Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1847
- Issue
- 24 (11.6.1847)
- Date
- 1847-06-11
- Page
- Spalte 377-378 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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377 Mudien. Mn Wort über Judenthum von Fabius Miefts. 378 staltung /des Iudenthums. nicht, und die exotischen Pflanzen des Hellenismus wurden in dasselbe hineingepfropft und brach- " Len eine heidnisch-philosophische Anschauungsweise zu Wege, die ^war mit jüdischem Kolorit ubertüncht war, allein immerhin machten sie sich als heidnische Produkte geltend, welche durch, Vermischungmit den rein jüdischen den Ruin letzterer nur herbeiführen und beschleunigen mußten, Erst dann als die materialistische Macht der Griechen sich mit dieser heidnischen Philosophie zu vereinigen und einander gegenseitig zu unterstützen ansingen, als die fremde Politik durch Waffengewalt in die einheimischen sich einzumischm wagte, da konnte die Reaktion nicht ausbleibm. und wurde der revoltirende Geist der Auflehnung herausbeschworen, der den Enthusiasmus der Israeliten für ihr Vaterland-belebte, wo wir wiederum der antiken social-politischen Richtung begegnen, die nur durch' den Zusammenstoß mit der fremden m o n archisch enStaats- Verfassung ihres eigenen Wesens sich/bewußt worden, und ün einem konkreten Organe, in der Heldenfamilie der Makkabäer,' einen Träger und Restaurant ihrer politischen Stellung gefunden, der sie vom feindlichen Joche befreien und zum alten Typus der mosaischen Institutionen zurückführen sollte °). Als der heilige Boden durch die heldenmüthigen Freiheits-- kämpfe von den Unterdrückern gereinigt wurde, sehen wir zwar das antike social-politische Element sichtbarer werden und in den Vordergrund treten, nichtsdestoweniger konnte es vondenin den Geistern bereits eingedrungenen Schlacken der hellenistischen Literatur und Wissenschaft nicht ganz lesgemacht werden und konnte unmöglich die religiös-heidnische Richtung völlig erstickt werden, weil sie innerlich im Herzen der Iudenheit Wurzel gefaßt und schon durch die enthusiastischen Kriegesruse ,-,für Gott Israels" im Volke tief eingedrungen und zur unauslöschlichen Flamme des religiösen Fanatismus emporgelodert. Es mußte etwas geschehen, um diesen innerlichen Feind wenn nicht ganz zu vertilgen so doch möglichst unschädlich zu machen. Man mußte daher im Interesse der Erhaltung der mosaischen Lehre zu Reformen Zuflucht nehmen, um durch gemäßigte Anschmiegung an den damaligen Zeitgeist die drohenden Sttirme beschwören und durch einige auf Grundlage der historischen Vergangenheit basirte Reformen die alten Institutionen aufrecht erhalten zu können. Man weihete daher alle fremdartigen Produkte und religiösen Bestandtheile, 6) Siehe hierüber den schönen Aufsatz des Dr. Grcitz in Frankels Zeitschrift für die religiösen Inttressen rc. vom Jahre 1846, März- und Aprilheft „Die Konstruktion der jüdischen Geschichte" überschrieben, wo er mit nns in manchen wesentlichen Punkten übereinzustimmen scheint, wenn wir auch seine Auffassung der Parteien der Vergangenheit nicht billigen können, was .sich in der Folge dem Leser klar Herausstellen wird. Wir sind auf die versprochene Fortsetzung seiner Abhandlung sehr gespannt, die sich auch über die späteren Entwickelungsgänge und über die gegenwärtigen jüd. Interessen bewegen soll, wo wir unbestrittene geschichtliche Zeugnisse besitzen, die größeren Werth und Nutzen darbietcn als das Abmühen und Nachgrübeln in der alten vorgeschichtlichen Zeit. — die in Israel allgemeine Verbreitung gefunden, mit dem Namen „jüdisch" ein, und sie wurden auf eine eigenthümliche Weise umgearbeitet, sanktionirt und dem mosaischen Bund einverleibt. Es durchdrungen sich die politisch - socialen und religiösen Elemente wechselweise und alles wurde in ein jüdisch-religiöses Gewand eingehüllt, selbst diejenigen Gesetze und Institutionen nicht ausgenommen, Mi ursprünglich,ein staatlich-sociales Aussehen trugen, wie z. B. das Sabbatgesetz und die Feiertages u. dergl., welche zu mystisch-religiösen gestempelt wurden. Und so - erhielt sich der jüdische Staat durch eine Modifikation des socialen und religiösen Wesens oder durch gegenseitige Durchdringung und Verschmelzung in einiger Beziehung noch in seiner antiken Fassung, trotzdem daß er von fremden hyperphysischen Ideen geschwängert war und gleich dem „christlichen Staate" der modernen Zeit zu einem „jüdisch-religiösen" sich gestaltete. DaS Eigenthümliche dieser Assimilation des religiösen mit dem politischen Wesen stellt sich schärfer und schroffer erst einige Zeit vor dem.Untergang des jüdischen Reiches heraus, als die drei genannten Parteien entstanden und sich zu besonder«- Sekten vereinigten: ' Der Sadducäismus strebte nur nach Wiederherstellung des jüdischen Staates und nach Geltendmachung des antiken Elements im Iudenthume und sann darauf, alle fremdartigen Produkte und Zuthaten, besonders aber die neugeschaffenen, von Außen herübergekommenen heidnisch-religiösen Bestandtheile vom Mosaismus ganz auszuscheiden, um das rein socialpolitische Momeilt nach dem genauen Wortstirn des Gesetzes überwiegend zu machen und es in seine ersten Rechte wieder einzusetzcn. Die Sadducäer traten aber hauptsächlich gegen die von den Peruschim angenommenenalten Sitten und Ge- 7) Als Grund, zur Beobachtung des Sahbatgesetzes sagt der Pentateuch. (Deuteron. 5, 14) „damit ruhen soll dein Knecht und deine Magd wie du", und als Motiv der Aufrechlhaltung der drei Feste, Pefach, Pfingsten und Laubhütten, angeführt (das. 16, 3 z 11, 14) „und damit du dich freuest vor deinem Gott, du, dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd und der Lewi in deinen Thoren, der Fremdling, die Waise und die Witwe bei dir", also sind es offenbar Volksfeste und von social-politischer Bedeutung, damit in .bestimmten Tagen und Wochen die dienende Klaffe und dieProletarier (welche im blühendsten Staate nicht mangeln können, Deut. 15, 11) den anderen bemittelten Klassen gleichgestellt und dem uaturrechtlichen Stande der individuellen Freiheit wenigstens einige Zeit zurückgegeben werden sotten. Daher bei diesen socialen Institutionen der Zusatz,^damit du eingedenk seiest des Auszugs aus Egypten", womit nicht blos die Erinnerung an die geschichtliche Thatsache des Auszugs aus Mizrajim ausgesprochen wird, sondern an die Idee, die dieser Thatsache zu Grunde liegt, an die Idee von Freiheit und Gleichheit, und es ist auch nicht unwahrscheinlich, daß rm Oriente derartige volksgeschichtliche Ereignisse als Symbole gebraucht wurden, nach welcher Muthmaßung es begreiflich ist, warum den meisten humanen und socialen, diätetischen und ethischen Geboten und Verboten im Pentateuche DV"|SD nisinr> zu Grunde gelegt wird. —