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Der Orient · 1847-06-18 · Heft 25 (18.6.1847) · p. Seite 200

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 25 (18.6.1847)
Date
1847-06-18
Page
Seite 200 (sequence 15)
Language
German
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200 Altoncr, 28. Mai. Bei einem hiesigen Buchhändler ist so eben eine Broschüre erschienen, die den Titel führt: Zweites offenes Sendschreiben an Herrn Dr. Stern in Berlin und an die dortige Reformge-. gemeinde (das erste erschien im vorigen Jahre bei Herold in Hamburg, dem Verleger des Zionswächters). In dieser kleinen Schrift werden die Berliner Reform und Dr. Stern's Vorlesungen einer wohl zu scharfen Kritik unterworfen; Sie können sich aus dem Schlüsse der kleinen Schrift sehr leicht von dem ganzen Ideen- . gange in derselben einen Begriff machen und deshalb theile ich Ihnen die letzten Worte hier mit: „Die Gründe, die Dr. Stern anführtum seine Einladung plausibler zu machen, sind folgende: man braucht zu einem bestimmten religiösen Bekenntniß seine Zustimmung nicht zu geben, sich auch nicht von bestimmten Lehrsätzen des Zudenthums (von denen Dr. Stern aber nicht den. geringsten Begriff hat) losznsagen, denn — das Judenthiun soll sich ja nur in andere Formen kleiden, d e n Rock nämlich anziehen, den Dr. S tern für dasselbe aus allen anderen Religionen zusammengeflickt hat. Dr. Stern wirbt nun schon zwei Jahre lang unter verschiedenen Formen um neue Anhänger; dieses Mal gesteht er ein, daß sein Aufruf nicht Alle befriedigen werde, aber er tröstet das Publikum mit der Versicherung, „daß Ihr schwerlich einer Gesammtheit, am allerwenigsten einer religiösen angehören könnt, deren ausgesprochene gemeinsame Ueterzeugungen und Bedürfnisse in allen Punkten mit den Eurigen übereinstimmen," als ob man nicht mindestens dasRecht hätte, eine bestimmte Ueberzeugung da zu erwarten, wo man sich anschließen will, eben um sein religiöses Bedürfniß zu befriedigen. Der andere Köder, den Dr. Stern auswirst, um Theilnehmer, herbeizuziehen, ist der, daß er den: Publikum sagt: Kommt doch mit herbei, ihr dürft ja die Reform, die ich nicht machen kann, mit bauen helfen, „was kann Euch denn Freudigeres begegnen, als wenn man Euch selbst herzuruft,, daß Ihr an dem Bau mitwirkt nach Euren Kräften, wenn man Euch versichert, EureStimme zu Horen, Euren Willen und Euer Begehren achten zu wollen gleich jedem Andern"- was nichts anders heißt, als kommt, ihr dürft mitspielen l — Zum Tröste wird hinzugesetzt, ungefähr wie eine Art Assekuranz, daß man sich ja von diesen Bestrebungen wieder lossagen könne, wenn man mit der Zeit erkannt hat, daß man sic nicht zu billigen vermöge, und diese Versprechungen und Aufforderungen werden so dringend/ daß der Reformator zuletzt sagt: Ihr müßt ja zu uns treten, denn „Eure Glaubensgenossen, Eure Kinder werden Euch anklagen vor dem Richterstuhl der Geschichte, daß Ihr nicht zur rechten Zeit ihr Ziel beachtet, ihre Rechte gewahrt und Verlag von C. L. Fritz sch e. vertrelen^habt".. Dann folgt— ein anderer Köder — die Versicherung, daß die bisherigen Einrichtungen nur als provisorische zu betrachten seien, und eine Aenderung erleiden würden., wenn die Beitretenden es wünschen. Genug davon! Andere Stimmen haben sich zu gleicher Zeit mit der unsrigen erhoben, die Hohlheit der Berliner Reform darzuthun: wir haben in Interesse der Wahrheit —nur einen Stein zum Bau beigetragen, aber die Ueberzeugung lebt in mir, daß solches Werk nicht bestehen könne, wenn es nicht von Grund auf eine andere Gestaltung erhalte. Wir glauben auch nicht, daß Dr. Hold heim der rechte Manu dazu fei. — Italien. Das Siecte meldet nach einer Korrespondenz aus Rom, daß der Pabst eine Kommission ernannt hat, um über die bürgerliche Stellung der Inden zu berathen. Er soll die Absicht haben, sie ans ihrem abscheulichen „Ghetto" zu ziehen. Diese Tolemnzmaßregeln sollen eine Spaltung im Judenviertel hervorgernfen Haben. Das „junge Palästina"' behauptet , daß Pius IX. der Messias selbst, die „Konservativen" glauben, daß er nur ein großer Prophet ist. —- Man hat 5 Juden in den „circulo Romano“ ausgenommen. So etwas ist noch nicht gesehen worden. (B. Z.) Polen und Rußland. Peters-uvg, 22. Mai. Den Inden ist streng vorgeschrieben worden, während ihrer gottesdienstlichen Versammlungen in den Bethäusern das laute Ablesen der gesetzlich vorgeschriebenen Gebete für das Wohl des Kaiserhauses nicht zu unterlassen. Kontravenienten sollen den im Kode): darüber vorgeschriebenen Strafen unterliegen. (D. A. Z.) Personalchronik und MLseellen. Leipzig. Die D. A. Z. huldigt bei Besprechung des preuß. Judengesetzes einer besonderen germanisch-christlichen Freisinnigkeit. Deren Ansicht nach müßten die Juden für die reichlichen Gewährungen, die der Entwurf ihnen bietet, von der tiefsten Dankbarkeit durchdrungen sein. Wie verlautet, soll der Abfasser den betreffenden Artikel von dem Grafen von Meerveldt, der neulich mit so großer Prägnanz und Geistesschärfe über die Ausschließung von Heiden und Anbetern der Vernunft aus derStandeversammlung sich ausgelassen und eine goldene Dose (gefüllt mit Helleborus?) als Zeichen der Anerkennung erhalten. Druck von I. H. Nägel.

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