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Der Orient · 1847-06-18 · Heft 25 (18.6.1847) · p. Seite 198

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 25 (18.6.1847)
Date
1847-06-18
Page
Seite 198 (sequence 11)
Language
German
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198 mogensverhältniffe -er Juden nicht kennt und den Pächterndie Macht nicht verkümmern kann, die ihnen leider die Regierung einräumte. Indessen kam es nur selten zu derlei Rekursen, denn schon die terroristische Drohung, den über offenbare Ueberlastung Kragenden den alten, haarsträubenden Judeneid aufzuerlegen, schreckte sehr Viele, welche sich einer solchen Schmach nicht unterwerfen wollten, zurück — Andere wurden auf andere Weise zum Schweigen gebracht. ) Dem bemittelten Theil der Prager Judcnschaft sagte man, was sich wohl hören ließe: man muffe, größere Opfer-bringen, um den Minderbemittelten die Last zu erleichtern— eine Aufmunterung, welche den Minderbemittelten keine Art von Bedrückung ersparte, ihre Last nicht um einen Heller minderte. .Einige Beispiele mögen die originelle Praxis des Herrn von L a m e l in das gehörige Licht setzen. Ein Familienvater, der ebenfalls, über drückend- Ueberlastung klagte, wurde von dem Stcuerpascha gefragt, wie viel Kinder er habe. Sechs, antwortet der unter der Presse seufzende Familienvater, Schätzen Sie sich glücklich! erwiedert der gewaltige Mann; — schätzen sie sich glücklich, berechnen Sie, was ihre Kinder und Kindeskinder härten zahlen müssen! Der Mann gab nach, obgleich er sich die wichtige Frage' nicht beantworten konnte, ob seine Kinder oder gar Kindeskinder je ein steuerbares Vermögen besitzen werden. — Ehe er sich noch entfernte, trat ein zweiter Fellah — es wartete im Vorzimmer des Hrn. v. Lamel eine Legion — vor das Angesicht des geistreichen Fincmzminiirers in Israel, der von den Eltern auch für ihre Kindeskinder Steuern fordert. Da auch den zweiten Fellah 'die übermüthigen Forderungen des Herrn v. Lämel sichtlich bestürzt machten, so fragte Jener: Wie viel Kinder haben Sie? Keine! Und Sie wagen es, ergrimmte nun Herr v. Lämel, zu klagen?! Für wen wollen Sie Ihr Vermögen aufbewahren? Ein Mann, der, blos um Licht und Beleuchtung zu ersparen (ein Gewinn, der jährlich nur 10 fl. beträgt), im Winter .die Ressource (das Museum) in Prag besucht, wurde von Sr. Ercellcnz dem Finanzminister in Israel mit folgenden Worten eingeschüchrert: Sie wagen, um Nachsicht zu bitten, der die Ressource besucht? Ein ziemlich unbemittelter Kontribuent, der, um das goldne Vließ der Glaubens- und politischen Freiheit zu erobern, seine Auswanderung nach den Vereinigten Staaten vorbereitet, war vom Herrn v. Lamel mit 150 fl. K. M. bedacht worden. , Er bot 40 fl., eine Summe, die seinem geringen Vermögen mehr als angemessen war und die er aus gemeinnützigen Absichten gern opfern wollte. Herr von Lämel wies seinen Antrag mit den Worten zurück : „Eben, weil Sie für immer ähnlichen Plagen entgehen, müssen Sie eine beträchtliche Summe bezahlen. Trösten Sie sich übrigens mit der Ueberzeugung, daß es in den Vereinigten Staaten keine besondere Judensteuer giebt". . Diese Beispiele genügen, um die Willkür der Steuergewaltigen zu bezeichnen. Uebrigens hatten sie in dem mit der Staatsverwaltung abgeschlossenen Vertrage, sub €, darauf gedrungen, daß die Vermögensschätzungen nicht nur baares Geld, Grundstücke, Waaren, Häuser umfassen sollten, sie zogen sogar zweifelhafte Forderungen, nothwendige Einrichtungs-, ja selbst Kleidungsstücke in den Kreis ihrer finanziellen Listen. So wurde die wobllhätige Absicht der Regierung aufgefaßt, so verwandelten einige Männer Das, was unbedingt ein Segen sein sollte, in einuPlage und preßten sehr vielen Familienl>äuptern gegründete Klagen aus. Wahrscheinlich wird das große Werk jetzt auf dem flachen Lande fortgesetzt, und gewiß geschieht es dort im ähnlichen Geiste, wie es in Prag geschah. Möge die wohlwollende Regierung, durch diese wahrhafte Schilderung aufmerksam gemacht, den Uebergriffen dieser Pächter ein Ziel setzen und die Armen auf dem Lande ihrem originellen Bedrückungssystem gnädig entziehen! Diese Leute haben sich, über das Maß des von der Negierung verlangten Steucrbetrages weit hinausgreifend, weder darum bekümmert, wie viel Steuern von den gedrückten Gemeinden erhoben werden sollen, noch sich daran gebunden, die Abgabenlast für sieben unsichere Jahre mit siebenfach gebotener Schonung der plötzlich so sehr angegriffenen Privatinteressen und unter der möglichst milden Form hereinzubringen. Sie haben die Reichen geschont, die Mittellosen bedrängt, und nach Prinzipien gehandelt, die lächerlich wären, wenn sie nicht die Seele mit tiefer Entrüstung erfüllten. Möge ihr Verfahren, zur Warnung der Regierungen, zur Schonung ohnmächtiger Staatsbürger, unsterblich werden! Herold. Deutschland. Berlin, 1. Juni. Mit eiiwr gewissen Bestinttutheit wird sei? kurzem von vielen Seiten versichert, daß die unter dem Vorsitze des geh. Obcrregiernngsrath Brügge mann von einer Kommission entworfene neue Jrrdenordnung höheren Ortes z u r ü ckg c n o m m c n worden sei, weit man solche für zu engherzig und nach unzeitgemäßen Princchien entworfen erachte. Demnach durfte dieser Gegenstand diesmal gar nicht zur Debatte des Landtags kommen. (F. O. Z.) Königsberg, 1. Jlmi. Am 30. Mai fand der erste jüdische Somckagsgottesdienst in der hiesigen Sv> nagoge statt, indem Dr. /Saalschutz die Einsegnung mchrer Kinder vornahm. Die Feierlichkeit begann mü Abstngnng mehrer deutscher Lieder, dann folgte eine Liturgie mit Respousalien und dieser eine deutsche Predigt, nach der wieder deutsche Lieder gesungen wurden. (©* A. Z.)' Hnmburg, 28. Mai. Im Altonaer Bürgervcrcin, einem Institute, das seit länger als einem Jahre zum großen Segen : für die früher in Lethargie versunkene Stadt besteht, wurde arn 12. Mai, wie schon erwähnt, die Diskussion über eine demnächst an die holsteinische Ständeversammlung zu richtende Petition

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