Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 28 (9.7.1847)
- Date
- 1847-07-09
- Page
- Seite 220 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360472-2360501--5986-3533318- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 220 - schwierige Frage handelt, wie dieser Grundsatz innerhalb unserer gegebenen zünftigen Verhältnisse zur Ausführung zu bringen sein wird. ' (K. C.) Berlin, 24. Juni. Die Bcrathungen über den Gesetzentwurf, die Verhältnisse der Juden betreffend, sind jetzt beendigt. Man war anfangs zweifelhaft, ob die Negierung es bis zur Debatte kommen lassen werde, weil sie die Berathungen eben so sehr wie den Ausgang fürchtete. Auch war die Presse im allgemeinen sehr günstig für die Juden gestimmt, wenn wir den Berliner Korrespondenten Ihrer Nachbarin „die deutsche allgemeine Zeitung" auSnehmen. Glücklicherweise tischt dieser nntcr den Zeichen ** schreibende Haman in nuce (ohne mctfy ^dVn) . (V albernes und lügenhaftes Zeughaus, daß er auch bei den beschranktesten Dorfschulzen, die iw der Standekmnmer sitzen, keinen Eindruck zum Nachtheile der Juden machen konnte. Und wissen Sie, wer dieses D o p p e lg e st i r n ist? Ein aus vielen Redaktionöbmcaus. schon hmausgeworfener Publizist, ein zudringlich betriebsamer Skribter, der, nachdem er so vieles versucht und so vieles verloren hat, auf ein Berliner Winkelblatt rcducirt ist, das an an „Bürger-Zeitung" nennt, und dessen höchste Stütze vielleicht die ist, daß es ein paar Silberlinge Subvention von oben erhalt. Herr Hermes, so heißt der bekannte, aber nicht berühmte Ritter, ist vor einigen Jahren auf das Schmachvollste zur großen Thüre der preußischen amtlichen Presse, der damaligen „Staatszeitung" hinausgeworfen worden, aber das hindert ihn nicht, jetzt zu einem Winkelpfvrtchen wieder hineinziikriechen. Was schadet das, wenn man nur etwas verdienen kann — die Zeiten sind schlecht. — Viele hiesige Juden haben sich gegen den Gesetzentwurf theils mündlich bei einflußreichen Männern, theils schriftlich mit Energie ausgesprochen. So Stern', Veit,. Sachs, Rub o, Zunz, Lehmann u. a. In dem Zeitungen war auch die Polemik lebhaft, namentlich zwischen Dr. Jakobson und einem anonymen Gegner (mau sagt Sachs) und in der „Zeitungshalle" war ein längerer Aufsatz von F. Lt. (Lebrecht). Letzterer,, der, wie viele behaupten wollen, Verfasser Der witzigen Briefe aus Berlin in Ihrem Blatte ist*), wird vielleicht bald Berlin verlassen. Mit den Angelegenheiten der Reformgenosseu steht es gar nicht glänzend. Der Sonntagögottesdienst sollte schon mehrmals eingestellt werden, weil es an fehlte; allein Dr. Stern ^behauptete, daß hier um so entbehrlicher sein dürste , als es gar kein n^npnitf "Ol sei. H old heim soll mit wenig Freude hierher gehen; jedenfalls schiebt er den Antritt seines Amtes sichtbar hinaus. Die Schrift von Friedländer macht Wiel, von sich reden, obgleich ihr Verfasser wenig Rednergabe hatte. Nun noch eine sehr Herr Lebrecht ist nicht der Verfasser derselben, was ich hiermit bezeuge. Red. wichtige Neuigkeit. . T>er Ben-Serng nebst der Kritik des Do n a sch und der Entscheivmigen des Rabbenu- Tam werden hier jetzt herausgegeben und hoffentlich werde ich bald im Stande sein. Ihnen die erste Hälfte von 25 Bogen zuzusenden. Die Ausstattung des Buches soll wahrhaft prachtvoll sein und doch , ist der Verleger bis jetzt noch nicht bekannt. Auch rtit niD) “nnDD wird fleißig gearbeitet und ich glaube, daß derselbe vor dem Verlaufe von 2 Monaten wohl fertig fein würde, wem; Rapaport, Jost re. die Beiträge dazu nicht aufhalten möchten. . ‘ , ' Oester r et ch. EpeuieH, 18. Juni. In Nr. 21 Ihres beliebten Blattes wurde ein unerbittliches, strenges Gericht über die Gemeinde zu Eperies gehalten. Wir unseres Erachtens glauben, daß SchreiberJenes, in der Begeisterung für Glauben und Recht, etwas zil vorschnell in seinem Urtheite war; denn, würde er der Konfirmations-Feierlichkeit am zweiten' Tage deö verflossenen Wochenfcstes beigewohnt haben, er wäre nicht von dem Gesichtspunkte, als wäre die Gemeinde bereits so verschlechtert, daß sie feiner Besserung mehr fähig, auSgegangen, und sein Urtheil würde weit milder ausgefallm sein. Menschen die bei einer religiösen Handlung Thränen habe n, beiden e n kann das religiöse Gef ü h l nicht ganz abgestorben sein. Es war aber auch jene Feierlichkeit groß und^ imposant. Sie war hier die zweite,- unter — wie wir glauben —• der einzigen Gemeinde ün israelitischen Ungarn,-wo die Konfirmationförmlich eingeführt ist. Sieben Mä d ch e n, die einen zweijährigen gründlichen religiösen Unterricht genossen, stehen weiß gekleidet, wie die Engel rem und unschuldig, da und harren der Einführung in den Tempel Israels; sie stehen da, um die Weihe der Vereinkörperung in den Bund Gottes zu empfangen; sie stehen da, um das Band, das sie an die traurigen Schicksale ihres Volkes unauflöslich binden soll, um sich schlingen zu lassen. Es rufen keine Glocken vom hohen Thurme das Volkzur Andacht und betäuben das Ohr der Konfirmanden — aber aus dem heiligen Herzcus- Dome des Priesters, auf dessen Altar die reine Begeisterungsftamme lodert, - ertönt eine Sinai-Stumm, die die Seele entzückt und da§ Gemüth zu Gott erhebt! und weil aus dem Herzen kommend — gleich jenem leisen Flüstern bei der Eliashöhle/) mit Gott — tief in das Innere des Herzens dringet; es tritt den der Weihe Gewärtigen kein Hohepriester im goldnen Prachtomate entgegen — aber die heilige, hochwichtige Feier hat den Priester mit einer Strahlenkrone umgeben, die in deren Innerstes Lichtfunken entsendet —Funken der Wahrheit, des Glaubens und der Erleuchtung; es sprechen nicht 1) Vgl. 2 Kör,. 19,12—13.