Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 26 (25.6.1847)
- Date
- 1847-06-25
- Page
- Spalte 409-410 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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409 in der Vergangenheit oder in einer erträumten Zukunft (Hilchata Li-Meschicha) Werth und Gehalt hätten, mußten natürlich auftauchen Auch in der Art des Vortrages tauchten bei Rabba einige Eigenthümlichkciten auf. Vertraut mit den Studien in Palästina oder vielmehr Tabarijja, mit den Begründungen, die man dortben halachischen Bestimmungen gab, theilte er zuweilen diese mit, wenngleich er ste persönlich nicht theilte^. Die Halacha's, welche bei einem und demselben Gegenstände zu merken waren, faßte er unter dem Namen „Middot"^ Freilich war die Maxime älter, allein die praktische Anwendung derselben auf die Studien scheint erst mit Rabba oder zu seiner Zeit sich Geltung verschafft zu haben. — 447) Sebachim 45 a 4 Sanh. 51b und Tos. daselbst. Stärker tauchte diese Erscheinung bei Josef auf. Vergl. A. Geiger in Wiffensch. Ztschr. st jüd. Theol. 11. S.477 Anm. — Unter Rabba's Schüler und Neffen, unter Abbaji, war das Dnrchneymen eines Traktats, ohne Rücksicht darauf, ob er nützlich, schon ein Verdienst; das Beendigen eines Traktats war eine Art Kultus, und Abbaji bereitete den Jüngern der Hochschule ein Fest,- wenn einer von ihnen privatim einen Traktat durchstudirt (Sabbat 118 b). — 448) Baba Batra 175 b. — 449) Midd 0 t (DHp) war ein so eigertthümlicherAusdruck in der Halacha, daß wir, abgesehen von dessen biblischem und mischnäischem Gebrauche, der hier nicht in Betracht kommen kann, etwas naher darauf eingehen müssen. Jehuda ha- Nasi oder Rabbi scheint dieses Wort für riTlh zu gebrauchen; denn für rnift (Jebamot 64 a) sagt er einmal den seltenen Ausdruck rVHZD d. h. die Lehre der Middot (Menachot 18 a), und da an'jenen Stellen Tora wie Middot nur eine Art von mitgetheilten Halacha's bezeichnet, so weiß man daraus wenigstens im-Allgemeinenwas darunter gemeint sein kann. In Abot des Natan (o. 14 Anf.) werden die Middot ausdrücklich bü? DHE genannt, und von Halachot, Mischna, Losifta und Agada unterschieden. Auch in wa-Jikra rabba (e. 3 Anf.) werden Middot von Halachot unlecschied-en und als eigene Gattung der traditionalen Lehren angesehen. Der Unterschied zwischen rVD^H und nno scheint dieseinnach darin zu liegen, daß jener Ausdruck die angeblich von Sinai her cradirten Halacha's (Halachot le-Mosche Mi-Sinai, vgl. den Kommentar Ben-Abraham zu Abot des Natan!. 0.), d. h. die uralten nie auf Personen zurückgeführten Halacha's bezeichne, dieser hingegen nur die von Lehrern und Autoritäten mitgetbeilten Halacha's (daher D’DDn bw nnv) ausdrückt, und diese Unterscheidung paßt in der Lhat auf alle Stellen, wo Middot vorkommt. — Die aramäische Übertragung von ,-zi^ ist (öefinit. Nn’TDD) und der erwähnte Midrasch (wa-Jikra rab. i. c.) nennt einen Kundigen der Middot In Mechilta's waren demnach die ä^alacha's der Lehrer mitgetheilt, aber nicht die uralten namenlos recipirten; diese Halacha's wurden von den Lehrern entweder als von den Meistern und Autoritäten vermittelst der hermeneutischen Regeln (ebenfalls Middot genannt), exegetisch aus der Schrift entwickelt, oder als von einer Persönlichkeit, vor einer Autorität recipirt .ausgcgeben und es ist demnach erklärlich, warum zuweilen auch über eine Halacha die Meinungen verschiedener