bewußtsein in uns serer Brrist hat ein tiefes, begeistertes Gefühl der Dankbarkeit Raum gewonnen, daß wir Ihrem edlen uneigennützigen Streben für unsere Rechte entgegentragen; und wenn dereinst die Geschichte dm Tag nnse-