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Der Orient · 1847-06-18 · Heft 25 (18.6.1847) · p. Seite 197

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Journal
Der Orient
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 25 (18.6.1847)
Date
1847-06-18
Page
Seite 197 (sequence 9)
Language
German
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197 zu rufen! Indessen ist der Vorwand dieser.Erpressung auch Ln anderer Hinsicht nicht stichhaltig. Der wirklichen Beamten, deren die Staatsverwaltung leichthin Erwähnung macht, sind nämlich nicht viele, und, da sie bis auf zwei oder drei das fünfzigste Lebensjahr überschritten, so hätte man, wenn sie um jeden Preis pensionirt werden mußten, mit einem Kapitale von ungefähr 40,000 fl. entsprechende Ruhegehalte bei einer ,Lebensversicherungsgesellschaft oder einem. Pensionsinstitute versichern können. Wozu nun 150,000 fl.? Die Pächter antworten nicht auf diese dringende Frage. —, Was soll aus dem bedeutenden.-Kapitale werden, wenn die Beamten, die von den Zinsen desselben so großmüthig pensionirt werden, das Zeitliche segnen? Auch auf diese wichtige Frage, die in den Gemeinden vielfach gestellt wird, geben die Pächter keine Antwort. Die hochweisen Ausschüsse, oder vielmehr Herr v. Lämel und sein Sekundant M en d e l, gebehrden sich wie einst die Sfinx; sie gebm Räthsel auf, die in Verzweiflung stürzen. Für dieses so willkürlich eingetriebene Kapital von 150;000 fl. , die man als geheimnißvollen Schatz zusammenscharrt, hätte man auch die sogenannte Koscherfleischsteuer, die für die siebenjährige Steuerperiode noch aufrecht bleibt, obgleich sie dem Armen den Fleischgenuß erschwert, wo nicht unmöglich macht, ebenfalls, wenn nicht ganz, so doch zum Theil ablösen können, um das Aushören dieser wahrhaft verderblichen, für die untern Klassen besonders empfindlichen Abgabe so viel als möglich zu beschleunigen. Bei einer solchen Verwendung des willkürlich ausgeschrieben Mehrbetrages hätte man die Eigenmacht der Pächter mit einer menschenfreundlichen Absicht entschuldigen können. Doch daran dachten die hochweisen Pachter nicht. Um für ein paar unberechtigte Beamte zu sorgen, kümmern sie sich wenig um die Drangsale der Armuth. Diese Koscherfleichsteuer ebenfalls ein Glaubenszoll, ist so schmachvoll, daß die Ausschüsse, wenn sie für die Ehre und das Wohl ihrer Glaubensgenossen in der Thar etwas thun wollten, für die beschleunigte Erlösung von dieser Plage bei der wohlwollenden Regierung sich verwenden mußten. Allein diese Herren sind nicht im Stande, allgemeine Angelegenheiten vom richtigen Standpunkte aufzufaffen z ihr ganzes Verfahren bezeugt Dies. Zwei Drittheile der böhmischen Iudenschaft sind mittellos und leben von heute auf morgen, von der Hand in den Mund. Dennoch werden die jüdischen Gemeinden wegen ihrer angeblichen Reichthümer, die doch nur bei Einzelnen ihrer Glieder aufgehciuft sind, auf höchst unchristliche Weise angefeindet. Es ist nicht lange her, daß mittelalterliche Intoleranz, Mißgunst und Neid, die eben in jenem Wahne von dem Reichthume der böhmischen Juden ihre giftige ^Wurzel hatten , in Prag auf höchst rohe Weise zum Ausbruche gelangten. Und, diesen Thatsachen gegenüber, arbeiteten die hochweisen Pächter an der Befestigung jenes gefährlichen Wahnes , indem sie die Negierung mit den auf sieben Jahre vertheilten Abgaben in einigen Monaten überraschen und, zum Beweise, wie überreich die großentheils arme böhmische Judenschaft sei, noch einen Mehrbetrag von l 50,000 fl. hereinzubringen suchen. Werfen wir jetzt, nachdem wir die finanzielle Weisheit, die riefe Politik und die Menschenfreundlichkeit dieser Finanzpächter hinlänglich beleuchtet haben, noch einen Blick auf die Art und Weise, wie sie in Prag ihre Grundsätze durchführten! Vielleicht bewährten sie bei Ausführung ihrer finanziellen Prinzipien so viel Gerechtigkeit und Menschenfreundlichkeit, so viel uneigennützigen Eifer, daß wir über ihre Thaten, ihre lächerlichen Theorien, ihren berechnenden Diensteifer verzeihen könnten. — Wir haben 'hier nur die Herren v. Lämel und Mautner, die für Prag den engern Ausschuß i bilden, oder eigentlich nur Herrn v. Lämel im Auge, denn die übrigen Glieder dieses Ausschusses sind hohle Strohmänner, was wir, die Schuld nach Gebühr vertheilend, zu ihrer Rechtfertigung bemerken müssen. Auf das offene Land hatte sich zur Zeit, als diese Zeilen niedergeschrieben wurden, das Werk der Auslösung noch nicht ausgedehnt, wenn gleich ein Hr.Mendel, der dort mit seinen Genossen wirken sollte, bereits reichliche Lorbeeren in Empfang nahm, indem er , bei einem Zweckeffen sich als böhmischen Montefiore begrüßen ließ. Unter Prags zahlreicher Judenschaft spielte Herr v. L ämel dm Finanzminister im türkischen Style mit einer Genialität, die man dem schlichten Banquier schwerlich zugemuthet Härte. Den Mann erfüllte eins große Ambition. -Er wollte der österreichischen Finanzverwaltung, wie bereits erwähnt, den Beweis liefern, daß er Summen, die sie erst in sieben Jahren zu erhalten hoffte, in weniger als sieben Monaten aus größtentheils versiegten Quellen locken könne. So große Unternehmungen bedürfen, um ins Leben zu "treten, auch außerordentlicher Mittet. Um diese Mittel war der erfinderische Geist des Herrn von Lämel und seines Adjutanten Mautner nicht verlegen. Die Vermögensschätzungen der Steuerpflichtigen, nach welchen sich die Absösungsbeträge richten sollen, wurden ohne Rücksicht aus die bereits vorliegenden Fassionen v. Lämel und Mautner mit diktatorischer Willkür festgesetzt. Ebenso willkürlich wurde der Steuersatz normirt. Bei den Reichen nahm man lgals Maß stab der individuellen Ablösung, weil, wie Herr von Lämel und sein Adjutant bemerkten, bei einem höheren Steuerprocente der Reiche zu Viel zahlen würde, bei den Mittlern und fast armen Klaffen gingen die finanziellen Aweimänner einen ganz andern Weg. Hier wurde weder der Maßftab der Reichen, noch sonst ein stabiler Besteuecungsfuß angenommen, man ging hier mit so schrankenloser Willkür um, daß man bald zwei, bald acht, bald sogar 10g des, häufig genug nur in der Phantasie der Pächter vorhandenen, Vermögens forderte. Vergebens sträubte man sich gegen dies unerhörte Verfahren. Die Pächter, von der Regierung mit so hohem Vertrauen beehrt, kümmerten sich weder um die demüthigen Vorstellungen der überlasteten Steuerpflichtigen, noch um deren Rekurse an das Gubernium, das eigentlich die verwickelten Ver-

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