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Der Orient · 1847-07-02 · Heft 27 (2.7.1847) · p. Seite 213

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 27 (2.7.1847)
Date
1847-07-02
Page
Seite 213 (sequence 9)
Language
German
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213 gerechte als kluge Maßregel sei. Durch eine an den König eingereichte Bittschrift haben die Vorsteher der drei jüdischen Gemeinden in Stockholm, Gothenburg uud Rorrköping um vollkommene Gleichstellung der mosaischen Glaubensbekenner mit den andern schwedischen Unterthauen angesucht. Wahrscheinlich wird die Regierung diesem Gesuche willfahren, sofern es von ihr abhängt, und hat unterdessen, um alle in dieser Sache erforderliche Auskunft zu erhalten, einen Befehl an die schwedischen Generalkonsuln zu London, Paris, Amsterdam, Antwerpen, Hamburg, Berlin und Kopenhagen ergehen lassen mit dem Aufträge, vollständige Berichte über die Zustande der Juden in den respektiven Staaten, sowie über die ihnen daselbst zuertheilten Rechte abzustatten." (D. A. Z.) K&SKSSKffiKSKSSjjB g STekroIog'- B Sssssssssss&ssa Kvsel, im Juni. Die Judenheit Oberschlesienö mid gewissermaßen die des gesummten deutschen Vaterlandes hat einen harten, ja einen unersetzlichen Verlust zu betrauern. Den 11. d. M. starb, auf einer Geschäftsreise begriffen, in Breötau Herr Abraham Muhr aus Pleß. Israel verliert in ihm eine seiner schönsten Zierden, einen seiner unermüdetsten Vorkämpfer, einen der würdigsten Verteidiger seiner Rechte, auf den die Worte, anwendbar sind: miDl bi-rw1 ddi Schon in seiner frühen Jugend scheint er es sich, wie Moses, zur Aufgabe gestellt zu haben, seinen allezeit angefcindetcn und niedergedrückten Glaubensgenossen ein Schutz und Schirm zu sein. Diese Aufgabe löste er mit großer Ausdauer, mit mannigfachen Opfern, mit seltener Liebe und Treue, indem erRathgebcr, Verfechter und Beschützer nicht nur einzelner Individuen, sondern ganzer Kommunen und der Gcsammtheit sein Lebelang blieb. Wenn man die Resultate seiner Bemühungen mit der Beschränktheit seiner Stellung, mit den geringen Mitteln, die ihm zu Gebote standen, vergleicht, so 'hat er nicht minder Großes und.Ersprießliches für seine Nation geleistet, als Israel Jakobson bei seiner einflußreichen Stellung und seinem großen Vermögen. Das Mittel, dessen sich Muhr bediente, war weder Rang, noch Protektion, noch Geld, sondern einzig und allein die Kraft seines Geistes, die Macht in Wort und Schrift. Diese Waffe»: verstand er mit seltenem Geschick zu handhaben, er bediente sich ihrer nach innen und außen. Nach innen, um seine Glaubensgenossen mittelff Belehrung und Beispiel von den sie beengenden Schranken anhängenden Aberglaubens und starrer Vomrtheile zu befreien, und auf ihre moralische Erhebung und Veredlung kräftig'einzuwirken. Nach außen, bald um böswillige Insinuationen und Verdächtigungen der — Judenhaß nährenden — Presse zu bekämpfen; bald um manchen Behörden, welche-sich Uebergriffe, Unbill oder falsche Gesetzesdeutung gegen Juden erlaubten, in die Schranken des Rechts und der Billigkeit zu weisen.. Nicht minder, um manche Zeit- und Lebensfrage in Zeitschriften und Broschüren stets im Geiste des Fortschritts und der Humanität zu besprechen. Unter den letztem verdient als vorzüglich gelungen eine ,,Tischrede zum 3. August", als dem Geburtstage des hochscligeu Königs, hervorgehoben.zu werden, welche sich des allgemeinen Beifalls zu erfreuen hatte, und wofür der Verfasser von den meisten königlichen Prinzen Belobigungsschreiben empfing. Res. würde die Grenzen dieser Blätter überschreiten, wollte er die zahlreichen Deduktionen, Denkschriften, Eingaben, Beschwerden re. sowohl für einzelne Personen als ganze Kommunen und die Gesammtheit herzählen, die der Feder Muhr's entflossen und welche fast alle dahin zielten, Bedrückungen und Hemmnisse gegen Juden zu beseitigen, und ihnen eine bessere gesetzliche Basis zu schaffen. Er begnügt sich daher, nur einzelne Date anzuführen, die sich gerade seinem Gedächtnisse aufdrängen, obschon sie zu den minder wichtigen gehören. Als vor mehreren Jahren einer gewissen lichtscheuen Partei die Zunahme von Synagogen und jüd. Bethäusern.einDom tut Auge zu sein begann und von derselben mit aller Macht dahin gewirkt wurde, jedem beabsichtigten Neubau derartiger Gebäude Hindernisse in den Weg zu legen; war es Muhr, der an hoher Stelle mit dem ihm eigenen Freimuth gegen solches Gebühren Beschwerde führte, und auseinandersetzte, wie leicht es in unserer human sich nennenden Zeit sei, Koneessionen zum Ausbau von Affen- und Hanswmsttheatem, von Menagerien und Gauklerbuden zu erlangen, wie schwer hingegen zum Aufbau eines Gotteshauses. Die Folge davon war, daß jene Beschränkung fiel. Als später ein Reskript erschicn, welches den Inden verbot, christliche Namen zu führen, setzte er in einer geistreichen Deduktion das absurde und unstatthafte desselben auseinander, und reklamirte mit vielem Humor die von den Christen sich zugecigncten Namen der Juden, damit letztere zu ihrem Unglück nicht auch namenlos würden. Auch dies Verbot wurde zurückgenommen. Als vor noch wenigen Jahren eine auffallende Mißstimmung im Volke sich bemerkbar machte und von der nie anssterbcndcn Clique der Judenfeinde dahin ausgebeutet zu werden getrachtet wurde, diese Mißstimmung zu einer Verfolgung gegen die Juden zu lenken, war es. Muhr, der die hohe Regierung auf dies Treiben aufmerksam machte, und in sehr beredten Worten auseinandersetzte : »renn man glaube, die Kalamität dadurch zu beschwören, indem man die Juden der Volkswuth — gleich dem rothen Lappen, den man der Schlange verwirft, um deren Gift abzuleiten — preisgebe; so täusche man sich, die Hyder werde deshalb nicht müde werden, ihre Opfer zu suchen. Die über-

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