Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1847)
- Date
- 1847-07-02
- Page
- Seite 209 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berichte, Studien und Kritiken Achter Das Abonnement auf ein Jahr ist 5 Thlr. MaaabonnirL bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen aus ein Jahr. für jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von vr. Julius Fürk. Jahrgang. Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt mitgerechnet, zwei Bogen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. Mm- Leipzig, den 2. Juli 1847. Inhalt. Deutschland. Berlin. Die Nothwendigkeit der Küchenreform. Die Abgeordneten und Paläüina. Breslau. Begründung der Aeußerung des Dr. Sachs in Betreff des Messias. Abraham Muhr gestorben. Offenbach. Bemühungen gegen den Sonntagsgottesdienst. — Oesterreich. Papa. Der Anonymus im Zionswächter über die REinerwahl. Aus Mahren.. Feindseligkeiten gegen die Juden. — S ch w e den und Norwegen. Petitionen um Emancipation und Schritte der Regierung. — Ko sel. Nekrolog auf Abr. Muh r aus P l e ß. — Schulm Moses, ein Gedicht von Emil Lehmann. — N eubc d sch o w. Autokratie des Vorbeters. (Ein. Inserat.).— LB. d. Or. Deutschland. Berlin, 22. Juni. Nachdem ich im „Zoklvercizlsbiatte^ einen Aufruf an die deutschen Frauen und .Jungfrauen, die vaterländische Industrie zu fordern, gelesen hatte, ward ich von einem nationalen Gefühl durchglüht, und faßte den kühnen Entschluß, unserer nationalen Journalistik durch einen ähnlichen Aufruf zu Hilfe zu kommen. Ich wollte rührende, ergreifende, alte Lieleshelden verdunkelnde Worte an die Herzen unseres schwachen Geschlechtes richten, daß sie nur jüdische Journale lesen, nur das Judenthum der Zeitblätter beachten, nur den jüdischen Korrespondenten ihr Ohr leihen sollen. Ich machte mir ein Herz — und wollte für den ZW. das Wort ergreifen — da wurde ich aus meinem schönen Traume durch den Landtag geweckt. Bis jetzt wußte ich nicht, was ich bin und was inein Volk ist. , Nun hörte ich e§ ans der Provinz Sachsen, aus dem Munde dieses oder feiles Redners: Die Küche ist die Ursache aller unserer Leiden! Frauen, Köche und Köchinnen, an Euch ist es, die Schmach von unserem Haupte abzuwätzen und die srommen Deputaten zu bekehren, zu überführen, daß auch wir in Arkadien geboren sind, daß auch wir die grauende Scheidewand zwischen jüdischer und' christlicher Gastronomie durchbrechen! Es haben unsere Ahnen sich nach den Fleischtöpfen Egyptens gesehnt; auch-wir müssen unseren Magen sehnsüchtig nach der takle o'lwle richten, wenn . wir aus gleicher - sittlicher Stufe mit unfern Gegnern stehen wollen. Wenn ich im weißen Saale säße, ich würde die Juden eben deshalb emancipiren, weit sie für sich allein essen. Vom staatsökonomischen Gesichtspunkte ausgehend, würde ich die Speisegesetze der Juden als einen Vortheil für die Gesellschaft bezeichnen. Müßten nichtalle Hasen z. B. um das Doppelte steigen, wenn 200,000 Juden plötzlich die Hasen emancipircn und sie den schnatternden Gänsen gleichstellen? So hätte ich demonstrirt, wenn nicht mein Glaube, der doch ein Glaube an Einen Gott ist, das Gesetz der Nächstenliebe lehrt, die strengsten Vorschriften über Recht und Redlichkeit enthalt und selbst den Fremden zu unterdrücken verbietet, mir nicht den Weg zu unserer Ständeversammlnng versperrte. — Die hiesigen Juden gehen damit um, den Gegnern der Emancipation ihren verhältnißmäßigen Anthcil an Palästina zu schenken, als Beweis ihrer Unparteilichkeit. Doch zweifelt man, ob das Geschenk werde angenommen werden, da gerade die Gegner es am besten wissen, wie wenig Ernst es den Bangniers und Aktionären mit der Eroberung Palästina's sei. Jedenfalls wäre eine Eisenbahn von Berlin uact; Palästina eine schöne Spekulation, die eher als die Ostbahn genehmigt würde. Eines mögen unsere Gegner berücksichtigen. Wenn Zion unser Vaterland wäre, warum würden wir so eilfertig in dem Neubau einer Synagoge sein? Warum würden wir solche Wächter über Zion einsetzeu? Wozu würden wir solche Anstrengungen zur Förderung unserer Li- 27