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Der Orient · 1847-06-18 · 25 (18.6.1847) · p. Spalte 397-398

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Journal
Der Orient
Volume
1847
Issue
25 (18.6.1847)
Date
1847-06-18
Page
Spalte 397-398 (sequence 7)
Language
German
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398 S97 Studien. Ein Wort über Judenchum von Fabius Mieses. Rc-e Manches, was dem Leser, nachdem er die Blätter durchj flogen, als ein Bleibendes sich ins Gedächtniß prägt.' Sei es mir gegönnt, eine einzige Stelle als Muster anzuführen: S. 11. „umnt" "u'nb so sollet ihr geben" (Exod. 21, 13)' Darauf heißt es im Midrasch: „Gott zeigte dem Mösts eine feurige Münze und sprach: So sottet Ihr geben. NDD.nnno ntfpn'^sin wt* j;düd )ta UCV HD) Um na : (Ialkut und Lanchuma). Ja so sotten wir geben! Nicht srostigkalt, um nur der Pflicht, der Sitte und frcm Anstand zu genügen; — sondern feurig und begeistert, aus tiefem glühenden Herzen soll die Spende kommen, die wir dem Herrn zu Ehren auf den Altar der Menschenliebe niederlegen. Das ist die rechte, gottgefällige Gabe". —dl, Rabbiner. Ein Wort über Judenthum oder die Berga n g enheit und Gegenwart, eine Parallele von Fabius Mieses» (Fortsetzung.) Allein noch waren die Begründer dieses Systems über die konsequente Feststellung desselben mit sich selbst nicht im Annen und schwankten zwischen Religiösem und Politischem, als Jesus von Nazaret erschien, der die fragmentarischen Ideen und Philosophen^ zu einem sich durchgehends ergänzenden Ganzen formte, ausführlich entwickelte und in systematischer Ordnun.g ausbildete. Das göttliche Ideal des Mosaismus „allgemeine Wohlfahrt und Glückseligkeit" sah er weder in seiner Gegenwart verwirklicht, noch glaubte er es je in der Zukunft hoffen zu dürfen, daher seine Erklärung: „daß das Glückseligkeitsreich nicht hinieden , sondern im Jenseit aufzusuchen sei", weshalb er auch die Lugend auf jene himmlische Seligkeit vertröstete und das Laster mit dem höllischen Fegefeuer einschüchterte. Schon der ersten Idee dieses Rrlrgionsstisters, der Unterordnung der Erde unter dem Himmel, dem SeligZeitsdogma, lag ticfwurzelnd die gänzliche Vernichtung der jüdischen Nomokratie zu Grunde und, ungeachtet er uns versicherte, daß er nicht gekommen sei, die Gesetze Mosis aufzuheben, dürfen wir uns keineswegs durch solche pastoralkluge Worte irre führen lassen 'und brauchen wir nur seine eigenen, wie, die Reden seiner treuen Apostel zu lesen um überzeugt zn sein, daß diese und ähnliche Mittel alsDeckmantel dienten mnö als lockende Köder angewendet wurden, um die Iudenseelen aufzufangen und dem Essaismus überall Eingang zu verschaffen. In dem bekannten Ausspruche „Glaubet nicht, ich bin gekommen den Frieden auf die Erde z« bringen; ich bringe nicht den Frieden sondern das Schwerdt, den Sohn zu erregen wider den Vater" rc. (Mt. 10, 34; Mk. 10, 29) , liegt der klare, unwiderlegbare Beweis, wie es eine Urkonse.quenz des essäischeu Systems war, dem mosaischen Eudämonie-Ideale dem Lodesstoß zu versetzen, die heidnisch-religiösen Ideen überwiegend zu machen und auf Kosten des Gesetzes und zum Umsturz der gesellschaftlichen Grundlagen eine religiöse Propaganda und Sektirerei zu verbreiten. Der Differenzpunkt zwischen Juden- und Essäerchum ließe sich demgemäß, wie folgt, ausdrücken: Jenes suchte das goldene Zeitalter in diese Welt wieder einzuführen, welches durch eine umgreifende das gesellschaftliche und Individualleben umfassende Gesetzesherrschaft, der alles, selbst die Sittlichkeit, die Rechtslehre, die Religiosität rc., untergeordnet wird, erreicht werden sollte; dieses hingegen ließ die irdische Wohlfahrt und den Weltfrieden, ganz außer Acht, betrachtete das Leben als Mittel zur Verbreitung der Gottesfurcht, versetzte die Glückseligkeit in den Himmel, erstrebte blos das Vorherrschendwerden der religiösen Gefühle, die möglichst im Volke angesacht und verbreitet werden sotten, wovon nicht wenig Religionskriege, Auto da fe's, Kreuzzüge, Staatsumwälzungen rc. die nochwendigen Folgen gewesen. — Nachdem sich dieses System in seiner schismatischen Gestalt entwickelt und im Christenthume in die Erscheinung getreten war, konnte es natürlich nicht ohne Einfluß und Rückwirkung auf den Pharisäismus bleiben. Dieser konnte unmöglich die Vergrößerung und Machtzunahme eines gefährlichen Nebenbuhlers mit, Gleichgiltigkeit ansehen und ergriff daher kräftige Maaßregeln, um die strategischen Angriffe seines Feindes zu demaskiren, seinen listigen Herausforderungen und Schlingen zu entgehen und im offenen Felde ihm die Spitze zu bieten. Diele neue im Schooße des Pharisäismus entwickelte Sekte mußte manches Neue, manche Veränderung in der Lehre und im Leben derselben veranlassen und nöthig machen. Während man sich dort alle erdenkliche Mühe gab, das mystisch-kontemplative Element hervorzuheben, die irdischen Güter zu verachten und das Leben als Mittel anzusehen zum Eintritt in eine geistig-paradiesische Sphäre; indem man dort keine Opfer scheuete, die religiösen Gefühle überall anzuregen, die gesetzlichen Grundlagen des Mosaismus durch Mysticismus zu untergraben und die Denkfreiheit des Menschen in dogmatische Fesseln zu schlagen, strebte man hier im Gegentheile, das Gesetz ringsumher mit muaufgeführten Wällen und Basteien zu verschanzen, setzte man mit erstaunlicher Emsigkeit und Hast Stem auf Stein, Bau auf Bau, um das alte Gebäude fester zu stützen, und flüchtete man sich in die Schule, um die Vernunft im freien Forschen der praktischen Gesetze zu üben und zu schärfen, deren Ausartung in verworrene, vernunftwidrige Exegese den feindlichen Bestrebungen mit Liebe vorgezogen wurde. So hat man direkt und indirekt gegen feindliche Tendenzen gewirkt; .es wurden Vcrsammlungshäuser errichtet, wo außer den in bestimmten Lagen und Stunden verrichteten Gebeten hauptsächlich theologische Erörterungen über Anwendung und Bestim-

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