Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 25 (18.6.1847)
- Date
- 1847-06-18
- Page
- Spalte 387-388 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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387 Studien. Geschichte der jüdischen Literatur tu Babylonien. Geschichte -er jüdischen Literatur in Babylonien. Eine Skizze von ' Dr. Julius Fürst. . (Fortsetzung.) Neuntes Kapitel. 3. Bevor Rabba b. Nachmani das durch den Lod Jehuda's erledigte Rektorat anzunehmen sich entschließen konnte, verwaltete dasselbe H im a b. C h i j j a, ein Schüler des.Nachman b. Jakob und des sor.anischen Rektors Hüna, während welcher Zeit Rabba zu Chasda nach Sora gegangen, um dort das bei demselben in Kafri begonnene Studium fortzusetzen 386. Denn nach Weigerung der beiden Berufenen forderten die- Zeitumftände wenigstens diesen, der in Gelehrsamkeit Rabba und Josef am Nächsten gestanden; 400 Jünger besuchten seinen Vortrag und sogar Rabba und Joses verschmaheten es nicht, seinen Vorträgen beizuwohnen^. Der Antritt seines Amtes war im Jahre 292 n. Chr., dem Todesjahre Jehuda's, in welchem Jahre bekanntlich Chasda sein Rektorat zu Sora angetreten, und in den zwei Jahren vorher (290—292) war es, wo er bei seinem Lehrer Nachinan den Glauben in Bezug auf Neceptionen von Huna verloren 388. Kurz nach dem Antritte seines Amtes kam jedoch 386) Siehe folgenden §. 4. Scherira I. c. S. 36. Die Stelle lautet iu wörtlicher Uebevsetzung: „Wir erhielten von den Lehrern unserer Hochschule (von der zu Pum-Badita) überliefert, daß innerhalb derjenigen Jahre nach dem Hinscheiden Jehuda's, in welchen Rabba das Rektorats nicht übernommen , H ü n a b. Chijja zu Pum - Badita die Oberleitung führte, und noch ist dessen Lehrhaus (Bet ha-Mdrasch) jetzt hier vorhanden. Als aber Huna starb und die Zeitumstände Rabba durchaus verlangten, damit das Gesetzstudium auf der Hochschule Pum-Badita's, wo die meisten-jüdischen Lehrer verweilten, nicht unterbrochen würde, da nahm er endlich diese Oberleitung an und förderte das Studium". Auch über das, was Rabba während der Oberleitung Hüna's gcthau, berichtet uns Scherira in ejnem Satze vorher, indem er nach dem Berichte über die zwei Lehrer, Rabba und Joses, sagt: „Da jedoch Jeder von diesen beiden zu Gunsten des Andern es ablehnte, so ruhete vorläufig diese Sache (pnnbo DCp) tttib Rabba zog zu Chasda (nach Sora) auf einige Jahre; erst zu Ende der Lebenszeit Chasda's (297), als er sah, daß die Zeitumstände seiner zu Pum-Badita bedürfen, da nahm er die Oberleitung an, führte sie 22 Jahre und starb im Jahre 631 s. Ae. d. h. 319 n. Ehr." Es ist also unzweifelhaft, daß zwischen Jehuda b. Jecheskel und Rabba b. Nachmani in die Reihenfolge der Rektoren Pum-Badita's unser Huna b. Chijja einzuschalten ist, was sich übrigens auch aus Talmudstellen bestätigt, wie wir weiterhin sehen werden. — 387) Bechorot 31 rr. Ueber die Nothwendigkeit seiner Wahl kommt derselbe Ausdruck vor, wie bei Rabba, nämlich Nnyttf rpb — 388) Baba Batra lil a. — 388 ein eigenthümliches Ereigniß' zum Vorschein, das die Hochschule aufzulösen drohete und das als Spiegel der damaligen Zustände näher erwähnt zu werden verdient. Nach einer alten Barajta38'' hat sich die Satzung festbegründet, daß ein CH aber, d. h. Genoßmann oder Mitglied der effäischea Gemeinschaft *o°, nie und nimmer königlicher Schatzmeister der jüdischen Steuern werden dürfe, und hat er sich zu diesem verrufenen Amte erniedrigt, so stößt man ihn aus der bezeichneten Genossenschaft. In Bezug auf Reumüthige war .in der altern Zeit eine andere Praxis als in der spatern; in der altern nahm man denselben nicht wieder als CH ab er auf, in der spätern wurde man nachsichtiger und ließ ihn wieder in dieOenoffenschaft elntretem Jedoch gab es auch in der spätern Zeit Rigorose, welche die frühere Praxis beibehalten wollten. Und ein Chaber war jeder Lehrer, jeder Jünger des Gesetzes, jeder Meister391, d. h. diese erste Stufe des Effäismus war bei jedem Forscher des Gesetzes, und es wurde als 389) Losifta Damai e. 3. Bechorot 31 r». In dem trefflichen Aufsatz, von Z. Frankel: die Essäer, eine Skizze (Zeitschr. f. d. rel. Interessen d. Judenthums 111. S. 441— 61) ist diese Barajta nicht berücksichtigt worden und auch dieser Eigenthümlichkeit des Essäismus gar keiner Erwähnung geschehen. Aus dieser Barajta ist übrigens auch ersichtlich, daß diese. Stufe des Essäismus, Nus welcher das Mitglied Chaber hieß (s. dessen Specialität in folgender Anmerkung), zu Ende des 3. Jahrhunderts in Babylonien noch einen weiten Boden hatte, und nach einer andern Stelle daselbst, daß nach Jochanan, also um dieselbe Zeit, auch in Palästina dieser Essäismus noch stark war. Hr. F. hat aber auch sonst unrecht, wenn er(l. c. S. 461 Anm.) den Essäismus nach Zerstörung des Jeinpels aufhören läßt, da nach, seiner Darstellung der essa'ischen Eigenthümlichkeiten die. Spuren desselben durch die ganze lalmudische Periode sich finden. — 390) Chaber (-on) wird in der erwähnten Stelle (Bechorot 30 d) und anderswo (*Aboda.Sara 39 a; Tosifta Damai c. 2 u. s. w.) dem pNH D]) entgegengesetzt, und ist dieses durch Idiot richtig bezeichnet, so bedeutet jenes Gebildeter. Was ein Chaber zu thun und zu lassen habe, das giebt die Tosifta (I. c.) genau an: „Ein Chaber darf nicht Hebe und' Zehnten einem Idioten geben, nicht Reinigungen bei einem Idioten vornehmen, er muß auch zu Chullin sich reinigen, bevor er es genießt, und hat zu verzehnten das was er ißt, verkauft oder kauft". Daß aber dieLosifta die Merkmale des Chaber nicht erschöpfen wollte, sieht man aus der erwähnten Barajta, aber die Beschreibung reicht vollständig hin, um jene Stufe des Essäismus zu erkennen, die Hr. F. (1. c.) ft gründlich beschreibt und auf welcher die Lehrer Babyloniens gestanden. — 391) Ein Lehrer im Lehrhaus (Bechorot 30 b) braucht die Satzungen des Chaber nicht in Gegenwart von dreien auf sich zu nehmen, und nach einer später» Meinung auch nicht der Talmid-Chachäm (id. U>.). Mar Jochanan sagt ausdrücklich, daß nur in früherer Zeit ein Lalmid-Chcrcham vor dreien die Vorschriften auf sich nehmen mußte und später scheint jeder Lehrer als Chaber angesehen worden zu sein, da bei Hüna, Rabba und Josef dies von selbst sich zu verstehen scheint. —