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Der Orient · 1847-06-18 · 25 (18.6.1847) · p. Spalte 395-396

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
25 (18.6.1847)
Date
1847-06-18
Page
Spalte 395-396 (sequence 6)
Language
German
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396 Kritiken. Predigt von Rabb. A. Neuda 395 standen, wird von Niiemandem bezw-cifelt. Nun aber ist ganz identisch mit p6iipatetieu8 und es ist daher auch nicht unwahrscheinlich, daß es eben ein solcher war, mit dem rQ 3") seine gelehrten Dialoge hielt. Auch jener der (Aboda Sara 28—29'^ als Arzt so glückliche Heilungen machte, dürfte eher ein Jünger ^des Aristoteles, als ein herumwandernder Krämer ßwjjBBn, wie Rasch, zur Stelle bemerkt) gewesen'sein. — * III. Zur Geschichte der öffentlichen Vorträge. Die Mnemonik hat bekanntlich schon im Alterthume ihre eifrige Pflege gefunden (Memoria artificialis). . Unb es ist das natürlich. Das Gedächtniß war den Alten noch viel nöthiger als heutzutage. Die geschäftige Presse, die uns mit Büchern, überfluthet und durch deren Hilfe sich ^Alles blitzschnell niederzeichnen und vertreten läßt , hat für uns das tiefe Eingraben in die Tafeln des Gedächtnisses beinahe entbehrlich gemacht. Die Alten hingegen mußten das Meiste im buchstäblichen Sinne rii^D^ri 'DD lernen. Ihre Scholien, ihre Folianten, ihre Bibliotheken, dies Alles hatten sie — im Kopfe. Omnia mea mecum porto, konnte der Gelehrte des Altenhums sagen. Welche Mittel der Talmud zur Stärkung des Gedächtnisses angibt, ist unfern Lesern gewiß bekannt, da an mehrern Orten davon die Rede ist. Was jedoch vielleicht weniger bekannt sein dürfte, ist, daß die alten Rabbinen auf das Memoriren der öffentlichen Vorträge weit mehr hielten, als viele Rabbwcn der Neuzeit, die dem beschwerlichen Memoriren das viel bequemere „vom Blatt heruntersprechen'^ vorziehen. — Folgende interessante Stelle möge das Gesagte erhärten: bm nvrp nix ins pm ncx n*0O'|i nxn?x noxi» sypaa Nimy nyisa inmn in iiTUn in?pns nnfr cymb D.J3NCJO HE3U Z-1I' 'ONE' b'NTH IHN1 N^t , TOS3 ti'p’DDt'D nnx □’.'Pxn jd xnx nV noix mx ibti ~iy joaj? wo 'i miox , ^xnE"^> nun mpn d.iv nj'sn rnsö’i ~xin 'onj^ ^niep1? mox D’"D“D P i~lN DVpbV ~QT1 p! cnx- “IDN’l -p iriNi (Schemvt rab. c„ 40.); pjs'-iS'P niDN1? ün'xi n^xn Kurze Anzeigen. 14) Die Nächstenliebe im Lichte der Gortesletzre. Eine Predigt für den ersten Tag des Pesachfestcs 560*7 (1847,, von A. Neu da, Rabbiner in Loschitz. Wien, 1847, 8. gedruckt und in Kommission bei Franz Edlen v. Schmid und I. I. Busch. Die Muse der Homiletik genießt'«inen sehr hohen Kultus in der gegenwärtigen Judenheit. Bor kaum 20 Jahren lag das Feld der jüdischen Kanzelberedsamkeit ungepflegt und unangebaut. Eine Predigt im jüdischen Gotteshause war ein Phänomen; jetzt, 20 Jahre später, steht dieses Gebiet der Wissenschaft auf dem höchsten Standpunkte, der bis jetzt erreicht worden. Die christliche Kirche war unsere. Lehrerin hierin, das ist nicht in Abrede zu stellen. Unsere größten Kanzelredner sind Jünger christlicher Koryphäen. Selbst Salomo, der heute noch der jüdische Redner par exoellenee ist, hat sich'nichtsüdische Predigten zum Muster und Vorbild genommen. Die Predigt ist demnach eine Pflanze, die aus der Kirche in di« Synagoge-versetzt wurde, doch ist sie heute keine exotische mehr. Ja, die Schülerinhat sogar ihre Lehrerin beinahe übertroffen. Denn, wenn es Aufgabe der Predigt ist, Kopf und Herz anzusprechen, auf Geist und Gemüth 'einzuwirken, hat nur die jüdische Predigt diese Aufgabe glücklich gelöst. Predigten eines Dräseke, Zvttikofer, Kleinmann > so schön und edelgehalten, so gut geordnet und auseinandergelegt die Themata sind, so warm und gemüthlich ihre Sprache ist, verlieren dennoch beim Lesen den größten Thcil ihres Reizes; und wenn der Leser nicht ein Mann von Fach ist, der in dieser Lektüre eigene Ausbildung beabsichtigt, wird sie für ihn eine langweilige und reizlose. Ganz anders ist es mit den jüdischen Predigten, wie sie seit dem letzten Lustrum in den Hallen her Synagoge immer mehr herrschend werden. Sie sind nicht nur. für den Hörer von Interesse, sondern auch der Leser findet sich von denselben angenehm gefesselt. Denn Scharfsinn ist das eigentliche Element, worin die jüdische .Predigt sich bewegt. Es ist die scharfsinnige Auffassung, Verarbeitung und Zerlegung des Textes, die Herbeivringung und Verwebung sinnreicher Talmudstetten, die Erörterung allegorischer Midraschim, was die jüdische Kanzelrcde charakterisirt und wodurch sie häufig sogar wissenschaftlichen Werth gewinnt. Von dieser Art sind die Predigtsammlungen von Mannheimer, Stein, Hirsch u. A. Eine ähnliche Predigtsammlung hat Hr. Neuda im Jahre 1845 erscheinen lassen, die in den meisten jüdischen Blättern besprochen wurde. Unstreitig ist diese. Sammlung eine schöne und duftvolle Blume in dem Kranze der jüdischen Predigtliteratur; denn allen den Anforderungen, die an die jüdische Predigt gestellt werd«n, ist in jener Sammlung auf das strengste genügt und jene Vorträge wären wahre Muster- und Meisterreden, wenn nicht zuweilen eine zu gewagte Exegese den wissenschaftlichen Leser unangenehm berührte. Herr Neuda tritt nun wieder mir einer einzelnen Predigt vor das Forum der Oeffentlichkeit. Der Gegenstand derselben, die Nächstenliebe, ist ein „rem menschliches" Thema, das sich aber auf jüdischem Boden bewegt und so eine echt jüdische Färbung erhält. Die Zerfällruig des Textes ist eine kunstvolle und zeigt von großer Gewandtheit. Die Sprache ist eM; mild und sanft wie die Liebe, von der der Verfasser spricht, ist seine Ausdrucksweise, so daß der Leser gewiß nicht ohne Thräne im Auge diese weiche,^ schöne Sprach« voller Gemüthlichkeöt und Tiefst'nn liest. Was die Exegese betrifft, der Hr. Neuda so sehr huldigt, sindetsich selbst in dieserkleinen

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