Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1847)
- Date
- 1847-06-18
- Page
- Seite 199 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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199 tun v ö l l Lg e Gleichstellung der Juden wieder begonnen. Nach längeren Erörterungen über das-Thema wurde ein Koinit6 erwählt .für bcn Zweck, eine solche Willenserklärung der Bürger und Einwohner Altoua's anzubahnen. Die bedeutendsten Redner des Abends waren zwei AerzLe, ein Nicht-Jude Dr. Schubart und ein Jude Dr. Magnussen. Der letztere namentlich hat durch die Energie seiner Sprache und die allseitige Beleuchtung des Gegenstandes großes Verdienst um jene ausdrückliche Kundgebung der Ucberzengung der Anwesenden. Seit der letzten, vor mehren Monaten geschehenen Besprechung der Sache bis auf diesen Abend war den Gegnern der Judenbefreiung Zeit gelasseir worden, auf ihre Gründe sich zu besinnen, um sie bei der Diskussion vorzutragen; keiner derselben hat sich Horen lassen. Denn es ist nachgerade eine Schande geworden, gegen Religionsfreiheit sich öffentlich auszusprechen; auch sind die Gegner der Judenbosreiung meistens ungebildete Leute, die in einer größern Versammlung als Redner aufznlretm nicht wagen. In. Privatgesprächen halten sie iildeß nicht mit ihren Gründen, zurück und es war das Thema der Rede des Dr. Magnusson die mancherlei in Privatgesprächen vernommenen Gegengründe zu widerlegen. Die Rede findet sich vollständig abgedrucktz im „Juden in Deutschlands Gegenwart" Nr. 21 und 22; die früher von demselben gehaltene steht in Nr. 51 und 52 des vorigen Jahrgangs. Die Inden sind in Altona wie in Hambmrg das Thema des Tages geworden; immer von neuem ciufgenommen, wird dasselbe doch nie erschöpft. Das kommt daher, weil in der Judenangetegenheit wie tu keiner andern Religiöses, Nationales, 'Politisches und Sociales in einander verschlungen sind und die Besprechung derselben eine Perspektive in alle wichtige Fragen der Humanität eröffnet. Hr. Sommi Israel ermahnte vor einiger Zeit zur Nachahmung des Beispiels der englischen Bekehrer, welche durch eine Masse umsonst verteilter Traktätchen die öffentliche Meinung zu bearbeiten ftlchen. Er forderte dringend zu Ausarbeitung und Verbreit u n g populär gehaltener Schriften auf, welche die Befreiung der Inden zum Gegenstand haben. Die „Gesellschaft für soeickte und politische Interessen der Juden" ist dem jetzt nachgekoinnten, indem sie die neulich von mir erwähnte vortreffliche Rede des Dr. Baumeister in 2500 E.remptaren hat drucken lassen und umsonst vertheilt. Diese so unumwunden, so kräftig und klar sprechende Rede des in der Stadt wie wenige hochangesehenen Mannes wird nicht verfehlen eine ttachhaltige Wirkung hervorzurufen. Dr. Ree hat als eine neue Sektion der Gesellschaft eine „Jugendschaar" gebildet, einen Kreis jüdischer Jünglinge, die sich unter seiner Leitung geistig und körperlich zu Beförderern namentlich des socialen Zwecks der Gesellschaft, der innigeren Vereinigung der Juden mit den Nicht-Inden, heranbilden wollen; dieselben sind vor der Hand mit Nedeübungen beschäftigt, werden später auch turnen und andere körperliche Uebnngen betreiben, um in den jetzt nur ans Nicht-Inden bestehenden Turnvereineintreten zu können. Der „Jude in Deutschlands Gegenwart" wird von Juli an direktes Organ der Gesellschaft werden und ein größeres 'Format annehmen; ein Redaktionskomito wird ihn mit leitenden Artikeln und genauen Berichten über die-Wirksamkeit der einzelnen Sektionen der Gesellschaft versehen und für Unterhaltung einer möglichst lebhaften Korrespondenz von außen sorgen. Auch der Titel des Blattes wird ein anderer werden. Am 19. d. M. starb in Ottensen Hr. Eduard Michaelis, ein 76jähriger Greis jüdischer Abkunft, dessen Tod hier wie in Altona tief betrauert wird. Er gehörte, wie der Nekrolog des „Hamburger Correspondenten" sagt, zu iDm public cliaracters Hamburgs im besten Sinne des Worts. Wenig Menschen haben mit so anhaltender Anstrengung und Aufopferung Gutes gethau wie er, wenige als so reine Charaktere wie er sich bewährt. Von fast allen wohlthätigeu Anstalten der Hamburger Juden —— und es sind der mildthätigen Vereine unter ihnen eine sehr große, nur zu sehr zersplitterte Menge — ist er entweder Stifter oder Vorstandsmitglied gewesen und namentlich ist eS die jüdische Freischule, die ihm mlßerordenttich viel zu verdanken hat; fast während ihres ganzen, nun dreißigjährigen Bestehens (sie wirkt im Sinne drr religiösen Reformpartei, ist auch ungefähr zu gleicher Zeit mit dem hiesigen „Tempel", dem Gotteshaus dieser Partei, gegründtt worden) ist er ihr Mitdirektor gewesen) ihr hat er auch seine schätzbare Büchersammlung vermacht. Seine Hauptthätigkeit hat er unter fortwähreuden Lebensgefahren zur Zeit der Belagerung Hamburgs durch Davoust im Jahre 1813 entfaltet; da, als eine Menge Hamburger grausam vertriebe!: wurden und in Altona Aufnahme fanden, hat er eine große Anzahl Hamburger Kinder in altenaer Hospitälern, ohne die Ansteckung zu fürchten, mit seltener Aufopferung verpflegt. Einzelne Auftritte des Mannes, die aus dieser Zeit seiner Thätigkeit erzählt werden, sind tief ergreifend.. , Er blieb Zeitlebens underheirathet. Die „patriotische Gesellschaft" in Hamburg ernannte ihn 1841 zu ihrem Ehrenmitgliede. Voll der orthodoxen Partei hielt er sich fern; die Gesinnung der reinsten Humanität dnrchdrang sein langjähriges Wirken. (M. A.) Berlin, im Juni. Die durch mehre Blätter laufende Nachricht, daß der dem Vereinigten Landtage vorgelegte Entwurf eines neuen Gesetzes über die Angelegenheiten der Juden von der Regierung zurückgezogen worden sei, erweist sich als ganz grundlos. Es ist davon nie die Rede gewesen und würde an jeder Veranlassung einer Zurücknahme des Entwurfs gefehlt haben. (H. K.)