Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1847)
- Date
- 1847-07-02
- Page
- Seite 214 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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214 zeigende Gewalt seiner Gründe wirkte so mächtig, daß dir hohe Negierung eine nachdrückliche -Verordnung, bezüglich jeder feindlichen Demonstration gegen Juden erließ, wodurch viel Unheil abgewendet-wurde. Zu den heilsamen Erfolgen seiner Bemühungen gehört unter andern auch, daß den Juden die Ausübung'der Apothekerkunst höchsten Orts verstattet ' würde./ So wirkte M., so verschaffte sich ein Ehrenmann Geltung, ein Mann, der um seine Subsistenz ringen mußte, der fortwährend mit Nahrungssorgeu zu kämpfen hatte. Aber er hatte ein reiches Herz für seine Mitmenschen, für jedes Leid, für daö Wehe insbesondere feiner Glaubensgenossen. Ungeachtet seiner beschränkten Stellung genoß er die allgemeinste Hochachtung und Liebe , bewarben sich Personen von Bildung und Wissen um seine Freundschaft, rmd es ist ein beseligendes Gefühl für den Menschenfreund, daß er Männer vom höchsten Rang und Klang und manche, die zu den Koryphäen des Vaterlandes gehören, zu seinen Freunden und Gönnern zählte. Mit vielen von ihnen unterhielt er einen lebhaften Briefwechsel. Den dadurch erlangten Einfluß benutzte er, bei seiner seltenen. Uneigennützigkeit und dein Edelmnth seines Charakters, keinesweges zu seinem Vertheil, sondern dazu, um seinen Glaubensgenossen nützlich zu ftüt, mn die gegen sie vorherrschenden Vornrtheile zu verscheuchen, um die hohem Stände für ihre Emancipation geneigt zu mache«. Die Emancipation war der Hoffnungöstern, das hohe vorgesteckte Ziel, dem alle seine Lelwrispulse entgegenschlugen. Wenige Tage vor seinem Tode, obschon krank und gebeugt von einem großen Familienllngtnck, verfaßte er noch ein Promemorinm an den-hohen Landtag, betreffend die Gleichstellung der Inden. Als er bereits auf dem Todteubette im Delirium lag, frug er in einem lichthellen Augenblick,, ob denn die Judencmgelegenheit noch nicht zur Berathnng gekommen sei. Ach! er durste wie Moses nur die Grenze des gelobten Landes sehen, das Ganze sollte er nicht erblicken! Seine anderweitigen Bemühungen um seine Glaubensgenossen, wozu auch zu rechnen, daß er es versuchte, in Obcrschleften Judenkotonien für Ackerbau zu gründen, desgleichen eine Centvalvertretung ins Leben zu rufen, welche Intentionen jedoch aus Mangel an Theilnahme und Unterstützung, insonderheit aber an lokalen Mißverstäudnissen .scheiterten, übergeht Ref. mit Schweigen und beschränkt sich daraus anzuführendaß M. ir^ seinem Wohnorte Pleß den ersten geregelten Gottesdienst (inObecschlesten) mit Chorgesang und deutscher Predigt, welche letztere' er selbst hielt, einführte — eine Maaßregel, welche von großem Erfolg für O bersch lest en war, da sie viele Nacheiferung in der Nähe und Ferne erweckte. Abraham Muhr war im April 1780 in Berlin von gottesfürchtigen Eltern geboren, kam im Jahre 1807 nach Schlesien. Er war von hoher imponirender Gestatt, herzgewinnendem Aeußern und einnehmenden Manieren. Seinem am 15. d. M. zu Pleß — wohin die Leiche von Breslan gebracht wurde — erfolgten Leichenbegängniß folgten Tausende von Menschen, ans allen Ständen, Klassen und Konfessionen, desgleichen der Magistrat — dessen sehr verdientes Mitglied der Verstorbene war — die Stadtverordneten-Versannnlung — deren Vorsteher er früher war —, viele Geistliche und Notable der Stadt und Umgegend; die Jndengemeinoe zu Breslau hatte einen ihrer Hm. Obervorsteher zu diesem Behufe abgeordnet, desgleichen schickten viele andere Gemeinden dazu ihre Deputationen. Dr. Geiger hielt am Grabe seines sinn- und geistverwandten Fmmdes eine tiefergreifcnde Leichenrede. .Sowie Dr. Geiger fanden sich auch viele Rabbinen der orthodoren Partei dabei ein. Theilten manche davon auch nicht die, freisinnigen Ansichten des Verstorbenen, so liebten und schätzten sie ihn nicht minder, wegen seines humanen, versöhnlichen, liebenswürdigen Charakters und talmudischeu Wissens. Friede seiner Asche! M. Ring. Schulm Moses. i. . - An der Weser. „Jude, künftig wirst Du's lassen Wiederum uns zu bemühn; Hast's gefühlt, daß wir nicht spaßen — Nun jetzt kannst du weiter ziehn. Aber lassest du dich sehen Wiederum hier in dem Land, Soll es kläglich dir ergehen, — Merk' es dir — von meiner Hand. Marsch nun fort". — Mit einem Streiche, Bon des Policisten Hand, Ans dem Hannovranerreiche Wird Schulm Moses sortgesandt. Und gehüllt in tiefes Schweigen Eiir der Schwergedrückte fort, Nach ihm Weib und Kinder schleichen, Jedem hemmt der Schmerz das Wort. Da, seht auf das Thal ihn schauen, Das sich längs der Weser zieht; Grüne Felder, bunte Auen, Sein erstauntes Auge sieht. Urid der Weser Strömung fließet Mitten durch, dies heitre Thalz Und ihr Wellenplätschern grüßet Flur und Wiesen allzumal. Die Familie steht versunken, Schaut die Gegend staunend an ' Und vor Schmerz, vor Freude trunken Ruft der gram gebeugte Mann r '