Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 24 (11.6.1847)
- Date
- 1847-06-11
- Page
- Spalte 379-380 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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379 Studien. Ein Wort über Judenchiim > von Fabius Miefes. 380 bräuche aufl die für überlieferL ausgegeben wurden, .und gegen die von deriselben ausgegangene mündliche Auslegung des geschriebenen Gesetzes, weshalb sein unterscheidendes Merkmal ist „Läugiiu ng der Auferstehung (als Inbegriff aller zu MysticiSmus führender Ideen der heidnisch-religiösen Anschauungsweise —) „und der UebkLLieferung", und wir ihn daher mit voUem Rechte die „Stabilitäts-Partei" benennen können, weil er gegen jede Neuerung undAenderung des göttlichen Wortes eiferte und ausschließlich dem todten Buchstaben des Gesetzes huldigte. — Der Pharisäismus hingegen befreundete sich mit dem modernen religiös-heidnischen Element, weil er in feiner Gegen- - wart die Unmöglichkeit einsah, das. uralte Mosesthum in seiner ersten Form und Gestalt wieder herzusteUen, und er konnte sich der Befürchtung nicht entschlagen, daß .bei der bevorstehenden Auflösung des politischen Staates auch das Judenthum sich, auflösen und' mit Vernichtung des Bodens auch der Geist der mosaischen' Institutionen seinen Untergang finden würde. Es lag ihm nicht so sehr die traurige Gegenwart als vielmehr> die drohende Zukunft wie . ein drückender Alp schwer am Herzen, in welcher selbst ein mit Sehnsucht erwarteter Messias keine heimkehrende Juden mehr auftreiben können wird,. und daß daher der Mosaismus in Ermangelung eines festen Bodens zur lebendigen Bethätsgung seines legislativen Wesens und konkreten Anwendung seiner socialen Institutionen zu einem verschwindenden Schatten herabsinken, und höchstens' als Ideal einer Vergangenheit oder als Klose S t a a t s t h e or i e in manchen Auserwählten fortleben, aber unmöglich zum Eigenthum riner ganzen Volks masse gemacht und in der Praxis aufbewahrt werden könne. — Man mußte deshalb noch bei Zetten eine Zufluchtsstätte aufsuchen, in welche das Judenthum bei einbrechendem Sturm und Ungewitter sich flüchten und beherbergen soll., Der Pharisäismus erkannte die kritische Lage der Dinge und trat daher zur Abhilfe der kommenden Uebel vermittelnd auf, indem er dem damaligen Accomodationsgeiste dnrch Koncessionen Genüge leistete und durch Reform eine neue Uinstaltung der Dinge bewirkte, die ihrer Mäßigkeit halber eine konservative, auf Erhaltung und Belebung der alten Institutionen hinzielende, genannt zu werden verdient.- Das social-politische Moment wurde mit dem Nimbus der religiösen Reize umgeben, damit das nationale Feld auch m der Fremde nicht brach liege und zu Grunde gehe. Es wurden zugleich die religiösen Neuerungen als Mittel gebraucht, um die antiken gesetzlichen Momente mit Vormauern und Zäunen zu verrammeln und mit Bollwerken zu verschanzen, und erfand man dadurch ein Jsolirungs- und Abschließungsfystem, durch, welches die Juden von feindlichen Angriffen' geschützt und auch im Lande der Sieger, mosaische Juden bleibm, und durch die vielfachen partikularistischen Religionszeichen die Hoffnung auf Regeneration des Staarslebens im Herzen nähren und geduldig erhalten können. Wir widerholen es, der Pharisäismus bediente sich des religiösen Elements nur als Vehikel zur Aufrechthaltung der nationalen Interessen und zur einstigen Wiedergeburt des politischen Staates, daher er alle national-politische Momente, selbst diejenigen, welche offenbar von blos lokaler und temporellec Natur waren, wie z. B. die Speise- und Reinigungsgefetze u.dgl., streng zu beobachten empfiehlt, weil solche ihres separatistischen Charakrers wegen mehr dazu , dienen sollen, den jüdischen . Nationaltypus zu wahren und den Israeliten einerseits durch derartige Gewöhnung an Einschränkungen und Entbehrungen mit stoischem Müthe gegen äußere Erprefsungen und.Erdrückungen zu stählen, und ihn andererseits vom Gegenwärtigen abauf die Vergangenheit und Zukunft hmzulenken und gleichsam an sein „verlorenes Paradies^ stets zu erinnern. Es wurde daher all das erhalten, was nur zu erhalten möglich war, das rein Nationale ausgenommen, wie diejenigen Gesetze und, Bestimmungen, welche auf Opfer und Kultus Bezug hatten und nur auf den Boden Palästinas anwendbar waren, wie überhaupt derjenigen örtlichen und zeitlichen Momente, die iw Tatmud unter dem Namen rr&D yilO nwi>nn bekannt sind. Das eigenthümliche Kennzeichen des Pharisäismus ^ist daher „Befolgung des Geschriebenen und Ueberlieserten, gemäßigter Fortschritt und Abschließung gegen Außen". — Gegen diese beiden Systeme bildete sich im Stillen allmälig ein drittes gegenfüßlerisch.ts aus, das Anfangs als reformistisch aufgetreten, in der Folge aber'als ein besonderes von Judenthume ganz unabhängiges Religionssystem sich geltend machte, und durch sein geschmeidiges Wesen eine große Schaar Anhänger unter seinem Panier versammelte und in späterer Zeit sich zu einem Weltsysteme erhoben hat. * Die Esiäer, gleich den Therapeuten, von mystisch-platonischen Ideen genährt, fanden im kontemplativen Leben den größten Reiz und, den wahren Endzweck der Bestimmung des Menschen. Die heidnische Philosophie bewirkte bei den Essäem eine theosophische Anschauungsweise, die sie als Maaßstab zur Beurtheilung des Judenthums annahmen. In der Hauptidee-des Mosaismus. vermeinten sie den philosophischen Monotheismus und in dessen socialen Gesetzen und Institutionen eine Anstatt zu erblicken zur Verbr eitun g der Religiosität und Gottesfurch t. Und so glaubten sie, indem sie sich mit Vorliebe dem beschaulichen Leben Hingaben und auf die Verallgemeinerung und Vorherrschung der heidnisch-religiösen Ideen, hinarbeiteten, in der Zukunft die Realisation des Urideals Mosesthums am Besten zu Stande zu bringen. , (Fortsetzung folgt.) Noch einige Skizzen «her die Lebensverhältnisse des R M^ir Eisenstadt. Zu meinem in den jüngsten Nummern des Orients gegebenen Berichte über. das Leben dieses Talmud gelehrten kann ich nun, da mir unter dieser Zeit das erste seiner Werke,