Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1847)
- Date
- 1847-07-23
- Page
- Seite 235 (sequence 5)
- Language
- German
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— 235 — m beit Preuß. Schatzminister eine Dankadresse ergehen zu lassen, weil derselbe vor 600 Männern gesagt, Z i o n sei d as Vaterland der Indens — Endlich noch dieses: Reisende ans Sildholstein erzählen, daß der ,,Wächter" mit der Idee schwanger gehe, den Gebrauch des jüd. Kalenders hinsichtlich unserer Neumonde und Feste zu verbieten und dafür wieder das Institut der &nrn nny ei nzu setzen. — Und Nim genug'vom,/Wächter". — Wenden wir uns jetzt, nach einer andern Gegend — wenn Sie wollen nach Bäiern. Wie man allgemein Hort, soll den baierischen Rabbinen der Besuch Deutscher Rabbinersynoden wieder gestattet worden sein. Wie? Ob nicht etwa das bair. Rabbinerthum diese gnädige Crlanbniß derselben Person zu verdanken hätte, welcher neulich von der gcsammten deutschen, engl, und ftanz. Journalistik der Sturz des Abel'schen Ministeriums zilgeschrieben wurde? Möglich. Wir erinnern uns, auch vielfach gelesen und gehört zu haben, daß L. M. vielseitig für eine Jüdin gehalten werde. Wüßte das der Umvers israelite, so würde er von Lola's Aufenthalt in München für die Juden Baierus eben soviel Heil erwarten, als von der Heirath des Herzogs von Mentperrsier für die Juden in Spanien und von der des Sohnes der Herzogin von Berry für die Juden im Herzogthum Modena. —- Doch lassen Sie uns wieder auf die baierischen Rabbiner zurückkommen.. Dieses Jahr werden dieselben wohl von ihrem erhaltenen Konsense keinen Gebrauch machen können; denn wenn die A-Z. in ihren leitenden Artikeln von der in Mannheim stattzufindenden ,,Vierten Rabbitler'-Versammlung" bis jetzt noch Nichts, erwähnt, so läßt, sich wohl mit Gewißheit voraussehen,, daß indiesem So nun er Nichts daraus werden wird.*— Woran nur das liegen mag? Wie wenig Sympathie wir auch für die R,-V. haben, so mochten wir doch ihr Unterbleiben nicht wünschen. Diesen Triumph möchten wir dem ZW. nicht gönnen. Der würde dann zu übemmthig werden. — Und von der ,,Theologen-Versammlung" hört man auch Nichts mehr — und im Nctzdistrikt ist auch- Alles ruhig.3 4 5 — Wer. loset.alle diese Näthscl? — Sollten etwa die „schlechten Zeiten" daran schuld sein, daß kein Mensch -mehr an Versamltllungen w. denken mag? O, WachterZions, 3) Vergl. unfern vorigen Artikel. 4) Schade um die armen Rabbinerlein! Sie mögen sich auf die Zusammenkunft an den lieblichen Ufern des Neckars nicht wenig gefreut haben. Wenn man sich in Breslau so trefflich amüsirt hatte, was mußce man erst von einem Orte erwarten, der in einer'Gegend gelegen, welche unstreitig zic den schönsten in ganz Deutschland gehört! Wenn die RL. diesmal wirklich nicht zu Stande kommt, so wird Herr Io low icz schönen Stoff zu einem Trauergedicht haben. — 5) Man erinnere sich, was im vorigen Jahre in diesen Blättern (Nr. 41) über die Rabbinerjener Gegendmnd besonders über den von Schn^-l referirt wurde. gieb uns Aufschluß^ Denn gemäß Deiner Funktion mußt Du doch auch wissen, was im Dunkeln vorgeht — mußt Du doch mehr wissen, als wir Alle.—- W. Posen, 7. Juli. Die hiesige israelitische K o r p o r a t i vn hak an unsern Landtagsdeputirten, Oberbürgermeister Naumann, nach seiner vorgestern erfolgten Rückkehr aus Berlin nachstehende Adresse gerichtet: ,,Hochwohlgeborener Herr, hochzuverehrender Herr Oberbürgermeister und geheimer Regierungsrath! Die ersten Provinstallandtage des Jahres 1825 mit ihrer gegen die Inden so feindseligm Abstimmung sind den Unterzeichneten arten noch in trüber Erinnerung geblieben. Es ist fast ein Menschenalter darüber hingegangen; von christlicher und jüdischer Seite haben inzwischen die Verhältnisse, die Stimmungen, die -Ansichten sich mannigfach verschoben und zum Bessern gestaltet. Geringnur ist ans beiden Seiten die Zahl Derer?, die ihr Ohr den drängenden Mahnmlgen der Geschichte hartnäckig verschlossen hielten und die bildende Macht dieser zweiundzwanzig Jahre spurlos au sich vorübcrgehen ließen. Der erste Vereinigte Landtag Preußens hat den: Fortschreiten der Inden eine glanzende Anerkennung gewährt; Freimuts), Intelligenz und Bcredtsamkeit haben einen Bund gestiftet, dem gegenüber die noch befangene Auffassung der Andersgesinnten auf die Dauer nicht wird Stand zu halten vermögen. Empfangen Sie nun, geehrtesterHerr, den hochachtungsvollen Dank der Unterzeichneten , daß Sie dem Geiste der Zeit', wie überall, so anch in der Judenfrage, kräftig und entschieden das Wort geredet, daß Sie für die lange gekrankten Rechte der Inden, insbesondere der Inden unserer Provinz, anch heute wie vor zwei Jahren mit einer aus Ueberzengung quellenden Wärme und Klarheit in die Schranken getreten. Vertrauungsvott blicken wir auf Ew. Hochwohlgeboren, daß es Ihnen fernerhin gefallen möge, von Ihrer einflußreichen Stellung aus an der Scheidewand zu rütteln, welche in hiesiger Stadt den Christen und Inden noch auscinanderhält; daß eS Ihnen gelingen möge, durch eine soeiale Annäherung aller städtischen Elemente auch die rechtliche Gleichstellung der Inden im Staate für künftige Tage auf einem desto festem und breitem Unterbau mit zu begründen. Genehmigen Sie nebst diesem Wunsche die nochmalige Versicherung unserer ausgezeichneten Hochachtung, mit der wir verharren als Ew. Hochwehl-' geboren ganz ergebene" (Unterschriften). Eine zweite charakteristische.Adresse haben die hiesigen Juden an den Petitionssteller, RegiernngSrath Schumann (Sznman, wie er sich polnijcherwei^eqelbst schreibt), gerichtet: „Hochwohtgeborener Herr, hochzuverehrender Herr 6) Wenigstens mittelst einer Nötein deinem kabbalistisch-- mysteriösen Briefkasten. 30*