Autoritäten gegeben sind. Es wird uns auch von Gelehrten berichtet, welche dergleichen Mechilta's (nirfroö) besaßen und aus denen sie eitirt. So z. B. hatte Resch Lakkisch (Temllra39a) eine Mechilta, 410 zusammen und theilte sie unter solchem Namen mit/"", Wa$ alles durch die Ausdehnung der Studien entstanden. Eine besondere Erwähnung verdient noch die Beliebtheit seiner allgemeinen Vorträge in den die Sommer- und Wintersemester schließenden Monaten (Kalla). Die Schlußmonate der beiden Hauptjahreszeiten des Morgenlandes (Semester), nämlich der eine welcher das Soinmerhalbjahr und der andere welcher das Wintersemester beschließt^, waren bekanntlich diejenigen, in welchen das Studium der fünf vorangegangenen Monate wiederholt und repetirt wurde 452, zu welcher Repetition viele aus den umliegenden Gegenden herbeiströmten, und daran Theil nahmen Es wurden damit Diskussionen und Disputationen verbundenwodurch die Halacha für die Praxis nach Beweisen aus Schrift, Mischna und Talmud festgestellt wurde45unb diese durch die große Hörerzahl und durch eine eigen(hümlicheArt und Weise allgemeinen Verträge waren die Punkte des Glanzes und der Würde des Gesetzstudium's an den Hochschulen455. Diese zwei die Semester beschließenden für die Repetitorien bestimmten Monate waren die Monate Adar und El ul, jener des mit Tischri beginnende Wintersemester, dieser das mit Nisan beginnende Sommersemester beschließend 456 , und hatte N. Serika aus seiner Mechilta citirt (Gittin 44a) und wir erfahren auch bei dieser Gelegenheit, daß manche solcher Mechilta's ungenau und fehlerhaft (Temüra I.e.Tos.), ferner daß sie niedergeschrieben waren (Gittin l. c.) und man in zweifelhaften Fällen nachsah (p*j pDJ -pnboffl PV p1H> ro&yttl). Aus diesen Stellen ist übrigens ersichtlich', daß Mechilta nicht, wie Zunz (GV. S. 47 Anm. 6) meint, halachischer Midrasch, sondern Halacha in der erwähnten Weise ist. Es versteht sich nun von selbst, wenn Mechilta's mitgetheilr werden konntenso mußte es mit Middot eben so der Fall sein, und wir finden in der That, daß Rab dergleichen Middot gelehrt (Baba Batra 87 a, was Rafchi unnöthiger Weise in wörtlicher Uebersetzung nimmt).— An unserer Stelle hier bei Rabba sind freilich Middot solche Halacha's, die Rabba bei einem Gegenstände aufzählt oder gleichsam aufreiher, und fast gewinnt es den Anschein, als sollte Middot hier auf der Grenze stehen zwischen der mischnäischen und der hier erwähnten 'Bedeutung. — 450) S. z. B. fünf Middot (Sabbat 95b), drei Middot (Gittin 65 a; ib. 79 b; Chullin 17 b) u. s. m. An manchen dieser Stellen steht freilich fälschlich Raba, allein Tos. zu Baba Batra 155 b ist die richtigere Lesart schon versucht worden. —- 451) Baba Mez. 86 a, wo es heißt ^riTi KE^pD NIIT und man sieht daraus, daß hier nur von den zwei morgenländischen Jahreszeiten, und nicht von Festen die Rede ist. — 452") So Haja (der Gaon) in einem GA. und Chunanel in seinen Komryentationen, angeführt bei Samuel b. Meir ^Raschbam) zu Baba Batra 157 b. Bei 'Aruch, 2lrt. findet sich dieselbe Stelle. 20m'- die richtige Lesart derselben ist erst aus Vergleichung beider herzuftellen (S. Seder Ha-Dorot 83 0). 453) Tanchüma par. Noah (p. 3 b ed. Ff.). — 454) Lanch. U. 455) R. Asche sagt zu den Bewohnern Sora's: WTNpn Nnm pjöt'nn armiNi iop^ Berach. 17 b. — 456) Tanchüma 1. e., wo Adar und Elul ausdrücklich Studien. Geschichte der jüdischen Literatur in Babylonien,