Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1847-07-09 · Heft 28 (9.7.1847) · p. Seite 223

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 28 (9.7.1847)
Date
1847-07-09
Page
Seite 223 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360472-2360501--5989-3533321
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

223 - Mes für ihn, Elias /den Rambam, zubereiten. Inzwischen erfuhr der Stadtrichter von diesem Menschen, ließ ihn ein ziehen als, einen verdächtigen Menschen und genau durchsuchen.. Man fand aber Nichts bei ihm außer einem Kreuzer. Auf das Befragen, vb er Geld habe, antwortete er, er habe es dem B. gegeben. Als dieser das horte, lief er nach Hause, öffnete trotz dem Verwehren der Frau, die der Betrüger beschworen hatte, den Kasten mit Gewalt und fand den Topf voll Sand, nur obenauf waren einige Zwanziger, etwas Kupfergeld, auch Schriften, Amulete und anders narrische Zeug. Jetzt forderte der B. die ihm gegebenen 10 fl. CM. zurück. Auf seine Antwort, daß er kern Geld habe, wurden seine Kleider so durchsucht, daß fast keine Nath ganz blieb f allein man fand Nichts. So blieb er beim Richter. Samstag darauf fiel er in eine schwere Epilepsie , verwundete sich derart, daß daS ganze Gesicht voll Blut war, betrug sich überhaupt wie ein wirklich Wahnsinniger und wurde auf Befehl des Richters in die Bettler-Herberge, gebracht. — Als er nachher auf dem Wege nach Voronof wegging und der B. erfuhr, daß er die IO fl. habe, ging er ihm nach bis Szol rmd dort fanden er und der Lehrer ans Sekles denselben in einem Wirthshause, wo er dem B. 19 Zwanziger zurückgab *)^V,,Außer diesem erzählte B. noch viele andere thorichte und wahnsinnige Dinge, die man nicht alle nacherzählen und zu Papier bringen kann**)-von diesem Manne. Auch hörten wir von mehren andern Orten Dinge von diesem Betrüger, daß das Ohr ob des Zuhörens beleidiget wird. Mit einem Worte dieser Mensch ist ein schlechtes, niederträchtiges Subjekt, ein Schwelger und Trunkenbold , der die Leute hintergeht und betrügt. , Was wir auf gerichtlichem Wege von benanntem B. vernommen, bestätigen wir hiermit. Homenau, am 30. Jan. 1845. Folgen die Unterschriften^. Vor ein Paar Tagen fand man hier in einer jüd. Kehila in einem jüd. Brunnen ein Christenknäblein. Ohne alle weitere Umstände wurde das Kind begraben, ohne daß es einem einzigen Christen auch nur im Entferntesten an das verruchte Mahrchen, da§ in der neuern Zeit dem Eisenmenger so viel Ehre (?) brachte, zu denken eingefallen wäre. Welche mittelalterlichen Tage würden die Inden bei einem solchen Funde in dem deutschen aufgek l är t e n B a i e nt nicht erlebt haben. Wie würde Hr. Ghilany seine immense Gelehrsamkeit nicht aufgeboten und seine hebräische Sprachkenntniß nach allen Seiten hin nicht ausgebeutet" haben, um zu beweisen, daß, insondcrs da es vor Ostern ist, die Juden Blut brauchen! — Aber die dummen, höchst unwissenden, sonst durch und durch abergläubischen Bauern in Oberungam wissen nicht einmal von dieser alten Fabel. — ') Man denke, um dem Treiben ein Ende zu machen mußte es dem chri stl ich e n Ortsrichter,-der in derAnschau-; , ungsweise seiner religiösen Auswüchse vielleicht auch nicht! 