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Der Orient · 1847-07-09 · Heft 28 (9.7.1847) · p. Seite 224

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 28 (9.7.1847)
Date
1847-07-09
Page
Seite 224 (sequence 15)
Language
German
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. Aber sehet, so schön und edel der Beruf, dem Ihr' Euch widmet , so - ehrwürdig' das Amt, - das Ihr eins: bekleiden sollt in Israel, so bedeutungsvoll der Einfluß, den -Ihr auf jein heiligstes Interesse üben werdet — dennoch wie klein die Geltung, deren Ihr Euch gegenwärtig zu erfreuen habt; dennoch/ in wie wenig gutem Klange stehet Euer Titel' „Ra bbinatskandidat". — Wahr ist es, das ganze Studentenwesen hat, viel von seiner frühem Geltung und Würde eingebüßt/ Es hat eine Zeit gegeben, wo man, wie Homer singt: / ’Iutqoq .y.ciQ dvrjq noXlcov uvtagios äll(ov — schon den Studeu ten der edlen Arzneikunde hoch hielt und schätzte und in allen Kreisen und Cirkeln ihn bevorzugte. — Dasselbe schöne Loos fiel dem Studenten der Iura, und nicht minder jedem Sohn und Jünger der Wissenschaft. Allein die Ueberhäufung der Literarum stucUosi aller Fächer und Brauchen hat die frühere hohe Verehrung vor derselben vermindert. — Indessen dem studirenden Theologen sollte es Anders ergehen. Zuvörderst schon des, heiligen Berufes, dem er sich gewidmet; sodann der vielen Plage und Mühe, der unsäglichen Anstrengung und des wahrhaft eisernen Fleißes wegen, deren er, wie kein Student anderer Fakultät, sich völlig hingeben und in die Arme werfen muß( Denn welche Fülle, von Kenntnissen, welche Massewon Wissen hat namentlich der jüd. Theolog eigen sich zu machen. Abgerechnet alle die übrigen, zur klassischen.Bildung gehörigen und erforderlichen' Gegenstände, wie sie in dem philosophischen Kursus Vorkommen, muß er die innigste Vertrautheit mit der heiligen Sprache und ihrem Genius besitzen; die Bibel mit ihren zahlreichen Kommentatoren muß sein „eigener Boden" sein; und das Riesenwerk des Talmud, wenn er es auch als Kandidat nicht zur Vollendung und Meisterschaft darin bringen kann, darf ihm doch keine terra incognita fein, unt> muß er doch eine tüchtige Bewandertheit in seinem unermesslichen Gebiete besitzen. Jetzt rechnen wir die jüdisch-arabischen Philosophen, die semitischen Sprachen und deren Literatur. Und dann, was wird Alles jetzt gefordert von. dem Rabbinen! Wie soll das Wort in der vollen Kraft und Majestät auf seiner Zunge leben; wie soll er Homiletik und Exegetik , m ihrer höchsten und edelsten Blüthe erfaßt haben; . welcher Klang und Name soll in der Literatur und Lesewelt ihm geworden sein; wie heldenhaft soll er auf die Feldern der Polemik und Politik heraus und in die Schranken treten, wo und wann sein Volk angegriffen und befeindet wird. — Auch sollte die Ungewißheit seiner künftigen Existenz, die bei ihm, wie es die Erfahrung lehret, unsicherer als bei., jedem andern Kandidaten ist, doch wenigstens einen Ersatz' in der freundlich achtungsvollen Begegnung finden, die ihm gegönnt werde. Leider aber ist es nicht so. Da giebt es Viele, die gegen einen„Rabbinatskandidaten" schon von vorhinein mit Antipathie erfüllt sind. Die legen mit ewigem Vorwurf ihm in den Mund, die Worte: nMNuy D'pDB? dV;. - Verlag von C. L. Fritzsche. II-) « — Als ob es gescheidter und klüger wäre, (wie es noch vor einem Decennium gewesen) mitten aus.dem Trödel und .Schacher heraus den Rabbinen aufzugreiftn und auf die Kanzel hinzustellen, riity TINO IDy Jpy'D Dip*)1? ~ und es nicht zweckmäßiger ist, daß der Jüngling mit dem Erwachen seines- Willens zu diesem edlem Berufe sich heranbildet, sich ihm weihet mit Herz und Gemüt!), mit Wort und Gedanken, und nach dem schönen und würdigen Ziele ringet mit der. vollen Wärme und Hingebung seiner jugendlichen Seele. —- (Beschluß folgt.) Perfonalchronik und Miseellen. Aus Mähren, 22. Juni. Vorläufig theile ich Ihnen die Nachricht mit, daß Hirsch's Installation am 30. Juni stattfinden wird. Die meisten .Gemeinden werden durch Deputirte vertreten sein, und die Herren Rabbiner zu Boskowitzund Eibenschütz nebst einem Kreiskommiffär werden den Landrabbiner installiren. — , * ■ * B e r l in, Ende Juni. Die Voss. Zeitung, die reich an allerlei Kuriositäten ist, bringt unter den Inseraten ein von einer jüdischen Dame an den Fürsten von Lynar gerichtetes, ungereimtes Gedicht, obgleich Ungereimtheit der Gedachte nicht gerade zu den Kuriositäten gehört. Das 11. Gebot lautet bekanntlich: ne sutor supra crepidarn, d. h. bleib bei deinem — Strickstrumpf, und schreibe statt ungereimter Oden — den Waschzettel. Türkei. Nach Berichten ans Damaskus vom lO.Ium im ,,0386l'vator6 ll'i io8tint>" hat sich ein Vorfall dort ereignet, der zur Erneuerung von fabelhaften Berichten, jenen über den bekannten Pater Thomas ähnlich, hätte Anlaß geben können. Ein türkisches Weib hatte nämlich einen israelitischen Kleidertrödter bei einem Handel beschimpft und, da er Genugtuung darüber bei der Obrigkeit suchen wollte, so wurde er vom Pöbel thätlich mißhandelt, dann der angeblichen Entführung eines Knaben beschuldigt und dem Gerichte überliefert. Alle Israeliten, die sich hierauf auf der Straße zeigten, wurden vom fanatischen Pöbel verunglimpft und mißhandelt. Dem thätigen Einschreiten des englischen Konsuls jener Stadt gelang es, der bedrängten jüdischen Gemeinde Schütz angedeihen und eine unparteiische Untersuchung des Vorfalls vornehmen zu lassen. Nachdem daraus hervorgegangen war, daß zwei Individuen falsche Zeugenschast gegen den jüdischen Händler abgelegt hatten, verurteilte der. Stadtgouvrrneur, Savfeti Pascha, den einen zur Galeere und ließ den andern in ein Soldatenkorps 'aufnehmen, während der Unschuldige augenblicklich auf freien Fuß gesetzt würde-. (W. Z.) V Druck von I. H. Nagel. .

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