8u hellfehend sein möchte, einfallen, daß dieses ein Betrüger Win könne. Es ist sehr wahrscheilich, daß der jüd^ Vorstand ) früher, davon Kenntnis; hatte. Es können nur zwei Ursachen, f warum er nicht gewehrt, angegeben werden. Entweder war £ ec selbst von dem Irrwahn, es könne ein Heiliger sein, also § Hand an ihn zu letzen gefährlich wäre, befangen, oder liegt der Grund in einer Art don Schadenfreude, zu sehen, wie ein Mensch um sein Geld geprellt wird. Auf beide könnte man j ugurltch anwenden: mri TOI HD. i **) Ist man aber überzeugt, daß der B. von seiner mehre Male im verschlossenen Zimmer vom-Betrüger beschworenen f Frau A lles erfuhr? Wo bleibt Hin”? Aus Mähren, im Juni. Ein Wort, an meine Kollegen von A b r a h a m S ch m i e d l')- Euch,Ihr jungen Gelehrten, die Ihr Euch geweihet dem heiligen Diensteder Synagoge, Euch rede ich an. Ihr einstigen Rabblnen und Lehrer meines Volkes, Euch gilt dieses mein Wort! — Eine schönere und frohere Zeit, als es die jetzige ist, wartet Euereiner'freundlichen und friedlichen Zukunft gehet Ihr entgegen. Denn, was die Gegenwart betrifft, gibt es unter den Lehrern Israels, Männer, noch aus der alten Zeit herübergekommeri, also auch die Grundsätze und Ansichten der alten Zeit vertretend; — und wieder Männer o^nn UO. 3np.E, Männer der Neuzeit, und Gedanken und Ansichten der Neuzeit repräsentirend. Natürlich also Kontrast und Konflikt unter diesen Lehrern, und Widerspruch und Kampf unter ihren Lehren. Und der Kampf hat Pcwteiwuth hervorgerufen, und die Partheiwuch Parteigänger, Eiferer, Ultras, die Alles auf die Spitze treiben, in Extreme sich verschlagen; folglich Schismen und Spaltungen, Zerrüttung und Zerwürfnisse in den heiligsten Angelegenheiten erzeugen. Da ist Hyperorthodoxie auf der einen, und Neologenwuth aus der andern Seite. Hier starres, unbiegsames Kleben an dem Alten; dort leichtsinniges Ein - und Niederreißen alles Bestehenden und Gewesenen. Diese, in streng gläubiger Ansicht, wollen nicht eine Faser von dem Körper des Ueberkommenen lösen; von Jenen wird er „aufs Grausamste ins Prokrustesbett eingeengt, und die überzähligen Glieder ihm, als Palästina mngehörend, abgehauen. " Die Einen rufen: ptt t£Wn rinn WTi, dt i ch t s seinen unter d e r S o n n e! Den Anderen gilt als Devise und Losungswort: dn D4 riDDH |pTn, was nur alt u..nd verjährt ist, fort und weg darnitl — Und die Stimme der Ruhigen, Besonnenen, Gemäßigten — sie verhallet in dem Toben und Treiben der schroffen Gegensätze. Doch es kommt die Zeit, da stehen am geistlichen Ruder in Israel lauter Männer, die einerlei Studien gemacht, nach gleichen Systemen ihre Bildung genossen, in einem und demselben Geist der Zeit auf- und großgewachsem Dann hat der Kampf ein Ende, da die Gegner fehlen; dann tobt die Neuerung s w u t h nicht mehr, da die Verkämpser des Alten nicht mehr aufreizend gegenüber und entgegenstehen, und es geht mit einem Extreme auch das andere unter. Da kommet denn die schöne Zeit des Friedens, der Beschwichtigung der Gegensätze, und Aussöhnung der Ansichten; und Ein Herz und Ein Geist ist dann ganz Israel wieder, und die Synagoge, die ehrwürdige Mutter, zählt dann wieder lauter gleichgestimmte, gleichgesinnte Kinder. — Und darum sage, ich Ihr, junge Kandidaten, geht einer friedlichen Zukunft entgegen. — *) Dieses Wort wurde vom Verk. bereits seits seit längerer Zeit niedergeschrieben, aber durch gewisse Hindernisse veranlaßt, wurde erst jetzt die Veröffentlichung möglich. Es erhielt, übrigens auch die Erlaubniß der k. L Censur. ü ' " Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.